Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1919)
- Date
- 1919-01-30
- Page
- Seite 145-146 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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145 '-sr:*: —■ ,-r-r-,—. VOLK UND LAND ■ ■■ —-146 DIE BEOUENSTIOUNG DES REGENS DURCH ELEKTRIZITAET Von Dipl.-Ing. M. Mayersohn. Es ist bis jetzt schon mehrfach vernicht wori den, die verschiedenen meteorologischen Erscheij nungen in zielbewußter Weise zu beeinflussen, , So sind z. B. die gescheiterten Versuche, die vor Jahren in Frankreidi umd in anderen Ländern gemacht wurden, um auf die Wolken- und Nebelmassen durch Kanonenschüsse einzuwirken, wohl zur Genüge bekannt. Bei den hier zu besprechenden, als gelungen gemeldeten Versuchen, handelt es sich um die umgekehrte Aufgabe: nicht etwa die Wolken oder den Nebel zu zerstreuen, wie es in den nebelreichen Ländern wünschenswert j erschien, sondern die Bildung von Nebel und Wolken zu begünstigen und sie zur Abgabe von Regen und Tau zu zwingen, dort, wo wegen des regenarmen tropischen Klimas, ganze Ländereien j landwirtschaftlich unausgenützt blieben. Für Palästina, das zwar eine genügende jährliche Regenmenge aufweist, die aber sehr ungleichmäßig auf die .verschiedenen Monate verteilt ist, so daß durchschnittlich fast die Hälfte des Jahres völlig ohne Regen bleibt, kann diese Methode der Begünstigung des Regens, (nicht zu verwechseln mit dem sogenannten künstlichen Regen) unter Umstanden, von der größten. Bedeutung für die landwirtschaftliche Erschließung des Landes werden. Es empfiehlt sich daher, die auf dieses Ziel gerichteten Versuche auf das gespannteste zu verfolgen und kritisch zu beleuchten, bis es sich wird ermöglichen lassen, im Lande selbst Versuche anzustellen und die Methoden auszubauen. Wie (die französische elektrotechnische Facht Zeitschrift „L’Industrie Electrique“ vom 10. 12. 17. (S. 445 bis 448) nach der „Electrical Review“ berichtet, sind in Australien von dem englischen Techniker Balsillie mit der Unterstützung der australischen Regierung seit 15 Jahren Versuche zur Begünstigung des Regens mittels Elektrizität gemacht worden. Der australische Minister für öffentliche Arbeiten und für Eisenbahnen, der die beiden Versuchsfelder von Bookaloo (80 km westlich von Port-Augusta) und von Wynbring besucht hatte und von den erzielten Erfolgen befriedigt wurde, ließ zur Fortsetzung der Versuche 2 weitere Versuchsfelder jn New South Wales und1 in Victoria errichten. Bis jetzt wurde eine Vergrößerung der Regenmenge um 50—70% erzielt. Die Anlagekosten betrugen pro Station etwa 20 000 Frs., worin auch die Betriebskosten des ersten Jahres mit enthalten sind. Das Prinzip, das geradezu verblüffend einfach und einleuchtend erscheint, ist nun das folgende: Bekanntlich steigen die von der Verdunstung des Wassers an der Erdoberfläche herrührenden Wasserteilchen bis zu einer bestimmten Schicht der Atmosphäre und1 bilden dort mehr oder weniger verdichtete Massen wie Wolken, Nebel oder DUnst. Diese Wasserteilchen werden nun «furch die atmosphärische Elektrizität geladen, und zwar bekommt jedes einzelne Wasserteilchen eine bestimmte elektrische Ladung von gewissem Vorzeichen, vermöge den es im Stande ist, auf das benachbarte einztrwiricen: es anzuziehen oder abzustoßen. Würde man eine leitende Verbindung von der Erde zu diesen Wasserteilchen hersteilen, etwa in der Gestalt eines Franklin’sehen Drachens, so würden die mit Elektrizität von entgegengesetztem Vorzeichen beladenen Wasserteilchen von dem Drachen angezogen werden. Ist die ausgeübte elektrostatische Influenz, also die Anziehung, genug stark und der elektrische Kontakt zwischen Drachen und den umgebenden Wasserteilchen innig genug, so verdichten sich diese und fallen infolge der Schwere als Tau oder Regen zu Boden. Die ersten Versuche beanspruchten »eine komplizierte Apparatur, indem die aufgestiegenen Drachen oder Ballons mittels von der Erde aus gespeisten Hochfrequenzstromkreisen oder Röntgenröhren elektrisiert wurden. Die umgebenden Luftschichten wurden dabei ionisiert, also leitend gemacht, wodurch der Kontakt zwischen der metallenen Ballonhülle bezW. dem Drachen und den Wasserteilchen inniger gestaltet wurde. In der letzten Zeit hat man aber augenscheinlich immer mehr auf die einfachsten Versuchsmittel von Franklin zurückgegriffen, auf dessen Versuche eigentlich die ganze Erfindung beruht und zwar auf den metallenen Drachen und den Blitzableiter. Man läßt also einen solchen Drachen oder einen mit einer metallenen Umhüllung versehenen Ballon mittels eines gut „geenleten“, um eine Winde abrollbaren Kabels in die Luft steigen. Der Drachen, bezw. Ballon ist mit vielen feinen Metall- § ritzen versehen, die ebenso wie die Spitzen der litzableiter den Kontakt zwischen der atmosphärischen und der Erdelektrizität inniger gestalten. Sobald der Ballon in eine aus Wasserdampf bestehenden Schicht gelangt, tritt die elektrostatische Influenz in Erscheinung. Die von der Erdelektrizität influenzierte gleichartige Ladung wird in immer weitere Umkreise abgestoßen und die entgegengesetzte Ladung wird mit ihren Trägern, den Wasserteilchen, angezogen. Dabei kondensieren die Wasserteilchen und! fallen als Regen oder Tau zur Erde. Dieser Prozeß erfordert mitunter mehrere Stunden. Nähere Einzelheiten über die Theorie und Praxis dieser Versuche fehlen bislang. Es wird weder die Größe der Bodenfläche, die von einer Station mit Regen versehen werden kann, noch die nötige Apparatur, noch die Airt der verschiedenen Betriebskosten angegeben. Auch die Theorie dieser Versuche weist noch manche dunklen Punkte auf. Weder über die Abhängigkeit der erzielten Regenmengen von dem jeweiligen Zustand der atmosphärischen Elektrizität und von der aufgewendeten elektrischen Energie in Form von Hochfrequenzfeldem oder Röntgenstrahlen wird etwas berichtet, noch wird etwas über den Einfluß der anderen meteorologischen Faktoren oder «ler meteorologischen Zustände der tiefer liegenden Luftschichten mitgeteilt. Sollten sich «iie bisher gemeldeten Erfolge bestätigen, so würde sich diese Methode auch für Palästina Wohl# eignen. Bekanntlich ist dort auch während der regenlosen Zeit die Luft voll Feuchtigkeit, die die gerade zu dieser Zeit so regelmäßig wehenden Seewinde vom Meere bringen und dann zur Nachtzeit den eigentümlichen palästinensischen Tau bildet. Außerdem verdunstet tagsüber das Wasser fast zusehends und bildet in den oberen Luftschichten Dunstmassen, die mittels des oben geschilderten Verfahrens zusammen mit der von der See herrühinenden Feuchtigkeit leicht wieder kondensiert und, ebenso wie in Australien, in besonderen Behältern gesammelt werden können.