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Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · p. Seite 147-148

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
Seite 147-148 (sequence 12)
Language
German
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147 VOLK UND LAND 148 ^nillMlllMIIIMIIMIIlllllllllllllllllll»MIIIIIIIIIIIIMMItlllHllllinillHIIIIIMIIIIIinilll[IIIIHIHIII))llll[[MIIIII[l|[|[|[ll)lllll[ltimil)lllllllini)IM))llll)miHIIIII)lllimilUIII)ll)»llll)lllim)llllll»)ll)IIIHHIIIIIIII»IIMHMHIIIIIIimilllllllllllllllllllllllltl'tg I AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT || WIRTSCHAFT Kommerzielle Möglichkeiten Jetzt, da Palästina vollkommen von den englischen Truppen besetzt ist, und die Wahrscheinlichkeit, daß es dauernd von der türkischen Mißregierung befreit bleibt, immfer mehr zur Gewißheit wird, dürfte es angebracht sein, einen Blick auf die kommerziellen Möglichkeiten des Landes nach dem Kriege zu werfen. Die wenigsten Menschen verbinden gedanklich das Heilige Land mit der Vorstellung von Handel und Industrie, dennoch steht es fest, daß Palästina eine der wenigen! türkischen Provinzen war, in der, innerhalb des türkischen Machtbereichs, ökonomische Tätigkeit mit Energie und Erfolg betrieben wurde. Dies tritt zutage, wenn man den Wert des türkischen Oesamthandels mit dem Palästinas vergleicht. Vor dem Kriege betrugen Ein- und Ausfuhr der Türkei jährlich zusammen etwa 50 Millionen Lire, wfas bei einer Bevölkerung von ungefähr 2 Millionen auf den Kapf gegen 2 Lire ausmacht. Der Handel Südpalästinas allein, etwa von dem Unabhängigen Sandschak Jerusalem (mit einer Bevöl-! kerung von 375 000), der durch die Häfen von Jaffa j und Gaza ging, erreichte die Höhe von 2 500 000 Lire, - j das ergibt 6 Lire auf dem Kopf der Bevölkerung. { Ein- und Ausfuhr sind an Wert in den letzten 20 1 Jahren stark gestiegen. Im Jahre 1886 betrug die \ Einfuhr 240 000 Lire, die Ausfuhr 120 000 Lire; die Zahlen für 1000 lauteten: 380 000 Lire bzw. 265 000 Lire die für 1013 waren: 1310 000 Lire und 750 000 Lire. j Zwei Hauptgründe haben zur Ausdehnung des Handels beigetragen: das Eisenbahnsystem und der Charakter | der Bevölkerung. j Die geographische Lage Palästinas macht dieses Land, jetzt, wie zu allen Zeiten, zur Heerstraße zwischen ' Kleinasien einerseits, Aegypten und Arabien andererj seits. Deshalb war es ein lebenswichtiges Glied zwischen j dem Herzen des Türkischen Reiches und seinen fernliegenden Teilen; und dieses erklärt wiederum, weshalb die türkische Regierung dem Eisenbahnbau in Palästina j größere Aufmerksamkeit geschenkt hat als in irgend einer j anderen Provinz. Die erste Bahnlinie wurde 1802 zwischen Jaffa und Jerusalem fertiggestellt. Heute ist j Jerusalem mit Haifa, einem prachtvollen natürlichen Hafen, mit Damaskus im Norden und mit dem ägyptischen Eisenbahnnetz via Gaza verbunden. Aber die bestehenden Linien genügen dem Landesbedürfnis bei weitem nicht. Der Entwurf eines Eisenbahnsystems ist vorbereitet, und dem Eisenöahnbau in großem Maßstabe ' ist in Palästina weitester Spielraum gelassen. Ein solches Anwachsen des Handels, wie es in diesem Land beobachtet wird, ist hauptsächlich den jüdischen Siedlern zu verdanken, die zuerst Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ins Land kamen, von religiösen Verfolgungen in Rußland gezwungen, eine neue Heimat zu suchen. Seit jenen Tagen sind 40 jüdische Kolonien gegründet worden mit einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 12 000 Seelen. Diese Leute widmen sich hauptsächlich der Landwirtschaft, und ihre Pionierarbeit berechtigt zu großen Hoffnungen für die Zukunft. Sie haben Sümpfe entwässert, haben die Malaria durch Eukalyptuspflanzungen bc kämpft, haben den Boden nach dem Stande der Agrikulturwissenschaft bebaut und so die Erträge in hohem Maße gesteigert. Es ist z. B. darauf hiugewiesen worden, daß der durchschnittliche Jahresertrag an Getreide auf arabischen Aeckem etwa .1 "Lire per acre, in den jüdischen Kolonien jedoch mehr als 2 Lire per acre ausmacht. So erzielen die jüdischen Kolonisten auch j größere Apfelsinenernten als die Araber. Tatsache ist, daß der Jude keine Mühe, kein Kapital, keine Denkarbeit in seinen landwirtschaftlichen Unternehmungen spart; und gerade diese Faktoren sind unerläßlich, um dem Lande seinen einstigen Wohlstand wiederzugeben. Palästina kann vielleicht nicht in ein Land verwandelt werden, in dem Milch und Honig fließt, aber die Aussichten sind ermutigend. Die Hauptquelle des Wohlstandes in diesem Lande wird natürlich auch weiterhin die Landwirtschaft bleiben, da es Orangen, Trauben und Oliven hervorbringt, von der prächtigen Gerste nicht zu reden, die im Distrikt von Gaza gebaut wird und sich wegen ihrer vorzüglichen Eigenschaften eines wohlverdienten Rufes erfreut. Auch Rindviehzucht ist in kleinem Maßstabe und mit befriedigendem Ergebnis versucht worden; die Erfahrung zeigt, daß in dieser Richtung gute Aussichten für die Zukunft vorhanden sind. Ferner haben jene Industrien Aussicht, sich zu entwickeln, welche die Bodenbewirtschaftung zur Grundlage haben. Die Herstellung von Wein, Branntwein und Rosinen gilt nach dem Gutachten maßgebender Fachleute als sehr ausdehnungsfähig; die Marmeladefabrikation hat Zukunft in Palästina, die Seifenindustrie wird durch den Ueberfluß an Oel gefördert; und es bestehen gute Aussichten für die Zigarettenindustrie, welche sich selbstgebauten Tabaks von vorzüglicher Qualität bedienen wird. Auch der Fischfang kann sich vorteilhaft entwickeln. Das Land besitzt einen großen Wasserreichtum für Zwecke der Bodenbewässerung und zur Erzeugung von Wasserkraft. Noch etwas besitzt das Land — eine große Anziehungskraft für Touristen. Wenn die Schweiz jährlich ein ansehnliches Einkommen aus ihren Besuchern zieht, warum sollte Palästina nicht dasselbe tun können? Zu den Naturschönheiten des Landes und dien geplanten Seebadepiätzen, welche in heilenden Eigenschaften mit denen der Riviera wetteifern dürften, kommen die geschichtlichen Beziehungen Palästinas, die lange Zeit ein gleich starkes Interesse für Juden, Christen und Mohammedaner auslösen werden. Mit einem Wort: die Natur hat Palästina manche Gaben verliehen, an den Menschen ist es nun, sie gut zu verwerten. Wie ein englischer Konsularbericht vor dem Kriege bestätigte, „besitzt das Land alle Vorzüge des Bodens und des Klimas, und eine schwer arbeitende Bevölkerung, welche bei besserer Verwaltung, größerer Sicherheit und der Errichtung von Verkehrswegen dazu beitragen würde, den Distrikt zu einem blühenden Teil des Ottomanischen Reiches zu gestalten.“ Das Menschenmaterial wird daher nach dem Kriege von höchster Bedeutung sein, und es wird erwartet, daß die Juden von allen Ecken der Welt nach Palästina hinziehen werden. Schon treffen künftige Kolonisten Reisevorbereitungen für die Zeit, wo wieder Ruhe in die Welt gekommen sein wird. Und jene, welche die Rasseeigenschaften der Juden kennen, sind sich klar darüber, daß geeignetes Menschenmaterial zu Gebote stehen wird, um das Land zu erschließen. Was notwendig ist, um diesen Prozeß zu fördern, ist eine stabile Regierung, die gerecht vorgeht, und die den Bewohnern Sicherheit und Schutz gewährt. Es ist kaum anzunehmen, daß Palästina an die Türkei zurückfällt; es ist vielmehr höchstwahrscheinlich, daß das Land, als Ergebnis des Weltkrieges, sich einer politischen Organisation erfreuen wird, die eine ökonomische Ausdehnung ermöglicht. Sind diese Bedingungen gegeben, so müßte Palästina das Bindeglied zwischen Asien und Afrika werden, ein Handelsmarkt zwischen zwei Kontinenten. Aus „The Economist“.

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