Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1919)
- Date
- 1919-02-13
- Page
- Seite 205-206 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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205 VOLK UND LAND 206 Kategorie sein wird, ist schwer zu übersehen. Jeder Zionist wird den Wunsch haben, die Kolonisation so rasch wie möglich durchgeführt zu sehen und so große Menschenmassen wie nur immer möglich nach' Palästina hinüberzuführen. Wem es aber um die Kolonisation Ernst ist, der wird vor allem wünschen, daß das Resultat unserer Bemühungen auch den Erwartungen entspricht, die das jüdische Volk an den Regenerationsprozeß in Palästina knüpft. Der Zionismus ist, wie Herr Dr. Noack sehr richtig bemerkt, eine Bewegung zur Rettung und Erneuerung des jüdischen Volkes. Eben deshalb muß das. was in Palästina geschieht, gut und solide geschehen, denn wir bauen dort nicht für einige Jahre, sondern für Jahrhunderte. Sämtliche auswanderungslustigen oder notleidenden Juden von heute auf morgen in Palästina anzusiedeln, ist nicht möglich. Dies ist auch nicht der Sinn des Baseler Programms. Wäre er es — dann müßte das Programm allerdings geändert werden. Sein wahrer Sinn ist aber die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes, nicht die Schaffung eines in Eile errichteten Nachtasyls. Sollten die Einwanderungsmöglichkeiten, die ich ins Auge fasse und die mir sehr bedeutend erscheinen, -noch erheblich erweitert werden können^ sollten meinetwegen in den ersten Jahren jährlich bis 100 000 Menschen nach Palästina einwandern und dort Unterhalt finden können, so wäre dies gewiß vom Standpunkt möglichst rascher Durchführung unseres Programms zu begrüßen. Aber auch damit würde sich an der äußeren Oesamtlage des jüdischen Volkes noch nichts Wesentliches geändert haben. Mit aller Schärfe muß deshalb dem verantwortungslosen Treiben derjenigen entgegengetreten werden, die unter Vermeidung jeder Zahlenangabe in Massenversammlungen oder Zeitschriften dem Publikum vorgaukeln, eine unfähige und beschränkte Leitung verstehe nicht, die Gesamtheit des Volkes in Palästina glücklich zu machen, was doch bei großzügigem Anpacken der Sache gar nicht so schwer sei. Es muß mit aller Bestimmtheit betont werden, daß, so hoch auch die Einwanderungsziffern der ersten Jahre gesteigert werden mögen, immer nur ein kleiner Bruchteil des jüdischen Volkes nach Palästina gehen kann. Was soll also die Noacksche Behauptung, daß bei Annahme meines Kolonisationsplanes das Baseler Programm geändert werden solle, weil in meinem Plan von „der Heimstätte für das jüdische Volk nichts zu merken sei?“ Mehr Sachlichkeit in der Diskussion - sonst werden wir nicht zur Verständigung über das Kolonisationsprogramm gelangen. Anmerkung des Herausgebers: Wir «haben LTchtheims Erwiderung Raum gegeben, um unseren Lesern auch einen anderen Standpunkt als den Dr. Noacks zugänglich zu machen. Immerhin möchten «wir der etwas aufgeregten Tonart gegenüber, die uns nach den Noackschen Ausführungen nicht eben geboten scheint, einiges bemerken: Dr. Noacks Grundidee war zweifellos die, durch eine Art Kataster ein, Mittel in die Hand zu bekommen, um damit auf die Friedenskonferenz zu wirken und uns die im Lande fehlende Majorität durch den Notbehelf einer solchen „im Kataster“ soweit als möglich zu ersetzen. Die Lichtheimschen Ausführungen auf dem Elelegiertentage hatten bei Herrn Dr. Noack den Eindruck .erweckt, als ob einem solchen Standpunkt gegenüber auch sein Vorschlag einer politischen Massenwirkung wenig «Aussicht auf Gehör haben würde. Dies hat ihn zu dem polemischen Beiwerk zu seinen Ausführungen veranlaßt. Das Wort von der lediglich „dekorativen Rolle“, das Herrn Lichtheim besonders in Harnisch gebracht zu haben scheint, war von dem Autor sicherlich nur im Sinne des tatsächlich bloß Dekorativen angevvendet worden. Für die große Wanderung, die — nach Lichtheim — wie bisher nach Amerika gehen müsse, haben die schönsten ethischen und sozialen Gesichtspunkte, die wir mit einem minimalen Ansiedhingswerk in Palästina verbinden, „tatsächlich“ keine praktische, sondern nur eine „dekorative“ Bedeutung. Herr Lichtheim hat vollständig recht, wenn er sagt: „Sämtliche auswanderungslustigen «oder notleidenden Juden von heute auf morgen in Palästina anzusiedeln, ist nicht möglich.“ Aber weder Dr. Noack, noch sonst ein mir bekannter Gegner des Unter den heutigen.« Umständen schläfrig und schneckenhaft anmutenden Tempos von 20 000 im Jahr hat die Forderung einer so plötzlichen Ansiedlung aufgestellt. Wer wirklich auch nur halbwegs im Rechte ist, braucht den Standpunkt des Gegners nicht so w«eit zu übertreiben. Dasselbe gilt auch von den gegen Schluß der Lichtheimschen Ausführung gerügten Angriffen gegen die Leitung, die nicht verstehe, „die Gesamtheit des Volkes in Palästina glücklich zu machen“, usw. Wenn man Herrn Lichtheim fragen würde, wer „diejenigen“ sind, die in „Massenversammlungen oder Zeitschriften“ dem Publikum wer weiß was „vorgaukeln“, so würde er wahrscheinlich nur feinen einzelnen Herrn nennen können,, der, wie ich aus denkbar bester Kenntnis sagen kann, sehr weit davon entfernt ist, derartig unsinnige Behauptungen aufzustellen. Aber wahrscheinlich gilbt es irgendwo einen aufgeregten Hörer (wie Lichtheim ein aufgeregter Leser ist), der sich bemüßigt gesehen hat, einer hohen Regierung allerlei Uebertreibungen als bare Münze aufzutiseben. Die geplante Nationalanleihe kommt hoffentlich in soliderer Währung zustande. Dann aber werden wir wirklich ein Vielfaches der Lichtheimschen Ziffern*) ohne übermäßige Schwierigkeiten jn Palästina ansiedeln können. SANITAERE MASSNAHMEN FUER DIE RUECKKEHR NACH EREZ ISRAEL Von Majorarzt Dr. Hermann Mayer (Wien). Die Rückkehr in das Land unserer Väter, die nach dem Kriege im großen Stile ein setzen wird, stellt die jüdischen Aerzte vor Aufgaben, denen sie nur dann gewachsen sein werden, wenn sie schon heute au ihre Lösung herantreten. Damit ist zunächst die Tätigkeit im Galuth gemeint. Ein Großteil der Heimkehrer wird aus den östlichen Ländern kommen, aus hygienisch nicht einwandfreien Gegenden, wo der Krieg die sanitären Verhältnisse noch verschlimmert hat. Haben wohl auch schon früher Massenwanderujigen nach Amerika I stattgefunden, so darf man nicht vergessen, daß! es dort mit den zu Verfügung stehenden reichen | Mitteln leicht war, alle sanitären Uebelstände ab- *) Die ja übrigens nicht von Lichtheim sind, sondern ' von Ruppin, und von Ruppin nicht für die Ge»enwart, sondern für eine „graue Vorzeit“, nämlich die vor der englischen Regierungserklärung, vor der englischen j Eroberung Palästinas und vor dem neuesten Um- } schwung zum Schlimmeren in der Lage der Ostjuden. I So daß ich bis zum Bte weise des Gegenteils nicht glauben i Werde, daß Ruppin selbst an ihnen festhält.