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Volk und Land · 1919-02-06 · Heft 6 (6.2.1919) · p. Seite 167-168

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6 (6.2.1919)
Date
1919-02-06
Page
Seite 167-168 (sequence 4)
Language
German
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tö7 VOLK UND LAND Europäerin sein, die Wege, Mittel und Einrichtungen zu suchen, um die kleinlich mühsame häusliche Arbeit möglichst zu, vereinfachen und zu verringern. Es ist zu staunen, wie wenig bisher auf diesem Gebiete noch geleistet ist. Ich sehe die Ursache darin, daß der Mann naturgemäß dem Gebiete der häuslichen Frauenarbeit sehr fernsteht, und sie daher zu sehr unterschätzt, um sich für ihre Umgestaltung zu interessieren, die gebildete Frau aber überläßt die ganze harte Last der ungebildeten Arbeiterin, die nun seit Jahrhunderten auf derselben Stufe geblieben ist. Soviel über die Erziehung und Vorbereitung der Frau zur Erfüllung ihrer Aufgaben als Hausfrau und über die Erleichterung ihrer Arbeit. Es harrt aber der Frau in Palästina noch eine ganze Menge anderer, sozialer Aufgaben. Und Unter ihnen ist die dringendste die Schaffung von Einwandererheimen. Jeder neue Ankömmling ist beim Verlassen des Schiffes gezwungen, provisorisch in einem fremden Hause Obdach zu suchen, für längere oder kürzere Zeit, bis er einen Wohnsitz im Lande hat. Bis jetzt dienten der Aufnahme der Einwanderer verschiedene Hotels. Wie wohl Vielen bekannt sein wird, waren sie immer sehr unsauber, sehr schlecht und verhältnismäßig teuer. Die Hoteliers waren meistens Ostjuden, die von der Sache sehr wenig verstanden, und wir mußten ihr schlechtes Wirtschaften teuer bezahlen. Der Aufenthalt in den Hotels machte immer einen furchtbar deprimierenden Eindruck auf die Einwanderer, verschaffte ihnen unnütz viele schwere Stunden. Und wenn deshalb schon vor dem Kriege das Bedürfnis nach Einwanderungsheimen, wie sie in Europa von verschiedenen Frauenvereinen unterhalten .werden, sehr groß war, desto größer wird dies Bedürfnis und desto wichtiger wird seine Erfüllung jetzt sein, bei einer gesteigerten Immigration! Wie allgemein bekannt sein dürfte, sind die Heime in Europa als Schutz für alleinstehende und allein reisende Mädchen und Frauen gedacht. Für sehr mäßiges Geld finden sie da ein sehr sauberes Bett, einfache, aber sauber und anständig zubereitete Kost, freundlichen Umgang, allerhand Auskunft, Anweisung, guten Rat, Arbeitsnachweis und sind vor Betrug und Ausbeutung gesichert. Es wird den Einwanderern sehr wohltun, etwas Aehmliches bei uns in Palästina zu finden und es wird ihnen manche schwere Enttäuschung ersparen. Unsere Heime müßten sich in manchen Einzelheiten wohl von den europäischen unterscheiden. So müßten sie nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer und sogar Familien eingerichtet sein. Jeder, der hinüberkommt, sollte sich eines freundlichen Empfanges und Umganges erfreuen, der nicht auf Gewinnsucht beruht, sondern aus dem tiefen, innigen Wunsche kommt, jedem neuen Bruder nach Möglichkeit zu helfen. Außerdem sind die europäischen Heime mehr philanthropischer Natur, unsere Heime müßten den Gästen alles zum Selbstkostenpreise berechnen. Unsere Heime sollen demnach keine Unterhaltsdefizite bringen. Für ihre erstmalige gute Einrichtung aber werden große Summen nötig sein. Wir müssen zuerst je ein 166 Heim in Jaffa und H a i f a einrichten und mit der Zeit auch in anderen Städten. Was die Arbeit unter der einheimischen Stadtbevölkerung betrifft, so ist sie nicht weniger mannigfaltig und dringend w ie die auf dem Lande. Denn die schreckliche Not und der damit verbundene, ungeheuer niedrige kulturelle Zustand unserer städtischen Bevölkerung ist zur Genüge bekannt. - Ich möchte nur folgendes bemerken. Unsere Aufmerksamkeit muß auch hier hauptsächlich darauf gerichtet sein, die Frau zur richtigen Erfüllung ihrer Pflichten und zur Arbeit zu erziehen und ihr verschiedene Erwerbsquellen zu eröffnen. Es ist der städtischen Bevölkerung gegenüber bis jetzt furchtbar gesündigt worden. Sie wurde sich selbst und meist auch dem tief demoralisierenden Einflüsse des Chalukkah-Gedankens überlassen, statt daß man versucht hätte, sie durch Erziehung zur Arbeit gesund und produktiv zu machen und dadurch ihre materielle und kulturelle Lage zu heben. Es ist leider in dieser Hinsicht entsetzlich wenig getan worden. Außer der Kunstgewerbeschule „Bezalel“ ~im Jerusalem und einer kleinen Hand werkerschule in Jaffa wüßte ich nichts, was vom der Zionistischen Organisation zu diesem Zwecke geschaffen wurde. Es existiert außerdem in Jerusalem noch eine große Gewerbeschule der A. I. U., die aber für uns wenig in Betracht kommen kann, da die Institutionen der Alliance es bisher nie verstanden haben, in ihren Zöglingen die Liebe zur Arbeit und zum Lande in genügendem Maße zu wecken. Es wird deshalb die Arbeit der Frau für die Frau auf diesem Gebiet besonders wichtig sein. Vom Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina ist ja bereits ein erfolgreicher Versuch gemacht worden. Der Verband hat zur Hebung der weiblichen Bevölkerung in Jerusalem, Jaffa, Safed und Tiberias Spitzen schulen für Mädchen eröffnet. Die Mädchen sollen in diesen Schulen das Spitzennähen erlernen, das im Laufe der Jahre sich zu einer Heimindustrie entwickeln soll. Sie sollen durch die Schule zur Arbeit, Ordnung, Sauberkeit und Disziplin erzogen werden. Der Erwerb durch die Heimindustrie soll die schwere ökonomische Lage der städtischen Bevölkerung verbessern, die Frau selbständiger und kultureller machen. Ich persönlich betrachte zwar die Spitzenindustrie, da sie doch nur einen Ausfuhr- und Luxus-Artikel produziert, nicht als die passendste Erziehung zur Arbeit. Ich hätte viel lieber die städtische Bevölkerung mit der Produktion allgemein nützlicher, unentbehrlicher Gegenstände gesehen, die in ihr das Gefühl der absoluten Notwendigkeit ihrer Arbeit hervorruft die befähigt ist, in ihr die richtige Schätzung der Arbeit —- eine Art Ehrfurcht vor der Arbeit — zu erziehen, das Bewußtsein, daß sie erst durch die Arbeit ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft wird, daß sie erst durch die Arbeit das Recht gewinnt, sich auch der Produkte von anderer Menschen Arbeit zu bedienen. Mir scheint, daß auf diese Weise die Frau als Mensch mehr gehoben wird. Es wird^-in ihr ein menschlich

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