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Volk und Land · 1919-02-13 · Heft 7 (13.2.1919) · p. Seite 215-216

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 7 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
Seite 215-216 (sequence 14)
Language
German
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215 VOLK UND LAND 216 AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT WIRTSCHAFT jüdische Leistung im besetzten Gebiet Julius Beiger untersucht in einem' größeren Aufsatz unter dem Titel: Auswanderung und Vorbereitung*) die Frage, wie es möglich ist, die jüdischen Menschen, wie sie das Galuth hat werden lassen, im Gesamtwert der Neusiedlungzu verwenden. Im Grunde weist Berger kernen zurück, der körperliche oder geistige Eignung hat und guten Willens ist. Auch für die Kaufleute erhofft er innerhalb eines bestimmten Rahmens ein reiches Feld der Tätigkeit. Der grobem Masse, soweit sie körperlich geeignet und bereit ist, grobe Arbeiten zu verrichten, stellt er vielfache BesChäftigungsmögliiclikeiten in Aussicht. Der nachfolgend mitgeteilte Abschnitt aus jenem Artikel, der die Massenbeschäftigung zum Gegenstand hat, ist wegen des Hinweises auf die Leistungen jüdischer aus den polnischen Großstädten stammender Arbeitskräfte im seinerzeit besetzten Gebiet besonders bemerkenswert. „Es erhebt sich die Frage, ob wir imstande sein werden, der großen Masse der Juden, die * nach Palästina übersiedeln wollen, schon bald Existenzmöglichkeiten im Lande zu gewähren, auch außerhalb jener landwirtschaftlichen Beschäftigung, für die nach übereinstimmender Meinung nur ein sehr kleiner Teil zunächst geeignet ist und auch nur gehraucht wird. Ich glaube, daß wir in sehr kurzer Zeit erheblich größere Mengen von Juden bei Arbeiten nichtlandwirtschaftliehen Charakters verwenden können, als wir außerdem noch als Landarbeiter und Bauern benötigen. Wenn wir in Palästina einigermaßen das Recht bekommen werden die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in die Hand zu nehmen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß wir sehr bald, wahrscheinlich vom* ersten Augenblick: an, vor der Notwendigkeit stehen, große öffentliche Arbeiten vorzunehmen. Es müssen Straßen und Eisenbahnen gebaut und unterhalten werden. Wasserleitungen müssen gelegt, Terrassierungen vorgenommen wenden, UeberlandIieHungert müssen gebaut, Flußbetten reguliert, Stauanlagen errichtet werden usw. usw. Dazu kommt die Entsteinung der Aecker, der Bau ovn Häusern und Baracken, bald vielleicht auch Hafenbauten, jedenfalls bald ein Hafen und Speditionsbetrieb, kurzum, eine Menge von öffentlichen Arbeiten, für die in erster Linie ungelernte Arbeiter benötigt werden. Diese Arbeiter brauchen im wesentlichen nichts mitzubringen als Gesundheit, Kraft und guten Willen. Man kann wohl ohne in übertriebene Schätzungen zu verfallen, annehmen, daß für solche Arbeiten sofort viele tausende Kräfte verlangt werden, und daß dieser Bedarf mit der fortschreitenden Entwicklung des Landes sich eher vermehrt als vermindert. Nun steht fest, daß gerade für diese schwere, rein körperliche Arbeit der Jude wenig Neigung und zurrt größten Teil auch wenig körperliche Eignung besitzt. Trotzdem ist es den Deutschen gelungen, im Kriege im besetzten Gebiet im Osten mit zum guten Teil ausschließlich jüdischen Arbeitskräften, die dazu großenteils noch aus dem' vollkommen unterernährten Proletariat der polnischen Großstädte stammten, viele Hunderte von Kilometer Eisenbahnen und Straßen zu hauen, große Urwälder zu roden, riesige Sägewerke, Schwellenfabriken, Holzverkohlungsanstalten, Marmeladenfabriken und dergl. zu betreiben, wie ja auch ein großer Teil des Eisenbahnbetriebsperson a’s im besetzten Gebiet im Osten aus diesen jüdischen Arbeitern bestand. Das konnte erreicht werden im Kriege, wo die Ar beiter zum Teil unter geradezu furchtbaren Verhältnissen und zu entsetzlichen Bedingungen für eine Sache arbeiten mußten, die ihnen ganz fremd oder sogar verhaßt war. Natürlich haben die Behörden und Unternehmer, die mit den Leuten zu tun hatten, nicht genug •) Siehe Nr. 6 der „Jüdischen Rundschau“. über sie klagen und ihnen nicht genug Schlechtes naChsagen können. Aber letzten Endes sind doch die Eisenbahnen gebaut und betrieben worden, haben die Sägewerke gearbeitet und wurde die Marmelade geliefert. Wenn das im1 Krieg und in Polen und unter den angedeuteten schweren Bedingungen möglich war, sollte dasselbe nicht viel leichter mögliech sein, im jüdischen Palästina, unter Bedingungen, die unter dem Gesichtspunkt des Gemeinwohls des jüdischen Volkes aufgestellt sind und an deren Festsetzung die Arbeiter entscheidend mit § reden haben und zu einem Zweck', der dem geringsten fcser Arbeiter heilig und teuer ist?“ Die Organisation der Handlungsgehilfen in Tschecho - Slovakien Eine Anfang Februar abgehaltene Beratung der in Tschechoslovakien gelegenen Ortsgruppen des „Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes“ beschloß, sich unter vollkommener Loslösung Von der Deutsch-Oesterreichischen Zentrale zu einem selbständigen Verband zusammenzuschließen, dessen provisorische Zentrale vorläufig Brünn ist. Nach der Wahl einer provisorischen Verbandsleitung beschäftigte sich die Tagung eingehend mit der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Angestellten undi mit der Stellung der neuen Organisation zu den anderen Angestelltengewerkschaften. Es wurde einstimmig der Wunsch ausgesprochen, ein unbedingtes Zusammengehen in Klassenfragen mit diesen Organisationen zu suchen und der neuen Leitung dementsprechende Direktiven erteilt. Nach Schluß der Tagung traten die Delegierten zu einer Beratung wegen Schaffung politischer Organisationen zusammen und wurde nach den Ausführungen des Delegierten der Reichsexekutive der Poale-Zion in Prag beschlossen, den Kollegen den fakultativen Beitritt zur Poale-Zion zu empfehlen und dort, wo die notwendigen Aufklärungsarbeiten bereits durchgeführt sind, Ortsgruppen der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale-Zion zu schaffen. „Ahlem“ Die „Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem“ (Hannover-Linden 2) wird unter Berücksichtigung der sich vorbereitenden Berufsumschichtung der deutschen Juden vollkommen iimorganisiert. So werden in Zukunft auch junge Mädchen, die neben guter Schulbildung körperliche Eignung und Liebe zum Beruf besitzen, als Gärtnerinnen ausgebildet. Nachdem ein ehemaliger Schüler der Anstalt, der die Gartenbau-Hochschule absolviert hat, die Leitung des gärtnerischen Betriebes übernommen hat, ruht die gesamte Ausbildung in jüdischen Händen. Durch Vergrößerung des Bodenareals wird die Möglichkeit geboten, neben dem gärtnerischen auch den landwirtschaftlichen Betrieb kennen zu lernen. Die Anstalt umfaßt nach vollendeter Neuorganisation folgende Abteilungen: 1. Landheimschule für Schulpflichtige mit Ausbildung in Handfertigkeit und Schulgartenbau. 2. Gartenbauschule für männliche und weibliche Lehrlinge einschließlich des Unterrichts in Bienenzucht, Kleintierzucht, Milchwirtschaft, Obstverwertung. 3. Handwerkliche Lehrwerkstätten. 4. Allgemeine und fachliche Fortbildungsschule. 5. Haushaltungsschule mit Ausbildung im Hausgarten, in Geflügel- und Kleintierzucht, Kinderpflege. Olivenkultur Ueber die Bedeutung der Olivenkultur liegt ein Bericht aus Mytilene von 1914 vor, der auch für uns von großem Interesse ist. „ln recht guten Emtejahren beträgt der Zehnte allem aus Oliven nahe an zwei Millionen Mark, was einem 05382012033281320727064

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