Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1919)
- Date
- 1919-02-13
- Page
- Seite 201-202 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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201 VOLK UND LAND 202 deren Installation) 900 Frs. per Jahr an 71 seiner NF. Schrift) *) Nach alledem (und vielem Anderem) halte ich mich nach wie vor berechtigt, für eine aus öffentlichen Mitteln ganz oder teilweise ermöglichte Kolonisation in Palästina einen Hektar Land und ein Geld fordernis von innerhalb 1000 Frcs. per F a m i 1 i e für ausreichend zu erachten, wobei die zunächst außer acht gelassene Wohnungsfrage nunmehr erörtert werden soll. Nach einem dem Palästinaamt in Jaffa von Herrn E. Krause erstatteten Bericht hätte in Cypern vor 10 Jahren (der Bericht ist meines Wissens von 1913) ein Häuschen aus Wohnraum und Küche bestehend, 12 bis 15 Pfund Sterling gekostet, gegenwärtig soll es sich wegen Erhöhung der Materialpreise und Arbeitslöhne auf 16—20 Pfund Sterling (320 bis 400 Mark) stellen. Mittelst dieser leicht zu verbessernden Bauweise könnte man bequem innerhalb von 1000 Francs ein Haus mit mehreren Zimtmern und für den in Frage kommenden Zweck völlig ausreichend und zweckdienlich herstellen. Krause rechnet dabei mit ziemlich gehobenen Löhnen, während in unserem 'Falle ganz gut die anzusiedelnden Kolonisten selbst das Hauptarbeitsquantum beim Häuserbau leisten könnten, wodurch sich die Kosten verringern würden oder innerhalb der gleichen Kosten die Bauweise bedeutend verbessern ließe. Im übrigen bleibt das kleine Vorbild bestehen, i das auf meine Anregung von dem Architekten Ale- } xander Levy in Berlin hergestellt worden ist. j Ein kleiner Raum von 2:4 m Grundfläche und 21/3 m } Höhe wurde in Steinbau (Lochziegel mit beidersei-; tigern Putz, Dach aus demselben Material mit Eisen-! Einlagen) für Mk. 87,50 hergestellt. Der dabei bezahlte Arbeitslohn betrug Mk» 10.— per Tag. Mit Materialien, wie sie im Orient bei Hausbau üblich sind, wollte Levy (der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt hat) auch etwas größere Räume für etwa 100 Francs bis 100 Mark per Zimmer herstellen. Unter Verwendung von reichlich Zement, der bei Bezug aus Europa etwas teuer kommt, aber bei der zu erwartenden starken Bautätigkeit billig genug im Lande fabriziert werden könnte, würde man auch eine weitergehenden Ansprüchen genügende Bauweise (Paetz’sche Lehmdrahtbauten) anwenden können, wobei der Preis *) Bezüglich der Fläche finde ich an anderer Stelle bei Oettinger („Die praktischen Vorteile der Erbpacht“ in Heft I der Mitteilungen des „Jüdischen Nationalfonds“) in dem Vertragsprojekt des N. F. ein Bodenausmaß von 2000 qm (= x/s Hektar) angegeben. Dies ist nicht viel, aber es ist doch mehr als der Durchschnitt der 2 Millionen kleinsten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland. Alles in allem zählt Deutschland übrigens 5,7 Mill. Betriebe auf 31,8 Miß. Hektar, was im Gesamt durchschnitt weniger als 5,6 Hektar entspricht. Von diesen sind mehr als 4 Millionen unter dem Durchschnitt von 1 Hektar pro Betrieb. Bei einem Vergleich zwischen Deutschland und Palästina und zur Nutzanwendung für die Besonderheiten jüdischer Kolonisation ist aber zu berücksichtigen, daß bei unserer Kolonisation in Palästina der viel intensivere Gartenbau eine ganz unverhältnismäßig größere Rolle spielt als in Deutschland. In Deutschland entfielen 1013 von je 100 ha des Acker- und Gartenlandes auf: Getreide 62,4 Hackfrüchte 19,2 Futterpflanzen 10,2 Ackerweide 5,3 Hausgärten 2,0 Gartengewächse ■ 0,5 Handelsgewächse 0,4 Das preußische Gartenrentengut hat übrigens die Fläche von 1250 — V» Hektar eines Ansiedlerhäuschens von mehreren Zimmern immerhin weit innerhalb 1000 Francs pro Familie bleiben dürfte. Die bisher sehr große Schwierigkeit der Wohnungsfrage ließe sich übrigens auch auf geschäftsmäßiger Grundlage beseitigen, wenn nämlich ein besonderer Baufonds geschaffen würde, der (ebenso wie der N. F. gegen bloße Pacht für den Grund und Boden aufkommen sollte) unter Garantie unserer Institute eine Verzinsung von etwa Zwischen 4 und 6°/o bringen würde, wovon nur , ein kleiner Teil auf Reparaturen und Verluste zu i rechnen wäre... Aber auch abgesehen von einer solchen Finanzierung würde der Hausbau bei 1000 Francs pro Familie nicht mehr so piohibitiv wirken, wie in unserer bisherigen Kolonisation. Wenn wir — alles reichlich hoch1 — den Hektar Land auf 500 Mark, den Hausbau auf 1000 Mark, den Zuschuß zum Unterhalt einer Familie im ersten Jahre auf etwa 500 Mark und für Saatgut, Gerätschaften usw. nochmals 500 Mark rechnen, so bekomme«? wir eine Gesamtsumme von Mk. 2500.—, meinethalben einschließlich der allgemeinen Kosten auch M. 3000.— oder selbst M. 3200.—, gleich aufgerundet 4000 Francs, womit wir dann bei einem Fünftel der im offiziellen Anschläge genannten Summe angelangt wären. Hierzu sei noch folgendes bemerkt: Die allgemeinen Unkosten sind geringer, wenn die Kolonie dichter besiedelt ist. Kleine Gärten in unmittelbarer Nähe der Häuser verlangen z. B. weniger Bewachung. als entferntere Liegenschaften, und wenn eine Kolonie von 500 ha von 500 Familien besiedelt ist, so verteilen sich die allgemeinen Kosten besser, als wenn nur 50 Ansiedlerfamilien vorhanden sind. Außerdem : Mit den obigen 4000 Francs rechne ich als einem sehr hoch gefaßten Kostenanschlag für die allererste Zeit und bin überzeugt, daß der tatsächliche Gestehungspreis bald sehr viel näher an 2000 Francs liegen wird. Diese letztere Summe entspricht übrigens genau dem Satz, zu dem in Griechenland die in den Jahren 1906 und 1907 aus bulgarischen Distrikten geflüchteten mehreren tausend griechischen Familien in Thessalien angesiedelt wurden, wobei sich die gleichen Kosten für städtische, wie für ländliche Ansiedlung ergaben. Zu der obigen Ziffer von rund 4000 Francs stimmt übrigens ziemlich genau die von Herrn Professor Bailod gefundene Summe von annähernd Mk. 600,— Ansiedlungskosten pro Kopf, wobei er, wie bekannt, die Kosten Sehr weitgehender Meliorationsarbeiten, Maschinerien usw. mit eingerechnet hatte. Ich bin, wie bereits an anderen Orten ausgeführt, durchaus der Ansicht, daß Ballods Berechnungen im großen und ganzen der Sachlage entsprechen, und daß ihre Anwendung auch nicht daran scheitern müßte, wenn der von ihm ursprünglich berechnete, sehr große Maßstab auf ein Hunri e r t s t e 1 und selbst auf ein Tausendstel reduziert werden müßte, weil in mancher Hinsicht der Anfang billiger durchzuführen ist als die Fortsetzung was die Verteuerung, die durch den kleineren Maßstab bedingt wird, ungefähr ausgleichen kann. Es dürfte klar sein, daß bei einer neuen, großzügigen Aktion für eine Ansiedlung in Palästina das Ergebnis auf das Außerordentlichste dadurch beeinflußt wird, ob tatsächlich die Ansiedlung pro Familie auf Frs. 20000.— zu veranschlagen ist, oder aber auf ein Fünftel dieser Summe mit der Aussicht, bis auf ein Zehntel herabgesetzt werden zu können. Der Erfolg einer allgemeinen Aktion Svürde bei Annahme der oben gezeigten klei- | neren Geldbasis nicht nur der sein, daß für dieselbe