Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1919)
- Date
- 1919-02-06
- Page
- Seite 171-172 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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171 VOLK UND LAND 172 Schutz gewährt werden können wi(C den „Organisierten“. Wer bereit ist, meldet sich bei örtlichen Meldestellen, die gleichzeitig als Auskunftsstellen fungieren müssen und mit Material zu versehen sind. In Deutschland und Westeuropa müßten Träger dieser Einrichtungen die zionistischen Ortsgruppen sein, im Osten würden vielleicht die Gemeinden die Einrichtung übernehmen. Die Meldungen geschehen durch Ausfüllung einer Personalkarte, die mindestens folgende Rubriken zu enthalten hat: Name — Alter — verheiratet — Kinder — Beruf — Vorbildung — Sprachkenntnisse — gewünschte Betätigung (möglichst freier Spielraum) — bisheriges Einkommen — Kapitalvermögen — Gesundheitszustand (auf Grund ärztlicher Untersuchung) — ist jederzeit sofortiger Aufbruch möglich — wann frühestens — wie lange erfordert gegebenenfalls die Auflösung der Bindungen im Wohnland — Bereitwilligkeit und Eignung zur Landwirtschaft — besondere Gründe für eine Beschleunigung der Uebersiedlung — besondere Wünsche — religiöser Standpunkt. Die Angaben sind von der Meldestelle nach Möglichkeit zu begutachten. Sie werden dann an Landeszentralen weitergegeben, die die Meldungen nach Berufen zu sichten haben, etwa — geeignet als: Verwaltungsbeamte, Juristen, Lehrfach (Hoch- Mittel-, Volksschulen). Landwirtschaft und Gartenbau (ausgebildet, unausgebildet, Landarbeiter). Handwerker (mit Spezialfächern). Sanitätswesen: Aerzte, Zahnärzte, Apotheker, Hilfspersonal. Industrie: Ingenieure, Techniker, Unternehmer, Betriebsleiter, technisches Personal, Monteure usw., Industriearbeiter. Handel: nach Branchen (ob selbständig, leitend oder Angestellte). Polizei: Wachdienst, Schutztruppe. Eisenbahn, Post, Telegraphie, Künstler, Gastwirte, Kellner usw. Die Landeszentralen geben wöchentlich Auf-' Stellungen an das Auswanderungsamt beim E. A. C., das die Spitze aller dieser Behörden Wird. Hier muß stets ein genauer Ueberblick über das Angebot an Arbeitskräften und das zur Verfügung stehende Menschenmaterial möglich sein. Hierhin gehen andererseits wieder die Anforderungen des Einwanderungsamtes in Jerusalem oder Jaffa, wie diesem wieder auf Grund der Statistik Wünsche für die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten zu übermitteln wären. Damit bekäme das Auswanderungsamt überhaupt erst die Möglichkeit, wirksam zu arbeiten. Erst auf Grund dieser Stammrolle (oder wie man es nennen will), können Gruppen gebildet werden, die gemeinsam die Uebersiedlung vorbereiten. Will jemand beispielsweise eine Schuhfabrik gründen, so macht er seine Meldung. Sobald ein Bedarf festgestellt wird, wird ihm die Konzession für einen Ort übertragen. Er stellt jetzt seine Anforderung an Hilfskräften auf, die ihm aus der Stammrolle zur Verfügung gestellt werden, sucht sich die geeigneten aus und setzt sich mit ihnen in Verbindung. Was erreichten wir weiter durch diese Organisierung? Wir erhielten damit zunächst eine Zahl. Die Zahl derer nämlich, die in absehbarer Zeit nach Palästina gehen wollen. Damit gewinnen wir — voraussichtlich wenigstens — die (politische Majorität, denn es ist doch anzunehmen, daßi die Zahl der sich Meldenden (mit Familien) größer sein wird als 600000*). Alle diese Menschen können wir zur eigentlichen, vertriebenen Bevölkerung des Landes rechnen, die wir bei Erwägung unserer Ansprüche auf unser Kreditkonto buchen können. Das würde auch für die Absteckung der Landesgrenzen eine Unterlage geben. Es wäre der schnellste Weg zur Majorität. Wir können ferner damit die Bewegung in der Hand behalten. Wenn wir jetzt nur vor allzu großem Zustrom mahnen, dabei aber die Einwanderung freilassen, kommen wir in Gefahr, ‘daßi die Massen ungeduldig werden und Angst bekommen, daß sie eventuell zu spät nach Palästina gelangen. Wir können damit womöglich erst recht einen gefährlichen Zustrom erzeugen. Ist aber jeder jauf diese Weise eingeordnet, hat er das Gefühl, (mit in Reih und Glied zu stehen, und — -sobald sich für ihn Möglichkeiten bieten — „einberufen“ zu werden, so wird er viel mehr Geduld laufbringen und es vermeiden, auf eigene Faust irt die Unsicherheit zu gehen. Wir können ferner denjenigen die Wege (ebnen, die Palästina am nötigsten haben. Wir gewinnen damit eine Grundlage für die Beschaffung von Erwerbsmöglichkeiten. Wenn, wir auch die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Landes berücksichtigen müssen, dürfen wir doch nicht das Volk unvermittelt in Berufe zwingen, die es nur widerwillig annimmt. Die jetzige, für die Einwanderung entscheidende Generation kann man nicht mehr zu Landwirten erziehen, hierfür kommt die junge Generation, die jetzt halbwüchsigen, berufslosen Kinder der Einwanderer in Frage. Diese wird man aber lm Lande viel leichter und besser in die geeigneten Berufe überführen als wenn man den geforderten Beruf v or die Einwanderung stellt. Wie sollen denn die jungen Leute die Orangen¬ oder üelbaumkultur lernen, wenn nicht im Lande. Deshalb schaffe man den Eltern ihnen passende Erwerbsmöglichkeiten (nicht aus den Bedürfnissen des Landes, sondern des Volkes), dann (wird man die Kinder den Erfordernissen des Landes gemäß ausbilden können. Mit dieser Organisation machen wir weiter alle für Palästina Interessierten zu Teilhabern der ganzen Kolonisation. Jeder stellt sich von Anfang an als Glied in das Ganze ein und sucht nicht lediglich seine persönlichen Interessen zu verfolgen. Wir erhalten damit dauernd im Galuth Palästinenser, die den Wunsch haben, dauernd informiert Izu sein und die auch anspornend nach außen wirken werden. Wir können damit von Anfang an den sozialen Geist erzeugen und dais Unternehmen als eines der Gesamtheit charakterisieren. Man braucht dann die Jfprivate Initiative“ nicht wild wuchern zu lassen, sondern kann sie dem Gemeinwohl unterordnen. Man schaltet den ungehemmten Kon- *) Die Zahl der Araber in Palästina.