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Volk und Land · 1919-02-06 · Heft 6 (6.2.1919) · p. Seite 173-174

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6 (6.2.1919)
Date
1919-02-06
Page
Seite 173-174 (sequence 7)
Language
German
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VOLK UND LAND 174 173 kurrenzkampf aus, macht. den „Staat“ zur Aufsichtsbehörde über Handel und Wandel) und (schafft damit von vornherein Möglichkeiten für eine Sozialisierung'. Die Schwierigkeiten freilich, die uns im Lande bevorstehen, sind damit nicht behoben und die Arbeit wird eine außerordentliche sein müssen. Aber deshalb können wir doch hoffen, daß es gelingen wird, dem Volke eine Heimstätte zu bereiten, in der jeder, der wegen seines Judentums leidet, willkommene Aufnahme findet. Unser Lehrer Mose hat ein Volk von Industriearbeitern aus ihren eigenen Bedürfnissen heraus befreit, bevor er wußte, in welches Land er sie führen würde. Und als ihn die Kundschafter informierten, ließ er sich nicht durch die zehn beirren, die von Enaksöhnen fabelten, und nicht durch das Volk, das in jammervollem Kleinmut nach Aegypten zu rück verlangte. Sollte es heute umgekehrt sein? Das Volk will Palästina erobern, aber die Führer schrecken es zurück und sehen Enaksöhne! MASSENWANDERUNG UND MASSENSIEDLUNG Von Davis Tri et sch. (Schluß.) Hier kommen wir zur Frage den Organisatoren. Ein Ansiedlungswerk größten Maßstabes, wie wir es Vorhaben, verlangt nicht nur das Maß von Organisation, das in seinem vorläufigen Umfang geboten ist: es geht über die Massenkolonisation hinaus insofern, als es die Vorbereitung einer Millionensiedlung ist. Um diese in geordnete Bahnen zu lenken, muß der, organisatorische Rahmen von vornherein viel weiter gespannt sein. Die Assanierung des Landes muß beispielsweise so weit als möglich im Anfang der Einwanderung durchgeführt werden, und nicht erst nach Maßgabe der fortschreitenden Immigration, der Verwaltungskörper muß von Anfang an für die erwarteten Nachschübe aufnahmebereit dastehen. Aehn- Iiches gilt von dem technischen Stab, vom Schulwesen usw. usw. Vor allem aber zwingt uns das große Kontingent von ungelernten Arbeitern, mit denen wir in unserm Ansiedlungswerk rechnen müssen, zur Einstellung einer viel größeren Zahl von Fachleuten auf allen Gebieten, als u'ir bei einem anders gearteten Menschenmaterial nötig haben würden. Aus alledem geht auch hervor, daß wir sehr viel mehr akademisch oder sonst höher gebildete Kräfte nötig haben, als die meisten bei uns zurzeit annehmen. Wir dürfen uns bei der Frage der Fachleute und Organisatoren auch nicht auf den jüdischen Kreis beschränken wollen, sondern müssen froh sein, wenn uns beispielsweise England bewährte Kräfte für die Errichtung von Stauwerken, für die Aufforstung, für Hafen- und Straßenbauten usw., in irgendwelcher Form zur Verfügung stellt. Es darf auch an den Kosten nicht gespart werden. Wir müssen uns darüber völlig klar sein, -daß es sich hier nicht nur um die nach der augenblicklichen Zahl der Einwanderer beschränkte Aktion handelt, sondern um die Grundlegung für, das große jüdische Palästina einer sehr nahen Zukunft! Selbst wenn es sich angesichts der Transportschwierigkeiten zunächst nur um wenige Zehntausende handeln würde, wären diese doch als der Anfang einer mehr oder weniger schnellen Millioneneinwanderung anzusehen, und unter diesem Gesichtspunkt wären bereits Apparat und Kosten der Ueberleitung zu betrachten. Was die Arbeitsgelegenheit für eine von vornherein zahlreiche Einwanderung betrifft, so haben wir neben den aus den Möglichkeiten der Einwanderer selbst sich ergebenden Dingen, die wir keineswegs in ihrer Vielseitigkeit und Ausdehnung unterschätzen wollen, vor allem mit den öffentlichen Arbeiten zu rechnen. Für diese - neben dem Landkauf ist die geplante; nationale Anleihe in erster Linie gedacht. In-! nerhalb eines — sagen wir fünfjährigen — Programms sind für die Verbesserung des Transportwesens, für Talsperrenbau und sonstige Landäme- Üorationen, für die Vorbereitung von Heimstätten und für Hausbau (sei es auch nur für Arbeiter; und für gemeindliche Einrichtungen), für Aufforstung, für Schaffung von Elektrizitätswerken und dergleichen Hunderte von Millionen aufzuwenden, von welchen Summen ein sehr großer Teil (in ganz roher Schätzung etwa die Hälfte) für Arbeitslöhne in Frage kommen. Auch die provisorische Unterbringung der Arbeiter ist ja schon an sich eine bedeutende Aufgabe, ebenso der sofort einsetzende Anbau des Bodens, der den Un- I terhalt des Arbeitsheeres zu einem möglichst großen Teil bestreiten und die Kosten der öffentlichen Arbeiten verbilligen soll*). Wenn es uns gelingt, eine nationale Anleihe in beträchtlicher Höhe aufzunehmen — und bei einem jüdischen Volksvermögen, das ich vor dem Kriege auf rund 100 Milliarden Marie geschätzt habe, sollte dies nicht so schwer1 sein —, so sehen wir aus dem Vorstehenden, daß die Arbeitsgele- *) Es wäre nicht unmöglich (und sicherlich wäre es ein sehr erstrebenswertes Arbeitsziel), die Arbeitsdienstpflicht so weit auf landwirtschaftliche Betätigung mit zu erstrecken, daß der Unterhalt aller an den öffentlichen Arbeiten Beschäftigten — und vielleicht auch der ganzen übrigen Einwanderung — im wesentlichen aus den Erträgnissen dieses Anbaus gewonnen werden kann. Wenn - nach Ballod — ein einziges Dienstjahr einer Gesamtbevölkerung (nebst Erntehilfsarbeit der halbwüchsigen Jugend) genügt, um — selbstverständlich bei entsprechender Arbeitsintensität, Verwendung von Maschinen, Dünger usw. usw. — ein Volksganzes zu ernähren, so wird doch wohl ein Drittel oder eine volle Hälfte der bei den öffentlichen Arbeiten beschäftigten Menschenzahl genügen, um eine — Sagen Wir nur sechs- bis achtfach größere Volksmenge zu ernähren! Aehnlich verhält es sich ja schon gegenwärtig in ganz normalen Volkswirtschaften, in denen die Hälfte der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Berufe steht und für die Volksemährung ausreicht. Auch dort kommt höchstens eine landwirtschaftliche Arbeitskraft auf 6—8 „Ernährte“.

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