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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · p. Seite 229-230

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
Seite 229-230 (sequence 5)
Language
German
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229 VOLK und LAND 230 wie in Palästina, wo es 330 000 ha Weizenland und 400 000 ha Gesamtackerfläche geben soll. In Frankreich sind die Flächenerträge fast doppelt so hoch, in Deutschland betragen sie fast das Dreifache! Das heißt also: Die Bevölkerung Siziliens brauchte nicht in Dürftigkeit zu leben, sondern könnte sich größten Wohlstandes erfreuen, wenn erst die Kultur gehoben werden würde. DIE ANBAUFLAECHEN. Wie steht es nun in Wirklichkeit um Palästina? Richtig ist, daß die Ausdehnung der Landstriche höchster Fruchtbarkeit in Palästina eine beschränkte ist. Es sind das die Täler und Tiefebenen am Meere, sodann die Hauran-Hochebene. i Als erstklassig ist zu bezeichnen die etwa 30 000 Hektar große Ebene Jesreel und wenigstens noch weitere 20 000 ha an der Küste von Galiläa, sodann die etwa 15000 ha große Ebene am Hule-See, zumal hier überall die Möglichkeit künstlicher Bewässerung und damit die Erzielung doppelter Jahresernten gegeben ist. Brauchbar ist im allgemeinen auch das etwa 120 000 ha große Jordantal, wenn es auch selbst im Altertum großenteils dürre Steppe gewesen ist, weil es keine Regierung gegeben hat, die so viel Unternehmungsgeist besaß, um in dem 20—30 m tief eingesenkten Jordan eine Anzahl von Stauwerken einzubauen '"oder Seitenkahäle (wie in Aegypten den Josephkanal) zu bauen. Das Jordantal enthält zwar viel Steingeröll, aber daneben doch überwiegend fruchtbaren Lehm- und Tonboden, der nur Wasser braucht, um hohe Ernten herzugeben. Der. Regenfall aber beträgt bei Tiberias nur 400 nun, bei Jericho nur 220 mm im Jahr, und dies ist das Geheimnis, warum das Jordantal als Ganzes niemals angebaut gewiesen ist, sondern es nur an einzelnen, Stellen, wo gerade Quellen entspringen und Berieselung möglich war, wie bei Jericho, Fruchtoasen gab. Die Bewässerung und In-Kultursetzung ' des Jordantals ist mit das wichtigste Problem bei i einer Kolonisation Palästinas im großen. Hier gibt j es Wasser in Hülle und Fülle, die 91 cbm Wasser i in der Sekunde, die der Jordan ins Tote Meer wälzt, | wo es nutzlos für die Wirtschaft des Menschen j verdunstet, könnten, selbst wenn man sie zur Hälfte ausnutzt, für das ganze Talgebiet 1200 mm Zusatz-! wasser ergeben, ausreichend selbst für den Anbau i von Reis und Zuckerrohr, die in der dort herrschenden tropischen Glühhitze ungemein gedeihen würden. Wahrscheinlich könnte daselbst auch Kaffee und selbst Kakao a ngebaut werden. Das ergibt für i Palästina allerdings erst 185 000 ha durch künstliche Bewässerung bei fruchtbarem Boden zu hoch- | steil Ernten zu bringende Fläche. Allein auch die Küstenebene, die sich in 165 km Länge und 15 km Durchschnittsbreite von Gaza bis zum Karmel erstreckt, und im ganzen vielleicht 250 000 ha umfaßt, dürfte noch zum großen Teil künstlich zu bewässern sein, wie das z. B. schon heute mit den Orangen- I gärten bei Jaffa geschieht. Allein der Nahr-el-Aud- { scha, der nördlich von Jaffa mündet, hat 10\cbm Wasj ser in der Sekunde, ausreichend für die Bewässerung j von 66000 ha bei 500 mm Rieselwrasserhöhe, die j für eine Sommerkultur z. B. für Raumwrolle oder die eiweiß- und fettreiche Sojabohne völlig ausreichte. Die anderen, vom Gebirge Juda und den Bergen von Samaria herabfließenden Gewässer bieten auch noch erhebliche Wassermengen für die künstliche Bewäsiserung. Selbst wenn wir (schwach gerechnet) nur die Hälfte der Küstenebene als für künstliche Bewässerung in Betracht kommend ansetzen, bekommen wir für ganz Palästina über 300000 ha Land, das künstlich bewässert, als doppel wertig angesehen werden, d. h. v,u doppelten Jahresernten gebracht werden kann, wo es zudem selbst in dürren Jahren niemals Mißernten geben kann, da selbst die Hälfte der normalen Rieselwassermengen bereits für Höchsternten ausreichen. Der natürliche Durch Schnitts niedersch lag ist zudem in Palästina nicht geringer als in den Ackerbaugegenden Europas, insbesondere Deutschlands. Die große Küstenebene empfängt im Durchschnitt bei Gaza 420, bei Jaffa 520 mm Niederschlag. Das ist genau so viel Niederschlag, wie ihn die trockeneren östlichen Gebiete Deutschlands in der Provinz Brandenburg und Posen, selbst einzelne Striche von Sachsen auch empfangen. Auch in Deutschland haben wir „Trockeninseln“ mit nur 400 mm Jahresniederschlag, die trotzdem als ausgezeichnete Getreidegegenden gelten. Die Regenverteilung ist aber in Palästina eher günstiger: Der Regen fällt im dortigen Winter und kommt so der Winterfrucht vollständig zugute, während in Deutschland der im Spätherbst und Winter fallende Niederschlag — 1!—' i des Jahresniederschlags für die landwirtschaftliche Kultur so gut wie völlig nutzlos ist. ln der eigentlichen Vegetationsperiode vom April bis Mai fallen im gesegnetsten Zuckerrüben- und Getreidegebiet Deutschlands, bei Magdeburg-Halle, nicht mehr als 280 mm Regen. Gewriß herrscht in Palästina während 5 Monaten im Sommer fast vollständige Dürre, es ist dann eben auf unbewässertem Boden (d. h., soweit nicht die „Trockenkultur“, z. B. Anbau von Sesam', Melonen usvv. Platz gegriffen hat. bezw. Platz greifen wird) ein Vegetationsstillstand m beobachten, genau wie in Deutsdiland im Winter. Für die gewöhnliche Ackerkultur, die Erzielung nur einer Jahresemte, genügen vollauf die Winterregen, selbst wo sie auf 400 mm zu bewässern sind, wie in der sehr fruchtbaren, weil auf vulkanischem Boden ruhenden, mindestens 41X1000 ha großen Hauran-Ebene, der bekannten Kornkammer Syriens, die den berühmten, insbesondere zur Makkaronifabrikation hochgeschätzten „Glasweizen“ hervorbringt. Der größere Teil Palästinas, insbesondere das ganze Westjordanland, empfängt aber, von der Küstenebene abgesehen, 600—700 mm Regenfall. Das als unfruchtbar Und verkarstet geschilderte Gebirge Juda hat bei Jerusalem 660 mm Niederschlag, um Vö mehr als in Berlin, Hebron auch noch 650 mm, bei Berseba mögen es ja nur noch 400 mm sein. Das samaritanische und galiläische Hügelland empfangen nicht unter 600—700 mm. Man kann also sagen: soweit in Palästina überhaupt eine ausreichende Ackerkrume ansteht, genügt der Regenfall durchaus zu einer Jahresernte. Allerdings kommen starke Schwankungen des Regenfalls häufiger vor, als in der nördlichen gemäßigten Zone. Jerusalem hat in seinem schlimmsten Dürrjahr 1869/70 nur 318 mm Regenfall gehabt, die aber bei zeitiger und sorgfältiger Bodenbestellung auch noch zur Erzielung einer guten Jahresernte gereicht hätten. Immerhin hätte man sich in den trockeneren Gebieten, namentlich des Ostjordanlandes darauf einzurichten, wenigstens beschränkte Wasserreservoire einzurichten, große Teiche zu graben, die einen gewissen Wasserzuschuß bei eintretender Dürre abgeben könnten. Man braucht zu dem Zwecke nur zu studieren, wo, an welchen Stellen, es bereits im Altertum Wasserstauanlagen, künstliche Wasserbecken gegeben hat. Und was die „verkarsteten Gebirge“ Palästinas anlangt, so berichten neuere Forscher, z. B. Auhagen, daß sie meist von der sogenannten „Nari“-Kruste bedeckt sind, die für Baumpflanzungen einen durchaus brauchbaren Boden abgibt. Der Oelbaum, die Rebe, der Mandel«

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