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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 235-236

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 235-236 (sequence 8)
Language
German
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235 VOLK UND LAND 236 100 mm an Wasser zu dem nicht immer reichlichen Winterregen bedarf. Wir kommen so auf 300 000. 1000 4- 400 000 . 250 400 Millionen Mark für die Bewässerungsanlagen! Damit aber wären dann die Ernten gegen etwaigen Ausfall durch Dürren gesichert, Mißernten und damit Hungersnotgefahr, die so oft im Altertum im Heiligen Lande vorkamen, wären beseitigt. . . . Die Stauanlagen könnten aber außerdem allein im Jordantal, auf der Strecke vom Hule- bis zum Tiberiassee und von da bis zum Toten Meer trotz des Wasserentzuges für die künstliche Bewässerung auf 400 m Fall zu je 50 Kubikmeter in der Sekunde gerechnet, 400Ix 50 =■•= 20 000 Sekundenkubikmeter liefern, die bei der Umwandlung in Elektrizität abzüglich aller Reibungsverluste 200 000 Pferdestärken an elektrischer Energie ergeben würden. Damit könnte man nicht nur die Pflug-, Einfuhr-, Drescharbeit usw. in den landwirtschaftlichen Großbetrieben leisten (Bedarf im Höchstfälle 60 000—70 000 Pferdestärken), sondern auch alle Eisenbahnen, Trams betreiben, für die elektrische Beleuchtung sorgen, ja voraussichtlich noch Kraft für industrielle Betriebe und selbst für einen mäßigen Kochbedarf erübrigen. Es sind aber noch andere Flüsse vorhanden, z. B. der Litani im Norden Palästinas,, die bedeutende Energiemengen abgeben könnten. PRODUKTION DER QROSSBETR1 EBE. Was soll und was kann nun auf den tausend Großbetrieben produziert werden? Ich rechne für die 300 000 ha zu bewässernden Täler und Tiefebenen im Winter eine Bestellung je zur Hälfte mit Weizen und Gerste, den Ertrag zu je 3000 kg Körner per ha. Das ist allerdings das fünffache der heutigen Getreideernten in Palästina, aber nur das I1/2 bis 2 fache des deutschen Durchschnittes, ein Betrag, der für fruchtbare und fruchtbarste Böden bei guter Bodenbearbeitung und reichlicher Düngung und Bewässerung keinesfalls als zu hoch anzusehen ist, sondern eher noch gesteigert werden kann. Sind doch in Deutschland auf der Versuchswirtstil aft Lauchstädt — allerdings auf sehr fruchtbarem Boden — im 10 jährigen Durchschnitt 4000 kg Weizen per ha erzeugt worden. Für den Sommer rechne ich mit einer Bestellung von 200 000 ha mit der öl- und eiweißreichen Sojabohne, die zugleich als Stickstoffsammler dienen würde. Auch da können 3000 kg Ertrag per ha angenommen werden. 50000 ha könnten im Sommer im Jordantale mit Baumwolle, 50000 ha mit Reis bestellt werden. An Baumwolle (nach ägyptischem Durchschnitt) könnten etwa 600 kg Baumwollfaser und 1000 kg Samen gewonnen werden, zusammen also 30 Millionen kg Baumwolle, was für eine 6-Millionen Bevölkerung völlig reichte. Die 50000 ha Reisland könnten je 3000 kg an geschältem Reis; zusammen also 150 Mill. kg oder 25 kg auf den Kopf liefern. 'Eine zusätzliche Fläche von etwa 20000 ha im unteren Jordantal könnte mit Zuckerrohr bepflanzt werden, wodurch man bei 18nronatlicher Wachstumsperiode und 15000 kg Zucker auf 1 Hektar, ein durchaus möglicher Ertrag, der auf einer Anzahl Pflanzungen erheblich übertroffen wird, 200 Mill. kg Zucker 33,3 kg auf den Kopf produzieren kann. Für den Hauran rechnen wir nur mit einer Bestellung von 200 000 ha mit Weizen und ebensoviel mit Luzerne zwecks Fütterung von Rindvieh und Schafen. 200 000 ha ziu 3000 kg 3 Tonnen würden 600 Mill. kg Weizien ergeben, 150 000 ha Bewässerungsland weitere 450 Millionen kg. Man hätte so 1050 Millionen kg Weizen, gleich 1050 : 6 175 kg auf den Kopf Das ist für den Brotbedarf sehr reichlich: es würden dabei neben 150 kg für Brot noch reichlich 25 kg für Makkaroni abfallen und mindestens 300 Mill. kg Kleie zur Vieh- und Geflügelfütterung auf den gartenstädtischen Grundstücken. An sonstigem Viehfutter stünden zur Verfügung 450 Mill. kg Gerste, 600 Mill. kg Sojabohnen, 50 Miß. kg Reisabfälle und 30 Mill. kg Baumwollsaatkuchen. Aus dem Gesamtbeträge an Viehfutter von 1410 Mill. kg können nach der gewöhnlichen Berechnung etwa x/5 — 282 Mill. kg an Fleisch, Geflügel und Eiern erzeugt werden, also 282:6 47 kg auf den Kopf im Jahr. Das ist aber noch! nicht der gesamte Fleischertrag: mit den 200 Mill. kg | Luzerneheu aus dem Hauran lassen sich 200 000 | Milchkühe und 2{/2 Mill. Schafe reichlich ernähren. Die Kühe würden bei nur 3000 kg Milchertrag min- 1 destens je 100 kg Butter, zusammen also 20 Mill. kg oder 3,33 kg Butter auf den Kopf 64 Gramm pro Kopf und Woche liefern, dazu die 3 fache Menge an Magerkäse und Molken für Kleintierfütterung. Es könnten jährlich mindestens 30 000 Kühe im Gewicht von 300 kg, 150 000 Kälber im Gewicht von 40 kg geschlachtet werden, die zusammen einen Fleischzuscnüß von 15 Mill. kg — 2\:> kg pro Kopf und Jahr liefern würden. Die Schafzucht würde den gleichen Fleischzuschuß liefern, dazu aber wohl 1,6—2 kg an „gewaschener“ (fabrikationsreifer) Wolle, zusammen 4—5 Mill. kg Wolle —-a1—Yr, Kilogramm auf den Kopf, ein Quantum, das zwai etwas geringer ist, als der Eigenkonsum des deutschen Volkes vor dem Kriege, der mit etwa 1 kg auf den Kopf zu berechnen war jedoch in Anbetracht des wärmeren Klimas noch als reichlich angesehen werden kann. Die gesamte Fleisch- und Eierproduktion würde sich so auf rund 52 kg auf den Kopf im Jahr 2 Pfund pro Kopf und Woche stellen. Wenn man das mit unserer heutigen ,,Kriegsration“ vergleicht, leuchtet der Vorzug ein.*) Für den Bedarf der Zugtiere ist kein Futter vorgegesehen, weil solche bei moderner Hochkultur völlig durch Maschinen, Autopflüge und Autowagen ersetzt werden können! AUFWAND AN ARBEIT UND D U E N G U N G. Der Arbeiterbedarf würde sich pro Großbetrieb (ich kann die genaue Berechnung hier nicht anführen) nicht höher stellen als auf 60—80 Personen, zusammen also 60 000—80 000, dazu vielleicht dieselbe Anzahl für eine 8 wöchige Hackperiode. Ein einziger Jahrgang an 18 jährigen Jünglingen würde sich bei einer 6-Millionen Bevölkerung auf mindestens 55—60 000/stellen. Es ist klar und war von vornherein angedeutet, daß so hohe Jahresernten, wie wir sie hier angenommen haben, eine starke Düngeraufwendung erfordern und Zwar rechnen wir, abgesehen vom Stalldünger, für die 550000 ha Getreidefrüchte (Weizen, Gerste, Reis), 50 000 ha Baumwolle und 20 000 ha Zuckerrohr je 250 kg Superphosphat, ebensoviel Ammoniak und je 160 kg 40 °/o Kalisalz auf 1 ha. Das macht aus rund 155000 t Ammoniak, ebensoviel Superphosphat und 06 000 t Kalisalz. Die 200 000 ha Luzerne und 200 000 ha Sojabohnen erfordern je 250 kg Superphosphät und ebensoviel Kalisalz, den stickstoffhaltigen Ammoniak können sie entbehren. Wir haben so einen Gesarntbedarf von rund 4 Mill. t Superphosphat und 200 000 t Kalisalz, für die wir als Friedenspreise je 60 bzw. 64 Mark für die Tonne einsetzen können, zusammen also 15 4-12,8 Mill. Mk. Die 150000 t *) Diese Ration wäre für das Klima Palästinas viel zu reichlich. Es dürfte die Hälfte völlig genügen. LJeberhaupt ist ja das Nahrungsbedürfnis in diesen Warmen Ländern viel geringer als in der gemäßigten Zone.

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