Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1919)
- Date
- 1919-02-06
- Page
- Seite 185-186 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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185 VOLK und LAND 186 ^»mmmumummmuumuumuimimuummmumiimuumHimmimmimiimm»mmmmmmmmm»mmmmmmmi»immm)mmmmnmHniimni»imii)immmimiiiiiiiiiimiimiiiimimiiimitiimiiiiiiiiimiiiimiii»i»iii± || AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT |j tllltlf lllllllllllllllllllllllllill IIIMIIII f IIIIIIIIII1111IIIIII i 1111111111II11 llll IIIIII llllll 111111 illjil IIIIIII!! 11IHIII IM IIUIII!!! Illll!IHII II Itll t! I lltll lllltlll!! II t H1111! U! Hl U! III!t!l!l I! I)! II IM II Itlülll 11II! lill llltlll llllllill IIIIDIIJI IMiltHI I IlHIIIIIIIIIlllitllllllllltltllf? POLITISCHES Die neue Republik und die Juden Die Juden haben sich nicht nur im Dulden, sondern auch im Sich-Gedulden geübt. Die junge Republik hat den Juden noch manches zu hoffen und zu wünschen übrig gelassen. Erstaunlich war und bleibt, daß das berühmte Postulat der gleichen, geheimen, direkten Wahl für alle Körperschaften nach den Erklärungen der sozialistischen Minister nicht auf die jüdischen Gemeinden anzuwenden sei. Sehen wir ganz von der Eigenart der jüdischen Kultusorganisationen ab. die de facto nicht nur die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen haben, und stellen wir uns einmal auf den Standpunkt der Verhält- | nisse wie sie jetzt liegen, daß die Gemeinden tatsäch- | lieh nur Konfessionsverbände seien, dann ist es wirk-! lieh und wahrhaftig nicht erklärlich, warum der religiös i oft recht indifferente Millionär in der ersten Wahl-; käste zehn- oder zwanzigfach soviel zu sagen hat als ein tiefgläubiger, aber ärmerer Jude. Wenn vor Gott alle Menschen gleich sind, so müßte das in der Verwaltung des Gotteshauses zum Ausdruck kommen, wo der Besitz von Reichtümern wahrlich kein Recht auf größeren Einfluß geben dürfte, für den „Freisinn“ gewisser Großgemeinden, insbesondere Berlins, ist es bezeichnend, daß deren Verwaltungen nicht freiwilli g das Klassenwahlsystem verabschiedeten, wogegen ihnen von seiten der sozialistischen Regierung kein Hindernis in den Weg gelegt würde. Die Regierung | wünscht nur nicht, sich in „private Gesellschaften“, als die sie Religionsverbände ansieht, einzumischen.; So wird diese brennende Frage aufgeschoben, bis andere , Zeiten kommen. Und dann?. ' Die zahlreichen Ausländer, die in Deutschland ' waren, haben am eigenen Leib keine besondere Aende-; rung des Verhaltens der Behörden erfahren, wenn wir | die Aenderung zum Schlechten nicht unterstreichen wollen. Das Einwanderungsverbot, das nur den jüdischen Polen galt und gilt, besteht noch fort. Eine infame Beschuldigung des ancien regime hat die Erkrankung der polnischen und zum Teil auch jüdischen j Bevölkerung an Flecktyphus benutzt, um allein den Juden die Grenzen zu sperren. Nachgewiesenermaßen j waren aber die Juden von dieser Seuche 1917 nicht I mehr so stark betroffen als andere östliche Bevölkerungsschichten. Geheimbefehle haben sich auch klar dahin ausgesprochen, daß es antisemitische und konservative Erwägungen waren, welche den Juden sogar die Durch Wanderung verboten und sie lieber Pogromen und Hungersnöten ausgeliefert haben. Die verantwortlichen Stellen der neuen Regierung hatten weder Verständnis noch Neigung, diese beschämende Be- oder vielmehr Mißhandlung und Nichtachtung des jüdischen Volkes zu ändern. Der Judenparagraph besteht nach wie vor. Aber nicht nur die Einwanderung ist unterbunden. An vielen Orten haben die A. und S.-Räte, stellenweise sogar gegen die stellvertretenden Kommandos, die einst ins Land gelockten polnischen und litauischen Juden innerhalb weniger Stunden von Ort und Stelle gejagt, ln Altona, Halle und Frankfurt kamen geradezu schamlose Fälle vor, wo die Ostjuden, die Jahr und Tag für deutschen Kriegsbedarf gearbeitet hatten, wie Verbrecher in aller Eile zum Bahnhof geführt, mit Kind und Kegel in Züge gesetzt wurden, und eine Schreckens fahrt von Tagen und Wochen antreten mußten. Tage und Wochen blieben diese Züge auf den Strecken liegen, mangelnde Ernährung, Kälte usw. haben eingewirkt, eine beträchtliche Zahl der in dieser Weise Verfrachteten gesundheitlich zu schädigen. Dia es sich nur um russische Juden handelt, kümmert sich die große Welt nicht darum. Auch über die Rückgabe resp. Nicbtzurückerstattung der von den armen Arbeitern bei der Ueberschreitung der Grenze gestellten Kautionen zu reden, wäre nicht unlohnend. Erwähnenswert ist, daß z. B. auch die ostjüdischen Studenten, die schon vor dem Krieg in Berlin immatrikuliert waren, unter Herrn Hoffmann an der Universität nicht zugelassen wurden. Auch die Anerkennung der jüdischen Nationalität liegt im Argen. Trotz aller offiziellen Communiques. Während die Vorbescheidung des Wahlsystems von den unabhängigen Sozialisten Breitscheid und Simon erfolgte, während die Petition betreffs Weiterstudiums von neun jüdischen Studenten (z. T. aus dem Baltikum) von dem unabhängigen Sozialisten Hoffmann nicht erfüllt wurde, hatte ein anderer Parteigenosse dieser Richtung, der frühere Polizeipräsident von Berlin, Eichhorn, der jüdischen Sache einen empfindlichen Hieb erteilt. Angesichts der Pogromgefahr hatten sich jüdische Soldaten in der 15. Kompagnie der repufolfkanisdien Soldatenwehr zusammengetan, um einem Pogrom begegnen zu können. Die Sicherheit der Berliner jüdischen Bevölkerung war lange Zeit stark bedroht und kann jeden Augenblick wieder gefährdet werden. Trotzdem1 wurde diese jüdische Kompagnie, die aus jüdischem Geld erhalten werden sollte, von Eichhorn aufgelöst. Unter der großen Zahl der Bürger-. Sel'bstwehr- und anderer Formationen hätte diese jüdische Selbstwehr schwerlich die Staatsmaschine gefährdet. Moral: Organisierung des jüdischen Volkes! Stetes Arbeiten, stetes Erinnern. Nur Phantasten können das Heil und die goldene Zukunft für das jüdische Volk ohne entsprechendes eigenes Tun erwarten. Felix A. The il h aber. WIRTSCHAFT Baumwollbau in Syrien Dem Handels-Museum, Wien, entnehmen wir: Gegenwärtig wird in Syrien nur wenig Baumwolle angebaut, nur an einigen Orten des Vilajets von Aleppo, so in Killis, Aintab usw. Im Altertume war der Baumwollbau in Mesopotamien viel bedeutender, und die daraus erzeugten Gewebe waren in der ganzen Welt berühmt. Bis zum amerikanischen Bürgerkrieg wurde Baumwolle auch in der ganzen fruchtbaren Küstenebene gebaut von Gasa im Süden bis Alexandrette im Norden. Nach Dr. A. Ruppin (Syrien als Wirtschaftsgebiet) soll damals die jährliche Erzeugung bis zu 9 Millionen Kilogramm im Werte von 9 Millionen Francs betragen haben. Als nach dem Bürgerkriege die Baumwolle stark im Preise sank, wurde ihr Anbau in Mittel¬ und Südsyrien aufgegeben, weil dort die Baumwolle künstliche Bewässerung verlangt, deren Kosten durch den niedrigen Verkaufspreis der Baumwolle nicht mehr hereingebracht wurden. In Nordsyrien könnte sich der Baumwollbau in beschränktem Maße erhalten, weil dort viel Tau fällt, so daß die künstliche Bewässerung der Stauden nicht notwendig ist. In den letzten Jahren hat man in verschiedenen Gegenden Syriens wieder Anbauversuche mit Baumwolle gemacht, und .zwar auf bewässerbarem- Lande in der Küstenebene und im Jordantale. Nach Dr. Ruppin soll die beste Baumwolle die von Nablus und Lattakie sein. Der Gesamtertrag soll eine Million Kilogramm betragen. Bis zum Kriege wurde die syrische Baumwolle, die sehr weiß und elastisch, aber auch sehr kurz ist (2 cm), zum größten Teile nach England ausgeführt, ein Teil im Lande selbst verwendet zur Füllung von Kissen oder auf der Handspindel versponnen. Entkemungsmaschinen gibt es nur in Akka, Haifa und im Vilajet von Aleppo. Dem Baumwollbau in Syrien soll in Zukunft größere Aufmerksamkeit zugewendet werden. Da Baumwolle noch, lange Zeit hoch im Preise stehen wird, hofft man, daß die Fellachen daraus Vorteil zu ziehen versuchen und sich wieder mehr dem Baumwollbau zuwenden werden. Da der Stapel der syrischen Baumwolle sehr kurz ist, sollen Anbauversuche mit anderen Sorten gemacht werden. Bei der Wärme des syrischen Klimas und der Trockenheit des Herbstes ist vom syrischen Baumwollbau viel zu erwarten, nur muß er sachgemäß betrieben werden.