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Volk und Land · 1919-02-13 · Heft 7 (13.2.1919) · p. Seite 217-218

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 7 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
Seite 217-218 (sequence 15)
Language
German
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217 VOLK UND LAND 218 Emtewert von 20—22 Millionen Mark entspricht. Man kann diese für eine mittelgroße Insel gewaltigen Zahlen erst verstehen, wenn man die immensen Oelbaum wälder Mytilenes gesehen hat. Wohin man auch schaut: Oliven in der Ebene, Oliven im Tal, am Berghang und bei niederen Bergen bis zum Gipfel hinauf. An den Berghängen srern man Tausende von mauerbekleideten Terrassen, von denen manche nur einem einzigen Oelbaitme dienen. Diese charakteristischen Terrassen haben den Zweck, eine Horizontalfläche zu schaffen, die das Herabschwemmen des Humus bei starken Regengüssen verhindert und so dem Baume Gedeihen garantiert. Der Bauer läßt sich die große Mühe dieses Terrassenbaues nicht verdrießen, er weiß, daß ohne Terrassen am Berghange keine Kultur möglich ist, und daß ferner ein ertragsfähig gewordener Oelbaum ihm ein Jahr ums andere einen Durchschnittsertrag von einem türkischen Pfunde oder 18 Mark abwirft. Dabei verlangt der Oelbaum, der Jahrhunderte lang ertragsfähig bleibt, fast gar keine Pflege. Alle 3—4 Jahre werden die Bäume von Spezialarbeitem gesäubert, d. h. es werden alle Stellen, die auch nur den geringsten Fäulnisansatz zeigen, gründlich gereinigt. Die Innen- und Randflächen hohler Bäume werden glatt gehobelt, was bei dem widerspenstigen Holze des Oelbaums eine schwere Arbeit bedeutet. In krassem Gegensatz zu dieser Sorgfalt steht die Behandlung, die der Bauer dem Oelbaume gelegentlich der Ernte angedeihen läßt. Mit langen Stangen werden da die Früchte rücksichtslos vom Baume geschlagen, ohne daß man daran denkt, daß bei diesem in Frankreich und Italien verbotenen, rohen Verfahren, gleichzeitig fast alle kleinen Tragäste mit herunter geschlagen werden. *) Bis vor zwei Jahren dachte auch noch niemand daran, seine Oelbäume zu düngen. Die ersten ganz schüchternen Versuche hierzu sind jüngsten Datums und haben recht günstige Resultate ergeben. Nichtsdestoweniger weiden noch lange Jahre vergehen, ehe der Myteliniote sich von den primitiven Methoden seiner Altvorderen abwenden und zu rationellerem Verfahren bekehren wird. Und welche Millionenwerte sind nicht schon durch dieses Kleben am Alten im Orient verloren gegangen!“ PALAESTINA Palästina - Arbeit der polnischen Orthodoxie In Warschau fand eine große Geleierten-Versammlung der Agudas Haorthoo x i m statt, auf der rund 300 Ortsgruppen mit etwa 60 000 Mitgliedern durch 535 Delegierte vertreten waren. Die Versammlung beschloß zur Palästina-Kolonisation folgendes :♦ a) ein Verzeichnis derjenigen anzulegen, die nach Palästina überzusiedeln beabsichtigen, b) einen Palästina-Fonds zu gründen, der Unbemittelten die Ansiedlung in Palästina ermögliche« soll, c) die Gründung einer landwirtschaftlichen Kreditbank in Palästina und die Organisation der Kolonisationsarbeit auf genossenschaftlicher Grundlage, d) die Entsendung einer Studienkommission nach Palästina, e) die Vorbereitung der orthodoxen Jugend für die Palästinaarbeit durch Einführung in die Landwirtschaft und in das Handwerk. Die Palästinaarbeit der Orthodoxie soll selbständig und nach den Beschlüssen des rabbinischen Rates der Aguda geführt werden. *) Hierauf ist es zurückzuführen, daß nur Jedes zweite Jahr eine Vollende ergibt. Bei vernünftiger Ernteweise (mehrmalige Abemtung jedes Baumes durch Hand- C Bücken der reifen: Früchte, wozu in den fortgeschrittenen ändern Kinderarbeit verwendet wirdj) ließen sich die Erträge nach Emtemenge und Qualität außerordentlich steigern. Die erhöhten Erntekosten bringen sich mehrfach ein (Mytilene).! Volkszählung Die vom Palästinaamt ur.L rnommene Volkszählung wurde während der Kriegszeit durchgeführt. Die Gesamtzahlen zeigen erfreulicherweise, daß die pessimistischen Gerüchte über die maßlose Abnahme der jüdischen Bevölkerung Palästinas im Kriege übertrieben sind. Wohl ist die i jüdische Bevölkerung Jerusalems und Jaffas fast aut die Hälfte zusammengeschrumpft. Die Kolonien dagegen blieben unversehrt. Insgesamt waren während des Krieges nach den Ausweisungen und der Auswanderung: in Jerusalem .... 31 147 Juden „ Jaffa ....... 8740 „ „ Hebron .. 800 ,, „ de« judäischen Kolonien 10667 ,, zusammen 51 354 Juden Ueber die jüdische Bevölkerung der Städte und Kolonien Samarias und Galiläas, die unter keiner Evakuation gelitten und überhaupt vom Kriege weniger betroffen waren, sind die Daten noch nicht veröffentlicht. Triest — Fiume Das Palästina-Amt in Wien verbreitet nachfolgende recht beachtenswerte Notiz: Wie wir schon wiederholt betont haben, ist der Weg für Palästinafahrer über Triest streng gesperrt. Nun waren seit Wochen in den interessierten Kreisen Gerüchte verbreitet, wonach der Weg über Fiume offenstehe. Ein Teil der von uns nächst Wien untergebrachten Pioniere ließen daraufhin ihre Landarbeit stehen und machten sich sogleich nach Fiume auf. Diese Gerüchte erhielten ihre sdieinbare Bestätigung, als die „Wiener jüdische Morgenzeitung“ berichtete, daß der erste Transport der Chahazim unter dem Jubel der Bevölkerung Fiumes auf einem amerikanischen, von einem Zionisten kommandierten Schiff unter jüdischer Flagge nach Erez Israel ausgelaufen sei. Natürlich haben wir auf das erste Gerücht hin Verbindung mit unseren Vertrauensleuten in Fiume gesucht, um Klarheit zu schaffen. Diese geben wir hiermit pflichtschuldigst der jüdischen Oeffent- Jichkeit weiter, indem wir aus dem uns kürzlich: zugegangenen Bericht aus Fiume folgende Stellen wöftlicn zitieren: In Angelegenheit der Einwanderer habe ich Ihnen sowohl in mei,nem als auch im Namen des hiesigen Zionvereines schon öfters geschrieben. Ich wiederhole und betone es daher, daß hier in Fiume das Erlangen der Reiseerlaubnis unmöglich ist, weil die Reise nadi Erez Israel vom englischen Oberkommando grundsätzlich verboten ist. Was die bisherigen Pioniere betrifft, so konnten wir nur ausnahmsweise, da es der erste Fall war, die Pässe mit Hilfe eines amerikanischen Oberleutnants verschaffen, wissen jedoch nicht, ob sie angelangt sind, glauben und fürchten aber, daß dies nicht der Fall ist. Neuerdings sind 31 Palästinafahrer hier angelangt. Trotz aller Bemühungen war es unmöglich, ihnen die Pässe zu verschaffen. Die Leute kehren daher nach Agram .zurück. Sie kommen mittellos an. Jeder, der nach dieser verläßlichen Aufklärung dennoch den Weg über Fiume sucht, tut dies auf eigene Gefahr und Verantwortung. Die mehrfach geäußerte Besoignis, daß die „Entente- Zionisten“ uns bei der Besiedlung Palästinas zuvorkommen, beruht auf einer Verkennung der Sachlage. Bei der günstigen wirtschaftlichen Lage Englands und besonders Amerikas ist eine jüdische Massenbesiedlüng Palästinas von dorther derzeit ausgeschlossen. Audi sind unsere Führer dort davon durchdrungen, daß der Vortritt den Juden jener Länder gebührt, wo sie sich national und wirtschaftlich bedrückt fühlen. Wir sind im Besitze einer Erklärung Dr. Weizmanns, daß, sobald es die politischen Verhältnisse nur irgendwie gestatten, zionistische Kommissionen aus eben diesen Lindern ausgeschickt werden sollen.

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