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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 237-238

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 237-238 (sequence 9)
Language
German
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237 VOLK UND LAND 238 Ammoniak kosteten im Frieden je 270 Mark die t, zusammen also 40,5 Mill. Mark. Wir kommen so auf einen Friedenspreis von 15 — 12,8 - 40,5 -j- 68,3 Mill. Mark. Dazu kommt noch die Fracht mit mindestens 6 Mark die t, zusammen also mit rund 3,6 Mill. Mark. Es fragt sich nun freilich, wie weit können diese Kunstdüngermengen in Palästina selbst erzeugt werden, inwieweit können also dabei Ausgaben und Fracht gespart werden. Bei Ammoniak ist das ohne weiteres der Fall : da kann eine Tonne beim Haberverfahren zu 110 Mark erzeugt werden;; es sind dazu Anlagen im Werte von 60 Mill. Mark zu errichten, eine ständige Elektrizitätsmenge von mindestens 30 000 Kilowatt, die man den Flußläufen i entnehmen könnte, aufzuwenden. Jedenfalls ließen sich so die Ausgaben von 40,5 auf einige 16,5 Mill. Mark herabsetzen. Durch gute Konservierung des Stalldüngers, insbesondere der Jauche, ließe sich außerdem der Stickstoffdüngerbedarf für die Folgezeit noch herabsetzen. Was das Superphosphat anlangt, so dürften schon die im Ostjordanland von dem deutschen Geologen Blanckenhorn entdeckten Phosphatlager für mindestens 10 Jahre reichen, sofern nur die nötige Schwefelsäure eingeführt werden kann. Auch da dürften sich die Unkosten um i/s verringern. Und was das Kalisalz anlangt, so ist , das Wasser des Toten Meeres ungemein kalireich: , es enthält nach einer Reihe von Analysen in den 22o;v, Gesamtsalzgehalt etwa 1,3-1,6 im Mittel wohl 1V2°A> Chlorkali. Wird nun die Hälfte des Jordanwassers oder noch besser das ganze Jordanwasser 1 für die künstliche Bewässerung verwendet, so würde! naturgemäß der Spiegel des Toten Meeres allmähj lieh (immer mehr einschrumpfen, die schweren Salze, die Magnesia-, Gyps-, Kochsalzverbindungen würden sich auf dem Grunde des Sees ausscheiden und es würde eine stark mit Chlorkali gesättigte Lösung übrig bleiben, die man je nachdem in besonderen großen Salzgärten eintrocknen lassen oder auch direkt auf Fässer füllen und ins Land verschicken könnte. Jedenfalls käme so das Kali bilj liger als beim Bezüge aus Deutschland. Das Tote j Meer hat etwa 015 qkm Flächei und im Mittel wohl; über 100—150 m (in der Mitte 400 m) Tiefe. Wir ' können danach den Gesamtgehalt an Chlorkali im i Toten Meer wohl zu über 1500 Mill. Tonnen ansetzen entsprechend etwa 6000 Mill. Tonnen an j 12—13 0/0 Kaioit. Die norddeutschen Kalisalzlager | sollen alles in allem auch nicht mehr als 10 000 j Mill. Tonnen an Kaimt und Karnallii! enthalten! Es | ist also im Toten Meer gewissermaßen ein gewalj tiges chemisches Laboratorium vorhanden mit unge- | heuren Vorräten an Kali,. Kochsalz, Brom, Jod, in der Tiefe wohl auch an Asphalt und vermutlich selbst Erdöl. Also auch die industrielle Zukunft Palästinas steht auf recht guten Grundlagen, zudem es nach den neueren Berichten auch Stein- und Braunkohlenlager besitzt. KAPITALBEDARF UND DECKUNG. Fassen wir nach allem bisher gesagten die Gesamtausgaben für die Großbetriebe zusammen, so ist zu bemerken, daß noch in Betracht kommen, die Ausgaben für v't Mill. Kälber, die mit 2*4 Jahren Milchkühe werden und etwa 1 Mill. Lämmern mit etwa rund 40 Mill. Mark. Die Sämereien erfordern etwa 30 Mill. Mark, das Betriebskapital für Kunstdünger und Unterhalt bis zur ersten Ernte . 100 -!- 80 180 Mill. Mark, die Ausgaben für Bauten und Inventar etwa 120 Mill., insgesamt mit 400 Mill. für die künstliche Bewässerung, 890 bzAv. 900 Mill., oder sagen wir selbst eine volle Milliarde Mark. Nehmen wir nun an, daß die Auslagen für den Ankauf von Grund und Boden volle 500 Mill. Mark betragen, um ja nicht Anlaß zu Klagen bei den arabischen Großgrundbesitzern und den Fellahs zu geben, so kommen wir einschließlich der Unkosten für die Garten- und Hausanlagen, die allein bei 1,2 Mill. Haushalten zu je 2500 Mark zusammen 3 Milliarden Mark betragen, auf etwa 3000 -f- 1000 (Großbetriebe) r 500 (Grunderwerb) 4500 Mill. Mark. Dazu kämen noch einige Hundert Millionen für Eisenbahnen, Hafenbauten, öffentliche Gebäude und so weiter. Es kommt so allerdings bei einem solchen zionistischen MaximalprogTamm eine Summe von fast 4,8—5 Milliarden Mark heraus, ein Betrag, den aufzuwenden und aufzubringen man vor dem Kriege als hirnverbrannte Utopie angesehen hätte. Allein wir sind neuerdings gewohnt mit Milliarden zu rechnen und zudem kommt in Betracht, daß die Werte in ganzen Volkswirtschaften z. Zt. sowieso 5000 und mehr Mark auf den Kopf ausmachen, so daß ein Betrag von 800 Mk. auf den Kopf uns keineswegs erschrecken kann. Woher könnte man aber diese; gewaltigen Summen nehmen, wie sie aufbringen? Es ist klar, daß sie nicht gut als Genossenschaftsanteile aufzubringen sein werden, 4000 Mark pro Familie können die armen«, jüdischen Massen nicht aufbringen, vielleicht nicht einmal den vierten Teil. Es wird nichts übrig bleiben, als sie zu höchstens 1,4—Vs in der Form von Genossenschaftsanteilen zum mindestens 3/4—4 5 in der Form von Anleihen mit Gesamtgarantie der Ansiedler zu erlangen suchen. Doch ist zu bemerken, daß die ärmeren Ansiedler sich ja einen Teil der Auslagen durch Arbeit beim Anlegen der Gärten usvv. selbst verdienen — es kommt auch in Betracht, daß die meisten Auswanderer doch nicht ganz arm sind, sondern sehr oft ein Häuschen, einen Laden, eine Werkstatt usw. besitzen, durch deren Verkauf sie immerhin eine gewisse Summe erlösen können. Es ist nun zu beachten, daß eine Familie im Durchschnitt mit etwa 4000 Mark Schulden belastet wäre, oder falls ihr Genossenschaftsanteil 1000 Mark beträgt, 3000 Mark Schulden zu verzinsen und dafür, zu 5 °/o gerechnet, 150 Mark an Zinsen aufzubringen hätte; dazu vielleicht noch 50 Mark an Steuern. Diesen Betrag müßte sie, nachdem für ihres Lebens Notdurf gesorgt ist, entweder aus ihrem Garten aufbringen oder sich durch industrielle und andere Arbeit verdienen. Das dürfte durchaus nicht allzu schwer fallen! EIN MINIMALPROGRAMM. Die Frage, ob neben dem Maximalnicht ein Minimalprogramm vorgesehen werden könnte, läßt sich dahin beantworten, daß m. E. schon bei einer Kolonistenzahl von 4000 Familien 20000 Köpfen ein schönes Kulturideal durchgeführt werden könnte mit einem Gesamtaufwande von bloß 16 Mill. Mark, davon 3—4 Mill. Mark Genossenschaftsanteilen. Als erste Ansiedlung für eine derartige Acker-Gartenstadt käme z. B. die Tiefebene nördlich von Haifa oder die Jesreelebene in Betracht; und zwar müßten die Großbetriebe in der Tiefe angelegt werden, die Gartenstadt auf den umliegenden Hügeln, z. B. dem Karmel selbst. Bei voller Ausnutzurfg der Haifa- und Jesreel-Ebene ließe sich schon eine Bevölkerung von 300 000 bis 400 000 unterbringen, allerdings mit einem Gesamtaufwande von V-t bis V3 Milliarde Mk., davon 25o/0 Genossenschaftsgeldern. Es ist zu bedenken, daß Attika ztur Zeit seiner höchsten Blüte, zur Zeit des Perikies, als es seine unsterblichen Kunstwerke schuf, als die griechische Philosophie und Dichtkunst ihren Höhepunkt erreichte, keine größere Bevölkerung hatte! Die nächste Nähe von Produktions- und Kon-

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