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Volk und Land · 1919-02-13 · Heft 7 (13.2.1919) · p. Seite 197-198

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 7 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
Seite 197-198 (sequence 5)
Language
German
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197 VOLK UND LAND 198 Kraft dem Bewußtsein der Massen sich eingeprägt hat. Tatsachen und Ereignisse, die Schwierigkeiten aus dem Wege räumen, die bisher als u-nübersteiglich galten. Sie betreffen den Orient und insbesondere das Land Palästina und werden gekennzeichnet durch die Erklärung der englischen Regierung vom 2. November 1917 und! ihre Folgen in Verbindung mit dem für die Zentralmächte unglücklichen Ausgang des Weltkrieges. Dadurch sind Bahnen der Wanderung frei geworden, die aus dem Grunde bisher wenig benutzt bleiben mußten, weil politische Schlagbäume und ökonomische Rückständigkeit ihre Benutzung verboten. Die politischen Schranken werden fallen. Und es1 ist sicher, daß infolgedessen die ökonomischen Möglichkeiten des Landes zu einer Höhe emporschnellen, die mit der bisherigen Kolonisation keinen Vergleich zuläßt. Eine noch offene Frage ist es, wie weit die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes dem offenbar ungeheuren Drang zur Auswanderung schon in der nächsten Zukunft enfgegenkommen. Soviel scheint jedenfalls festzustehen, daß die der Linie des geringsten Widerstandes folgende Wänderungsbewegung die alten Geleise verlassen wird. Palästina erscheint als das Zentrum aufgespeicherter Kraft, das die Nadelspitze des Wänderungskompasses anzieht, und die Kraftquellen der benachbarten Orientlämder bewirken ein natürliches Schwanken und starkes Abweichen der Nadel nach rechts und links. Im Bewußtsein der Massen hat sich diese Tendenz auf dem Grunde des Gefühls und der Einsicht um so mehr verankert, als die ehedem vorgezogene Hauptwanderstraße nach Nordamerika mit mancherlei lästigen Schranken verbarrikadiert ist. Wenn es auf dem letzten Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hieß, daß Kapital und Volksmassen nach Palästina sich in Bewegung setzen würden, ob man wolle oder nicht, und daß jede Ablenkung ein untauglicher Versuch bleiben werde, so war damit nicht zum Ausdruck gebracht, daß die Masse auf die Gefahr einer Katastrophe hin nach Palästina aufbrechen werde, sondern nur die Ueberzeugung, daß der Orient und insbesondere Palästina, die künftig den geringsten Widerstand bietende und somit durch die maßgebenden Umstände vorgeschriebene Wanderrichtung bestimme. Ist dies der Fall - und wir hoffen, daß die Zukunft jener Ueberzeugung Recht geben werde —, so muß dafür Sorge getragen werden, daß jede nur mögliche Förderung dieser Wanderung zuteil wird, und zwar eine solche Förderung, die Lenkung sein muß und nicht Ablenkung sein darf. Und gleichermaßen versteht es sich von selbst daß der gesamte nahe Orient als Ziel der Wanderung in den Kreis fördernder Tätigkeit gezogen werden muß, wenn sich, was wahrscheinlich ist, Parallelwanderungswege bilden sollten, die zu einem Kranze von Siedlungen um das Zentrum Palästina führen könnten. EINIGE UNTERLAGEN BETREFFS EINER JUEDISCHEN KOLONISATION IN PALAESTINA mit kleinem Landausmaß, billigem Häuserbau und geringem Kapitalbedarf*) Von Davis T r i e t s c h. Im Nachstehenden soll die für alle jüdische Kolonisation in Palästina grundlegende Frage behandelt werden, ob die zumeist vertretene Auffassung berechtigt ist, wonach ein Kapital von etwa Frs. 20000.— sogar für eine aus allgemeinen öffentlichen Mitteln ganzoder zum größten Teil ermöglichte Kolonisation in Palästina pro Familie nötig sei, oder ob. wie ich behaupte, dieses Ziel sachgemäßer mit Beträgen zu verwirklichen sei, die zwischen einem Fünftel oder einem Zehntel der genannten Summe liegen.—*) Im allgemeinen bemerke ich hierzu, daß die gesamte landwirtschaftliche Erfahrung unseres Ansiedlungsbereiches in Palästina, wie auch der nach Klima, Boden iund Kulturen ähnlich gearteten Nachbarländer und sonstiger Mittelmeer-!und auch vieler anderer Gebiete zeigt, daß hier auf sehr kleinen Flächen sehr erhebliche Erträge zu erzielen sind, und sogar, daß der einzelne Landwirt mit seiner Familie größere Landstrecken in einer den Intensitätsmöglichkeiten der dortigen 'Landwirtschaft entsprechenden Weise überhaupt nicht bewältigen kann! Da nun zum mindesten für eine durch öffentliche Mittel ermöglichte öder doch wesentlich geförderte Ansiedfung keinesfalls ein größeres Landausmaß in Betracht kommen darf, als der Kolonist *) Dem widerspricht nicht, daß mein Minimum noch wesentlich tiefer liegt. mit seiner eigenen Arbeitskraft und der seiner Familie bewältigen kann (allenfalls kann daneben gegenseitige Hilfe der Kolonisten oder Hinzuziehung fremder Arbeitskräfte für einen verschwindenden Teil des Jahres in Betracht kommen) so wird man untersuchen müssen, welches Maß von Arbeit der einzelne Kolonist leisten und welches Landausmaß er bearbeiten kanß!* Innerhalb der hierfür ’m findenden Ziffer wird man noch eine engere Schranke ziehen müssen, nämlich da, wo die betreffende Wirtschaft wesentlich mehr bringt, als ein Kolonist der gedachten Alt (unterstützte Kolonisation) für einen bäuerlichen Lebensunterhalt verlangen darf, wobei für den verschiedenen Ausfall von Ernten usw. usw. ein ziemlicher Spielraum zu lassen wäre. Beispiel: Wenn es richtig ist, daß, wie der deutsche Konsul in Bari mehrere Jahre vor dem Kriege *) Dieser Aufsatz wurde Anfang 1918 geschrieben. Seither haben wichtige Aenderungen in den äußeren Umständen sich vollzogen, sowohl durch die Erklärungen, welche die Oeffnung Palästinas für unsere Einwanderung in greifbare Nähe rücken, wie auch durch die veränderte jüdische Lage in Osteuropa. Tnotzdesn bringe ich den Aufsatz — seiner, wie mir scheint, sehr informativen Materialien halber — Unverändert zum Abdruck. In einer demnächst erscheinenden Arbeit werde ich auf gewisse Weiterentwicklungen der hier angedeuteten Kofonisationsplane näher eingehen. D. T.

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