Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1919)
- Date
- 1919-01-30
- Page
- Seite 157-158 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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157 VOLK UND LAND 158 giiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'*iiiiiiiiiiiiMiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiii»iiiiiiiiiiiiiuiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiininiiiiniiie gl —- BUECHERBESPRECHUNGEN - |j Hugo Bergmann: Jawne und Jerusalem*) Hugo Bergmanns Aufsätze, die er in den Jahren 1911 bis 1918 geschrieben hat, sind jetzt gesammelt er schienen, und auch der Leser dieser Zeitschrift sei auf das Werk nachdrücklich hingewiesen. Bergmann ist einer der wenigen „geistigen“ Zionisten, für die es keinen Zwiespalt zwischen Leben und Idee gibt, für die das Leben Verwirklichung der Idee bedeutet — und nicht nur dieses. Jeder seiner Aufsätze ist von diesem Gedanken getragen; in jedem finden wir die Intensität eines ringenden Mannes, dessen Leben dem Aufbau einer neuen Gemeinschaft seines Volkes gewidmet ist. — Den Gedankenkreis von „Volk und Land“ berühren vor allem Bemerkungen zur Araberfrage (1911) und „Die wahre Autonomie“ (1918). Bergmann ist es bereits 1911 bewußt geworden, daß das bedeutsamste Problem bei der Durchführung eines großen Kolonisationswerkes die Araberfrage .bildet, und einzig und allein ein freundnachbarliches Verhältnis zwischen Juden und Arabern eine gedeihliche Entwicklung verbürgt. Ich bin in allen Punkten mit ihm einig und kam in meinem Araberaufsatz im Juliheft des „Juden“ zu denselben Ergebnissen. Jedoch m>uß ich seinen Ausführungen in „Die wahre Autonomie“ widersprechen. So sehr ich in der Grundgesinnung mit ihm einverstanden bin, daß in Palästina ein neuer sozialer Aufbau geschaffen werden muß, eine Gemeinschaft, wesensverschieden von der der europäischen Völker — ich sage, so sehr ich einverstanden bin, vielleicht sogar, weil ich es bin, vertrete ich die Ansicht, daß wir danach trachten müssen, möglichst schnell die Majorität im Lande zu gewinnen. Zur Begründung wird an anderer Stelle einiges gesagt werden. Dr. Fritz Sternberg. Wilhelm Horst: Die Deutsche Kleinfarm**) Im Gegensatz zu jenen Schriften, die die Frage der Kleinsiedlung mehr abstrakt-theoretisch, als eine höchst aktuelle, dem Bedürfnis des Augenblicks entgegenkommende und in die Zukunft weisende, behandeln***), dient das Horstsche Büchlein dem praktischen Zweck, dem Kleinfarmer mit Ratschlägen zur Begründung und rationellen Führung seiner Wirtschaft an die Hand zu gehen. Dem Kleinfarmer, der weder ein gelernter Gärtner ist, noch ein mit Pflug und Großviehzucht arbeitender Landwirt. Sein Arbeitsfeld ist demgemäß eine Reihe einträglicher Kulturen einfacherer Art. Dabei ist eine dreifache Gestaltung des Farmibetriebes angenommen, <üe auch seinen Umfang bedingt. Entweder stellt der Betrieb den ausschließlichen Erwerb des Kleinfarmers dar oder er bietet bei Vorhandensein eines Nebenerwerbes einen wesentlichen Bestandteil seiner Einnahmen, oder er beschäftigt ihn bei Vorhandensein eines Hauptberufs nur in seiner freien Zeit und dient im wesentlichen der eigenen Versorgung mit Gemüse, Obst usw. In diesem Kähmen berücksichtigt der Verfasser alles, was irgend wissenswert ist, und unterläßt nicht, Informationsmöglichkeiten anzugeben, wo der Wunsch nach eingehender Kenntnis sich regt. Er hilft da, wo es sich um Neueinrichtung einer Farm handelt, die schon beim Terrainkauf auftauchenden Schwierigkeiten durch nützliche Winke beseitigen, und vergißt nicht, dem Farmerneuling eine Aufstellung alles Hand- *) Jüdischer Verlag 1918. **) Riesa 1916. ***) Wie z. B. Migge: Jedermann Selbstversorger und Wiechula: Die Kleinfarm als Wirtschafts-, Erwerbs- und Kriegerbeimstätte. Vgl. „Volk und Land“ I. Jahrgang, Heft 2, Sp. 59 und 60. i werkszeuges und aller Geräte zu geben, die in eine^i; ordentlichen Klein farmbetrieb unbedingt nötig oder zur Anschaffung empfehlenswert sind, ln der Hauptsache gibt das Horstsche Buch in anschaulicher und gut unter-! richtender Form eine Uebersicht über die einzelnen Betriebszweige, die nach den drei, eine vollkommene Kleini farm ausmachenden Hauptgebieten geordnet sind: Garten- I kulturen, Tierhaltung und wichtige Nebenbetriebe. Alle Einzelheiten, die auf die deutsche Wirtschaft berechnet sind, haben auch für jüdische Leser großes Interesse. Da in Zukunft in Palästina sicherlich dem Obstumd Gemüsebau und der KIcinitierhaJtung im Rahmen der Kleinfarm hohe Aufmerksamkeit geschenkt wird, sind solche Buchgaben hochwillkommen, die geeignet sind, vorhandene Lücken in unserer Kenntnis farmfachlicher Dinge auszufüllen. Sicherlich wird Palästina auf allen drei Gebieten des Kleinfarmbetriebes seinen eigenen durch die Landesverhältnisse vorgeschriebenen besonderen i Regeln folgen müssen, sowohl was den Gegenstand betrifft als auch in Ansehung der rationellen Behandlung. Es wird sich um eine reichere Auswahl von Gemüsesorten handeln, für die eine dem südlichen Klima entsprechende Wachstumsmöglichkeit besteht. Das gleiche gilt von den Obstarten, aus deren besonderer Behandlung eine Reihe farmvvirtschaftlicher Nebenbetriebe erwachsen wird. i Hier sei schließlich noch auf die der Bienenwirtsohaft, der Champignon- und Seidenraupenzucht gewidmeten Abschnitte hingewiesen. Bei aller fehlenden Parallelität der Verhältnisse kann es wohl kaum bezweifelt werden, daß mancher nützliche Wink und manche fruchtbare Anregung jenes Büchleins auch für die andersartigen Verhältnisse Palästinas Bedeutung hat. L. W. „Der Jude“ lm November/Dezemberheft 1918 des „Juden“ finden sich nicht weniger als vier Aufsätze, die sich von den verschiedensten Gesichtspunkten aus mit dem palästinensischen Problem befassen. Auf den Ruppinschen über „Die Auslese des Menschenmaterials für Palästina“ gehen wir, da wir ihn für außerordentlich bedeutsam halten, an anderer Stelle ein. Hugo Bergmann referiert in einem kurzen Aufsatz „Die wahre Autonomie“ die Forderungen, einer bestimmten Gruppe, die verlangt, daß Palästina sich wirtschaftlich vom Ausland unabhängig mache; daß die Fundierung der ganzen Siedlung die Landwirtschaft sei. Hingewiesen sei auf seine ganz ausgezeichneten Worte über unser Verhältnis zu den Arabern. („Eine Verständigung mit den Landesbewohnem ist viel wichtiger i als alle Regierungserklärungen der Welt.“) Adolf Fraenkel und Harry Torczyner beschäftigen sich mit der Universdtätsgründung in Jerusalem. Insbesondere sind die Ausführungen Fraenkels durchaus beachtenswert; nur auf einen Punkt, der mir durchaus 1 wichtig zu sein scheint, geht er in seinem Aufsatz nicht ein. Von den Gegnern der Uiüverertätsgründung wird behauptet, daß die jetzige Universität zu früh komme und den kaum entstandenen Kolonien die besten Elemente j entziehe, da die jüdischen Kolonisten ihre Söhne studieren lassen wollen und diese nach Abschluß ihrer Studien kaum ein ausreichendes Betätigungsfeld in Palästina selbst finden werden. Freunde und Gegner der Universität sind sich daher einig, daß diese bei der Wahl der zu lehrenden Fächer im Anfang vor allem die geistes-wissenschaftlichen (sozusagen brotlosen) zu berücksichtigen habe und nicht die praktischen (Chemie, | Medizin). Dies sei zur Ergänzung bemerkt Torczyner beschäftigt sich in seinen Ausführungen mit den Fraenkelschen Vorschlägen, die einen „Kulturkampf“ zwischen | Gesetzestreuen und Freidenkern zu verhindern bei strebt sind. F. St.