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Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · p. Seite 151-152

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
Seite 151-152 (sequence 14)
Language
German
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151 152 VOLK UND LAND missionsgebühren in einem gleich günstigen Verhältnis stehen müssen. Ein anderes einträgliches Geschäft für die Banken ist die Finanzierung der Seidenspinnerei. Die drei Monate, Mai, Juni und Juli sind gewöhnlich sehr lebhaft, da sie die Saison der Kokons sind, wo die Spinnereibesitzer beträchtliche Kapitalien zum Aufkäufen der Kokons benötigen. Die Bankiers von Beirut sind bei diesem Geschäft stark engagiert und sind Inhaber zahlreicher Hypotheken auf die Maulbeerbaumpflanzungen des Libanon, wo auch viele Fabriken liegen. Der Kredit wird unter schwereren Bedingungen als in den meisten - anderen Industrien gewährt, denn das Risiko ist größer. Während die Vorschüsse in keinem Falle 60 o/0 des Mindest wertes der Besitzungen übersteigen, bewegt sich der geforderte Zinsfuß zwischen 7 und 8Va °/o. Außer der üblichen absoluten Sicherheit, müssen die Schuldner damit rechnen, auf Verlangen alle in der Fabrik lagernden oder in diese hineingelangenden Kokons der Bank zu übertragen und jede Okka die Okka ist gleich 1,283 kg, variiert aber in den verschiedenen Städten um ein Geringes — fabrizierter und exportierter Seide durch die Hände des kreditgewährenden Bankiers gehen zu lassen. Diese Art des Geldverleihens scheint mir geringes Risiko mit sidt zu bringen, und in der Tat erleiden die Banken bei ihren Transaktionen nur selten Verluste. Schätzungsweise soll der Reingewinn der Banken zwischen 9 Vs und IOV4 %> betragen, wenn die Darlehenszinsen und die Dividenden, die ihnen von den Koraraissionshäusem zufließen, in Rechnung gestellt werden. Maschinen für Syrien „The Near East“ vom 4. Oktober 1918 schreibt: Britische Ingenieure sollten nicht versäumen, den m naher Zukunft sich öffnenden vielversprechenden Märkten Syriens ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dort ist eine sofortige Nachfrage nach den verschiedensten landwirtschaftlichen und industriellen Maschinen sehr wahrscheinlich. Es herrscht bereits jetzt großer Bedarf an Motorkraft, und da Petroleum in jener Gegend leichter erhältlich und billiger' ist als andere Brennstoffe, so wird noch große Nachfrage nach Oelmotoren eintreten. Natürlich haben auch Dampf-, Gas- und elektrische Maschinen und Motoren dort Aussichten, aber zweifellos ist das Feld für Oehnotoren besonders günstig. Es ist den Fabrikanten jedoch dringend zu empfehlen, zunächst kleinere Oelmotoren, und zwar solche, die sowohl für landwirtschaftliche als auch für allgemeine Industrie und technische Zwecke geeignet sind auf den dortigen Markt zu bringen. Die kurz vor Ausbruch des Krieges über Beirut aus Großbritannien und Deutschland eingeführten Maschinen waren von 5—18 PS. Die größte Nachfrage besteht nach Maschinen für Rewässerungsaj'beiten und der Verkaufspreis derartiger Maschinen betrug 45 Lstrl. für 5 PS, 85 Lstri. für 10 PS und 120 Lstrl. für1 18 PIS. Die verwendeten Maschinen sind entweder aus Eisen hergestellte Nachbildungen der landesüblichen Wasserräder oder sie haben Pumpvorrichtungen. Die Pumpen wurden meistens aus Amerika eingeführt und stellten sich viel billiger als die englischen Pumpen. Sie waren sehr minderwertig in der Ausführung, aber Billigkeit wird auf dem orientalischen Markte sehr geschätzt, und so boten die amerikanischen Fabrikanten gerade was gewünscht wurde. PALAESTINA Sparsame Baustoffe Noch im Kriege und ausschließlich für die durch den Rohstoffmangel geschaffene Lage geplant und vorbereitet, mitten in den Revolutionswirren ausgeführt, ist die Ausstellung „Sparsame Baustoffe“ so recht ein Kriegs- -und Revolutionskind. Es soll hier keine allgemeine Würdigung de» Gebotenen, weder vom wirtschaftlichen noch vom künstlerischen Standpunkt aus versucht, sondern nur die Frage aufgeworfen werden, ob beim Durchschreiten der frostigen „Ausstellungshallen am Zoo“ nicht die eine oder andere Anregung für die bevorstehende Riesenaufgabe in Palästina gewonnen werden kann. Diese Frage muß bejaht werden. Worauf es ankommen wird. nachdem der erste mächtige Zustrom in Zelten und Baracken notdürftig unterebracht wurde, ist, aus den an Ort und Stelle vorandenen Materialien mit zum Teil ungelernten Arbeitskräften möglichst schnell und möglichst — billig, Heimstätten zu schaffen. Was ist nun in Palästina vorhanden und was nicht? Stein, Sand, Kalk sind vorhanden, Holz, Eisen, Kohle nicht. Danach heißt es sich richten. Der Naturstein ist selbstredend das vornehmste Baumaterial. Aber seine Bearbeitung verlangt geübte Hände und verhältnismäßig viel Zeit. Um Ziegel zu brennen, braucht man aber Kohle, sogar recht Viel Kohle. Hier aber wird eine Reihe von Kunststeinen gezeigt, die sich „kalt“ hersteilen lassen. Die Verfahren sind nicht neu, zum Teil sogar sehr alt.*) Denn der sogenannte „Lehmpatzen“ ist nichts anderes, als der an der Sonne getrocknete Ziegel aus Lehm und Stroh, den schon unsere Vorväter in Aegypten für Pharao formen mußten. Die Holzform — selbst leicht her stellbar — ist wohl das denkbar einfachste Gerät und gestattet eine unbeschränkte Fabrikation durch vollkommen ungelernte Kräfte. Dem luftgetrockneten, primitiven Lehmziegel folgen die übrigen Kunstprodukte in bunter Reihe. Schwemmstein, Bimszement und Bimsbeton, der, mit wenigem, dünnen Rundeisenstäben armiert, auch schwere Lasten zu tragen vermag, Gipsdielen, und wie sie alle heißen, bi« zu den vielgestaltigen .Formsteinen und -platten, die das Bauen auch mit ungelernten Arbeitern sehr erleichtern. Ein besonderer Vorzug all dieser Kunststeine ist ihr geringes Gewicht, wodurch die Transportkosten vom Fabrikationsort zur Baustelle nicht unbeträchtlich billigt werden. Alle diese Materialien sind porös. Sie gestatten daher eine bessere „Atmung“, sind aber trotzdem schlechtere Wärmeleiter als Ziegel oder Stein. Sie geben im Winter warme, im Sommer kühle Wöhnräume. Eine vom Münchener Laboratorium für technische Physik vorgeführte Methode zur Prüfung de3 Wärmedurchgangs bei den verschiedenen Mauerarten dürfte auch dem palästinensischen Baumeister die praktische und wirtschaftliche Entscheidung erleichtern. Es ist hier nicht der Ort, der einen oder anderen Bauweise das Wort zu reden. Für alle sind die Urstoffe in Palästina vorhanden. Sie müssen nur gehoben werden. Meistens wird es sogar mit den einfachsten mechanischen Vorrichtungen, die durch elektrische oder Wasserkraft angetrieben werden können, gehen. Sache der Architekten für Palästina ist es, zu sehen und zu rüfen, was am vorteilhaftesten zu verwenden wäre, ache des Volkswirtschaftlers, aus der Herstellung von Baustoffen lohnende industrielle Beschäftigung für zahlreiche, arbeitslose Hände zu schaffen. Findet der eine oder der andere in der unfreundlichen Riesenhafle auch nur „einen fruchtbaren Entwicklungsgedanken oder doch die Anregung zum Weiterdenken in der gezeigten Richtung“, wie Prof. Seesselberg in der Voirede zum Katalog sagt, so haben auch diese Zeilen ihren Zweck erfüllt. Die Probleme sind nicht leicht zu lösen, aber den Baumeistern für Palästina muß es gelingen, auch in den allereinfachsten Anlagen noch künstlerische Würde und Sinn für Gediegenheit zu bewahren. Gettrud Ti kt in. Fischerei und Bienenzucht Es ist bekannt, wie das verflossene Regime in Palästina durch eine geradezu schikanöse Art der Verwaltungshandhabung es verstanden hat, jeden Fortschritt auf dem Gebiete des Verkehrs und der Wirtschaft zu unterbinden. Wie unleidlich behindert war z. B. die Verbindung zwischen den judäischen und galiläischen Kolonien! Schwierigkeiten und Hemmnisse da, wo im *) Vgl, a*uch „Volk und Land“ Heft 2, Spalte 61.

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