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Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · p. Seite 149-150

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
Seite 149-150 (sequence 13)
Language
German
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149 VOLK UND LAND 150 Bankwesen in Syrien Wenige Länder des Orients sind mit Finanzinstitutionen reichlicher versehen als Syrien. In den vierhundert Jahren türkischer Herrschaft ist kein Geschäft weniger von der Obrigkeit behelligt worden, als das des Geldmachens und Geldverleihens. So ist es gekommen, daß Griechen, Franzosen und Deutsche in Syrien ein fruchtbares Feld für ihre Finanzoperationen fanden. Neben den regelrechten Banken bestehen mehrere Privatinstitute in allen bedeutenden Städten mit I zahlreichen Zweigstellen und Agenturen in den Dörfern und Hafenplätzen. Beirut kann als Hauptsitz des j Finanzwesens gelten. Die außergewöhnlich günstige j Lage der Stadt als Sammelpunkt der Ausfuhrgüter und j Empfangs- Und Stapelplatz der von Europa eingej führten Waren ermöglicht ein weitverzweigtes und meist auch ein einträgliches Bankgeschäft, hauptsächlich in Verbindung mit der Diskontierung von Tratten oder Proi messen, die auf Kaufleute im Lande für den Wert der j importierten Waren gezogen resp. von ihnen giriert I werden. Der gesamte Einfuhrhandel Syriens beruht wie der anderer östlicher Länder auf einem System langer und 'kurzfristiger Kredite, während der Handel mit einheimischen, zur Verschiffung ins Ausland bestimmten Produkten, immer gegen Kasse erfolgt. Die Händler sind im allgemeinen nicht genötigt, ein größeres Kapital zu investieren. Bei den Zahlungserleichterungen, welche die Industriellen und Firmen des Kontinents ihnen gewähren, sind selbst die kleinen Handelsfirmen in der Lage, ihre Geschäfte mit beschränkten, aber klug angelegten Geldmitteln zu führen. Zum größten Teil wird der Handel durch hauptsächlich in mohamedanischen Händen befindliche Kommissionshäuser vermittelt, die meistens als Vertreter der Fabrikanten auftreten. Die Vermittlung geschieht aber auch durch besondere Makler — dort als „placiers“ bekannt — die als eine Art Ganz- oder Halb-Kommissionäre gelten. Wenngleich die Orientalen den Ruf schlauer und gerissener Geschäftsleute genießen, sind viele, die jahrelang mit ihnen Geschäfte gemacht haben, überzeugt, daß sie in keiner Weise minder zuverlässig oder minder ehrlich seien, als die Handeltreibenden anderer Länder. Auf alle Fälle sind sie ungewöhnlich unternehmungslustig, und in der Regel wird ein Syrier sich unendlich viel Mühe geben, wenn es gilt, auch nur eine kleine Provision zu verdienen, ln jedem Falle sind auswärtige Häuser von den einheimischen Kommissionsfirmen abhängig; doch haben sie bei strenger Kontrolle und nicht übermäßig langer Kreditgewährung gewöhnlich keinen Grund, über die geschäftlichen Ergebnisse zu. klagen. Bis jetzt bestanden die hauptsächlichsten Bankinstitute aus Zweigniederlassungen der Kaiserl. Ottömanischen Bank in den Häfen Beirut, Tripolis und Jaffa, sowie auch in den Städten Jerusalem, Honis. Damaskus, Aleppo und Haifa, mit einer Nebenstelle oder Agentur in Aintab. Daneben gibt es Agenturen des Credit Lyonnais in Jaffa und Jerusalem, und solche der deutschen Palästina-Bank in Beirut, Haifa, Jaffa! und Jerusalem, sowie Bankstellen der Anglo Palestine Co. j in Jaffa, Jerusalem, Beirut und Haifa. Außerdem sind | in Beirut und Aleppo Agenturen der Bank von Athen, j der Bank von Saloniki und der Deutschen Orientbank. Zahlreicher noch sind die privaten „Bankbeamten“ in den großen Städten vertreten, besonders in Beirut, das als Finanzzentrum gewisse Vorteile genießt. 'Der weitaus größte Teil des Bankgeschäfts* liegt bis jetzt in der Hand der Kaiserl. Ottomanischen Bank, die sich ihrer zahlreichen Agenturen bedient. Durch sie sind die örtlichen Wechselkurse im Verkehr mit Europa und den türkischen Städten festgesetzt worden. In Vorkriegszeiten wurden diese Kurse gewöhnlich zweimal wöchentlich bestimmt, es sei denn, daß eine plötzj liehe Bewegung auf den wichtigsten europäischen Geldmärkten eine zwischenzeitliche Aenderung nötig machte. Die in Syrien auf der Grundlage der türkischen Lira notierten Kurse stiegen und fielen im Einklang mit den in Konstantinopel geltenden. Kleine Schwankungen zwischen den dortigen Kursen und denen der Hauptstadt hingen von Nachfrage und Angebot des lokalen Geldmarktes ab, und soweit in Pfund Sterling ausgestellte Wechsel in Frage kamen, bis zu einem gewissen Grade von den in Alexandria notierten Kursen. Die durch den Krieg gezeitigten Verhältnisse haben naturgemäß das Bankwesen in Syrien in Mitleidenschaft gezogen, doch in weit geringerem Maße, als man allgemein erwartet hatte. Die Kaiserl. Ottomanische Bank nahm an dem damaligen Handel in der Art aktiven Anteil, daß Importeure dieses Institut als Depot für Waren, gegen einen Vorschuß von 75 o/o ihres Wertes, in Anspruch nahmen. Dies Verfahren war immer schon üblich gewesen, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, insbesondere bei den Importeuren von Manchesterwaren — Baumwolle und Garn — von denen beträchtliche Mengen gewöhnlich auf einmal gegen Barzahlung gekauft wurden. Alle diese Banken diskontieren Wechsel; lokale Papiere haben drei Unterschriften zu tragen, und ein großer Teil davon wird von den Privatbanken gekauft und von den größeren Instituten rediskontiert. Früher betrug der Diskont 7 und 8'/a o/o, fiel aber vor einigen Jahren auf 5—6 °/o. Vorschüsse wurden auch auf Promessen gewährt, welche die Kaufleute von ihren Kunden auf solche Waren erhielten, die sie auf Kredit gekauft hatten, ln der Tat hängen die meisten Transaktionen der syrischen Banken gewöhnlich mit derartigen Handelsgeschäften zusammen — nämlich den Wert der vom Ausland importierten Waren einzukassieren und Vorschüsse auf Waren zu gewähren. Die geltenden Bedingungen sind von der Kaiserl. Ottomanischen Bank in ihren Zweigstellen überall im Lande eingeführt worden. Barvorschüsse werden nur auf Waren gewährt, die tatsächlich bereits in einem der Hafenplätze lagern, entweder in Beirut oder in Alexandrette, wo zur größeren Bequemlichkeit die Lagerhäuser der Filiale Aleppo der Ottomanischen Bank liegen. Dieser Hafen ist ebenfalls ein wichtiges Verteilungszentrum für jene Gegenden, die im Inneren weitab von der Eisenbahn hegen. Hier unterliegen die ausgeschifften Güter keinem Landungszoll und zahlen nur mäßige Löschungskosten. Vorschüsse werden gleichfalls von bekannten, ortsansässigen Importeuren auf auswärts bestellte Güter, die noch nicht eingetroffen zu sein brauchen, und auch auf exportierte Güter gewährt. Nach Festsetzung des Wertes der Ware gibt die Bank 75 °/o desselben als Vorschuß, während sie 25 °/o als Deckung für eventuelle Verluste zurückbeflält, die durch Preisschwankungen oder Entwertung der Ware entstehen könnten. Bei derartigen Transaktionen sind in der Regel Ötyj}—6V2 °'o p. a. zu zahlen, wobei der Schuldner auch für Versicherungsprämien, Lageigebühren und sonstige zufällige Ausgaben einzustehen hat. Hat die Bank sich gegen Verluste, die durch Preisschwankungen entstehen, voll gedeckt, pflegt sie für auswärts bestellte Waren bei Empfang des auf ihre Ordre ausgestellten Konnossements zu zahlen, und, wo englische Waren in Frage kommen, bei Empfang der Steuerbescheinigung. Soweit Erleichterungen im Bankverkehr gerade beim Import englischer Fabrikate nötig werden, wird es wahrscheinlich für Finanzinstitute, die ihre Operationen nach Syrien auszudehnen beabsichtigen, der Mühe wert sein, diese Fragen von dem Gesichtspunkt aus zu betrachten, wie cs möglich ist, eine Steigerung der Einfuhr aus dem Vereinigten Königreich herbeizuführen. Hier muß aber darauf aufmerksam gemacht werden, daß Erleichterungen, die ungebührlich hohe Zinsforderungen zur Folge haben, keinen Erfolg haben können, während auch die Korn-

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