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Volk und Land · 1919-02-06 · Heft 6 (6.2.1919) · p. Seite 189-190

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6 (6.2.1919)
Date
1919-02-06
Page
Seite 189-190 (sequence 15)
Language
German
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180 100 VOLK UND LAND die Möglichkeiten Palästinas in Wirklichkeit sehr bedeu- Die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für jüdische Einwanderer im ganzen Orient dürfte nicht allzu großen Schwierigkeiten begegnen. Die zu schaffende große Organisation des jüdischen Arbeitsnachweises müßte vor allem auf den ganzen Orient ausgedehnt werden. Während und nach der Friedenskonferenz ließen sich mit den in Betracht .kommenden Staaten leicht feste Abmachungen zustandebringen. Da diese das größte Interesse daran haben, in die dünn besiedelten Länder des Orients wertvolles Menschenmaterial hereinzubekommen, so werden sie es an Erleichterungen bei der Einwanderung und während des Aufenthalts in den Arbeitsgebieten nicht fehlen lassen. Auch die Arbeitsnachweise dürften von ihnenj finanziell und in sonstiger Hinsicht unterstützt werden. Diese dürften zugleich als Beratungsstellen besonders bei der Beurteilung der Zuträglichkeit des Klimas! für den Einwanderer und als Interessenvertretung gegenüber den in Frage kommenden 'Behörden/ und Arbeitgebern dienen können. Durch zielsicheres kraftvolles Handeln des Einzelnen und der verantwortlichen Stellen werden wir von uns die Schmach aibwenden, daß in diesem großen historischen Moment kleinliche Gemüter den großen Wandererstrom vom Orient äblenkcn und in die Schwitzhollen New-Yorks treiben wollen. Dr. N. Honig. Diesem in der „Jüdischen, Rundschau“ veröffentlichten; Artikel fügt deren Redaktion folgende Anmerkung an: Die Anregungen des Verfassers vorstehenden Artikels scheinen uns durchaus beachtenswert. Unter den jetzigen politischen Verhältnissen ist sicherlich mit raschem Aufblühen des gesamten vorderen Orients zu rechnen,. Freilich darf nicht übersehen werden, daß landwirtschaftliche jüdische Kolonisation sehr große Mittel erfordert. Was wir an Mitteln und Menschenmaterial für die landwirtschaftliche Kolonisation aufzubringen vermögen, muß 5n erster Linie Palästina zugute kommen. Dagegen ist es sehr wohl denkbar, daß eine erhebliche Zahl von Juden als Kaufleute, Industrielle, Beamte, Techniker, Handwerker, Arbeiter in städtischen Berufen im näheren Orient Fuß fassen und daß sich so größere jüdische Gemeinden, dort entwickeln. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß es dort in den Städten bereits ein zahlreiches Bevölkerungselement vom Griechen, Armeniern, Syrern und Levantinern gibt, mit dem die einwandernden Juden die Konkurrenz aufnehmen müßten. Anmerkung des Herausgebers: Wir bringen den Aufsatz samt der Anmerkung der Rundschau-Redaktion als ern sehr schätzenswertes Material. Sowohl der Verfasser wie die Redaktion sind durchaus im Recht, wenn sie der Nachbarländerfrage unter den heutigen Umständen eine hohe Bedeutung zuerkennen. Ich selbst habe meine Beschäftigung mit der Palästinafrage damit begonnen, daß ich (angesichts der vor 20 Jahren geltenden türkischen, wie der zionistischen Einwanderungsverbote) gleich von vornherein das althistorische „Größere Palästina“ als unser Landprogramm verfocht, um trotz der Einwanderungserschwerung bereits Arbeitsmöglichkeiten und gleichzeitig eine Vorbereitung für die künftige Inangriffnahme einer großen, Kolonisation im Kernlande zu gewinnen. Es ist bekannt, 'wie dieses Nachbarländerprogramm damals (1899) als a n t i zion.i st i s ch bekämpft wurde, und wie main erst nach Uganda den gutpalästinensischen Charakter meines weiterfassenden Landprogramms erkannt hat. Der siebente Kongreß, der das zionistische Verbot der Kolonisation, in Palästina beseitigte, nahm gleichzeitig die Nachbarländer in seine Formulierungen auf, freilich ohne daß damit dort eine praktische Tätigkeit begonnen worden wäre und — wie ich hinzufügen möchte — auch ohne damit die Nachbarländer dem Horizont unserer (maßgebenden Instanzen, oder auch nur unseres Publikums tatsächlich merkbar näher zu bringen. Die früher versäumten Möglichkeiten brauchen uns jedenfalls nicht zu veranlassen, int gleichen Wege fortzufahren. Auch die gegenwärtige Gesamtlage macht die Nachbarländerfrage wieder zu einer hochaktuellen. Die bevorstehende Massenemigratkm aus dem Osten nach Amerika lenken und Palästina für die nächsten 10 Jahre nur für maximal 20000 (jährlich) in Betracht ziehen, _ zu wollen, wäre der größte Fehler den man sich denken kann. Nicht nur, daß tende sind, die durch eine großzügige Etappen- und Nachbarländerpolitik noch wesentlich erweitert werden können: -- es /sieht uns auch Amerika keineswegs für eine Massenauswanderung aus dem Osten zur Verfügung! Ich habe sofort beim Auftauchen des neuen Schlagworts („die Massen weiter nach Amerika — nach Palästina nur ein Bruchteil der Auswanderung!“) darauf hingewiesen, daß die Sympathien Englands und Amerikas für ein jüdisches Palästina neben anderen Gründen, wohl auch auf den Wunsch zurückgehen, die jüdische Wanderung von den eigenen Küsten abzulenken, Die letzten Nachrichten, besagen, daß Amerika zur Abwendung der Bolschewisten-Gefahr für die nächsten 4 Jahre jede Einwanderung untersagen will. Und dabei ist der iüdische Auswanderungsdrang, der vor dem Kriege jährlich etwa 100000 Auswanderer zeitigte, durch die Kriegsiereignisse und deren Folgen in der ungeheuerlichsten Weise verstärkt worden. Zur Anmerkung der Redaktion möchte ich bemerken, daß die größere Billigkeit der Ansied hing von Kaufleuten, Industriellen, Beamten, Technikern, Handwerkern, Arbeitern in städtischen Berufen usw. doch auch Palästina zugute kommen sollte. Wenn wir nach dem Rezept der Redaktion die kostspielige landwirtschaftliche Kolonisation möglichst auf Palästina beschränken, und die billigere städtische tfür die Nachbarländer bevorzugen, so kommt .nach meiner Meinung Palästina dabei zu kurz, und das wäre trotz allen, Interesses für die Nachbarländer keineswegs in meinem Sinne. Dagegen könnte gerade ein wenig landwirtschaftliche Kolonisation in den Nachbarländern uns etwas sehr Wertvolles für Palästina bieten, nämlich die Kenntnis von billiger Installation und Bauweise, die uns durch die sehr künstliche Entwickelung unseres Kolonisationswerkes i,n Palästina unbekannt geblieben ist. Davis T r i e t s ch. Technische Erschließung Syriens und Palästinas Daß der Weltkrieg picht nur zerstörend, sondern auch kulturfördernd und aufbauend gewirkt hat, beweisen die Landschaften Syriens und Palästinas. Von neutraler Seite ist es kürzlich ausgesprochen worden: „Der Sinaihalbinsel und Südpalastina haben die Kriegsjahre mehr genützt als 50 Friedensjahre“. Die Wüste, die sich hier erstreckte, die öde, unwegsam und unbewohnt war, ist von Grund auf verändert. Wege durchziehen sie, auf denen die Autos dahingleiten, hunderte Kilometer Eisenbahnlinie sind ^gelegt worden, Städte, Dörfer, Fabriken und Werkstätten sind entstanden, Lagerschuppen, Krankenhäuser erbaut, Brunnen erschlossen und Wasserleitungen gelegt. Eine Eisenbahn führt von Jerusalem über Hebron, Berseba usw. gut 280 km weit bis auf etwa 40 km an den Suezkanal heran, eine andere Bahn verbindet die Hedschasbahn mit Jerusalem, eine dritte Maan und Akaba. Endlich ist die Eisenbahn vollendet worden, die von Nazareth an der Haifabahn nach Jerusalem führt, mithin Palästina von Norden nach Süden durchquert. An allen diesen Eisenbahn- und Autowegen sind neuzeitlich eingerichtete Ortschaften mit massiven, den klimatischen Verhältnissen des Orients angepaßten Bauwerken entstanden, in denen sich Etappenstationen, Lazarette usw. befinden. Wasser wird zum Teil in Röhrenleitungen herbeigeführt, zum Teil sind Brunnen erschlossen worden. Dabei ist man oft völlig überraschend auf so reichliche Wassermengen gestoßen, daß dieselben zur Kultivierung des Landes herangezogen werden konnten. Ganze Strecken des öden Wüstensandes sind bereits bebaut und mit Bäumen bepflanzt worden. Wie reichlidh die erschlossenen Wassermengen teilweise sind, und mit welchen weittragenden Plänen sich die dortigen Kreise tragen, geht aus folgender Mitteilung hervor: Beim Bau der Hedschasbahn ist die Bauleitung auf der Strecke zwischen El-Scheab und Dewan auf Wasserfälle gestoßen, welche zu industriellen Zwecken ausgebaut werden sollen. Nach einer Berechnung beträgt die zu gewinnende Energie etwa 9000 PS., eine Kraft, welche zum Antrieb der Bahn zwischen Damaskus und Jerusalem Verwendung finden soll. Zugleich können auch noch eine Anzanl in der Nahe gelegener Städte mit Trinkwasser und Beleuchtung versehen werden.

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