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Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · p. Seite 143-144

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
Seite 143-144 (sequence 10)
Language
German
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143 VOLK UND LAND 144 zeiit seines Vermögens muß der Nationalfonds ständig in Reserve halten. Die Investitionen des Jüdischen Nationalfonds in Palästina lassen sich in fünf Gruppen einteilen: 1. Ueber eine Million Francs sind in den Ländereien investiert, die durch Arbeitergenossenschaften bewirtschaftet werden (Hittin, Daganiah und Kinereth, Merchawjah, Oan Schmuei, Beer-Tobiah). Dazu kommen nahezu 150000 Francs Kapital des Genossenschaftsfonds, 2. Zirka eine Million Francs sind in den Ländereien und Pflanzungen des Herzlwaldes (Ben Schemen, Huldall, Chederan) investiert. 3. Zirka % Million Francs hat der Jüdische Nationalfonds mit Hilfe von Stiftungen für Arbeiterhäuser (Wolffsohn-Fonds, Halpe rin-Stiftung u. a.) in Arbeitersiedelungen investiert (Nadhliel bei Chederah, Machneh- Jehudäh bei Petach-Tikwah, Schomre-Thorah bei Rechoboth, Moschaw Cahane bei Ben Schemen), ferner in Häusergruppen für Arbeiterfamilien sowie in Ledigenheimen in verschiedenen Kolonien in Galiläa, Samaria und Judäa. 4. Ueber 850 000 Francs hat der Jüdische National - fonds an Darlehen für die jüdischen Vorstädte von Jaffa. Tel-Awiw und Nacblath Benjamin, für Agrarkredite an judäische Pflanzer, für die Landentwicikl'ungs Gesellschaft j und das Technikum in Haifa gegeben. 5. Mit über 350 000. Francs hat sich der Jüdische Nationalfonds an städtischen Kultur-Anstalten beteiligt (Gymnasium „Herzliah“ in Jaffa und Kunstgewerbeschule „Bezalel“ in Jerusalem). Den Rest von 200 000 Francs bilden Anzahlungen für noch nicht abgeschlossene Bodenkäufe. In dem Zustand der Vorbereitung für eine größere kolonisatorische Tätigkeit, am Beginne größerer Auf- I forstungsarbeiten, die den Bergterrassen Palästinas ihre grüne Herrlichkeit zurückgeben und die Sümpfe in den j Niederungen austrocknen sollten, bei Erprobung der; Methoden moderner Arbeitergenossenschaften, bei der Lösung der Wohmmgs- und Familienfrage der Landarbeiter in den privaten Kolonien, bei Einführung der neuesten technischen Arbeitsmethoden, mittelst deren die , palästinensische Landwirtschaft auf die nötige Stufe der i Intensität zu bringen wäre, kurz, inmitten einer Reihe wichtiger Arbeiten, die das Land für die Menschen und . die Menschen für das Land vorbereiten sollten, hat der ' Krieg die Anfänge des Nationalfonds vielfach unterbrochen. Wir können aber ruhig sagen, daß der Na tionalfonds die ihm auferlegte Prüfung bestanden hat. j An ßlle Freunde des Volksschatzes erging der Ruf,! die schwer errungenen Positionen zu erhalten, den Paj lastina-Pionieren Hilfe durch Arbeit zu bringen. Der Ruf ist nicht ungehört verhallt. Es ist gelungen, alle Wirtschaftsbetriebe weiterzuführen und alle Arbeitsj kräfte zu erhalten; außerdem ist der Jüdische Nationalfonds vielen Arbeitslosen durch Notstandsarbeiten zu Hilfe gekommen. Die Aufwendungen des jüdischen Nationalfonds zur Erhaltung seines Siedlungswerkes während der verflossenen Kriegsjahre erreichen die Höhe von 1 300 000 Francs, davon Ca. 200 000 Francs für Bau- und Ameliorationsarbeiten, sowie für Gemüsebau zur . Linde rung der Arbeitslosigkeit und Förderung der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Damit erschöpfte sich aber keineswegs die Aufgabe des Jüdischen Nationalfonds in der Schweren Kriegszeit. (Wenn das furchtbare Ringen der Staaten und Völker uns eine ruhige Zeit für unsere volksaufbauende Arbeit in Palästina bringt — wir hoffen ja alle, daß die: fürchterlichen Opfer des jüdischen Volkes nicht umsonst sein werden — dann können wir nicht einfach dort fortfahren, wo wir airfgehört haben. Gewiß werden wir vor al'em auf den schon gelegten Fundamenten weiterbauen, aber unsere Palästina-Arbeit wird ganz erheblich großer, systematischer, schneller werden müssen. Und dazu muß auch das wichtigste Instrument dieser Arbeit - der Jüdische Nationalfonds — viel größer, mächtiger, stärker werden. Schon Jetzt, da noch keine geordneten Verhältnisse eingetreten sind, müssen wir alles tun, um die Aktionsfähigkeit unseres Lamdfonds entscheidend zu stärken. j Erfreulich ist immerhin, daß gerade in den letzten Kriegsjahren die Einnahmen des Nationalfonds viel rascher als vorher gestiegen sind. Allein das Jahr 1918 brachte über 2 000 000 Marie Zuwachs, und das Gesamtkapital de9 Jüdischen Natkmalfonds erreichte damit die Summe von ungefähr 10 Mi-11. Mark. Wir schöpfen daraus die Hoffnung, daß je mehr die Dringlichkeit i und Wichtigkeit einer großzügigen und schnellen Kolonisation in Palästina erkannt, desto mehr Geld aucfo! durch den Jüdischen Nationalfonds dafür zur Verfügung gestellt werden wird. Denn wenn der Nationalfonds der Landgeber für die große nicht- oder doch minderbemittelte Masse werden soll, dann müssen ihm erheblich größere Kapitalien als bisher zugeführt werden. Vor 15 Jahren stellten wir uns als Ziel, einen Betrag von 5 Millionen Mark aufzubringen. In diesem Zeitraum hat der Jüdische Nationatfonds seine Organisation i aufgebaut un<* den Weg zu den jüdischen Massen ge-! funden. Die Opferbereitschaft des jüdischen Volkes ist, insbesondere nach den Kriegsleiden, bedeutend ge wachsen. Es ist heute keine Utopie mehr, für den Jüdischen I Nationalfonds eine ständige Einnahme von 3, 5 und 10 Millionen Francs jährlich als sicher zu erwarten. Wir sind nicht bescheiden und dürfen es in unseren Zielen nicht sein. Der sehr bescheidene Plan, der zunächst gefaßt wurde, in den nächsten Jahren 30 größere Kolonien auf Nationalfonds-Boden zu begründen, erschöpft keineswegs die Möglichkeiten Palästinas und unsere Erwartungen. Es wird bloß ein guter Anfang systematischer Kolonisation sein, bei der wir von-dem Lehrgeld profitieren werden, das wir bisher bezahlt haben, wie es jedes kolonisierende Volk getan hat. Das Land soll den Kolonisten nicht in einem unvorbereiteten Zustande gegeben werden, wie dies bis jetzt geschah, ausgesogen und ausgeraubt durch die veralteten arabischen extensiven Arbeitsmethoden. Mail wird den Boden für moderne Bewirtschaftung instandsetzen, durch Verbesserungen auf eine bestimmte Stufe der Produktivität bringen müssen. Mit den dazu erforderlichen Investitionen kann man die neuen Kolonisten nicht belasten. Der jüdische Nationalfonds soll diese Kosten tragen und sie oei Berechnung der ihm zu zahlenden Pacht zum Werte des verbesserten Bodens schlagen. Das Menschenmaterial werden wir streng auswählen. Nicht über Nacht und nicht durch die Palästuialuft allein kann aus einem jüdischen Städter ein Farmer oder Landarbeiter werden. Er muß vorerst in der palästinensischen Landwirtschaft arbeiten, um ein selbständiger Farmer oder ein nützliches Mitglied einer Arbeitergenossenschaft zu werden. Wir werden von unseren Erbpächtern vor allem Selbstarbeit verlangen. Sie müssen imstande sein, ihr Besitztum mit den eigenen Händen, mit Hilfe der eigenen Familie zu bewirtschaften. Dadurch wird am besten die Frage jeglicher Fremdaibeit vermieden werden. Für solche Wirtschaften, die der Lohnarbeit nicht entbehren können, wird durch Ansiedlung von Arbeitern als Halbkolonisten in der nö tigen Anzahl in jeder Kolonie gesorgt werden müssen. Aber jeder Arbeiter soll die Möglichkeit haben, vom JNF mehr Boden in Pacht zu erhalten, um, falls er die Mittel und Fähigkeiten besitzt, von einem Halbkolonisten zu einem selbständigen, freien Farmer aufzusteigen. Ebenso wird der JNF die Genossenschaften von Arbeitern fördern, die sich auf seinem Boden ansiedeln wollen, und der Arbeiterklasse die Möglichkeit geben, zur kollektiven Selbständigkeit zu gelangen. Daher bildet in erster Linie der großzügige Ankauf von Boden in Palästina das Programm des Nationalfonds für die nächste Zeit Wir stehen vor einer Periode von systematischen Landkäufen, die zum Wohle des ganzen Volkes als sein unveräußerliches Eigentum ausgeführt werden, und dürfen auf einen neuen Einwandererstrdm von Arbeiterpionieren hoffen. Die „Hechahrz“-Bewegiing in Osteuropa und Amerika beweist dies. An Boden wird es in Palästina nicht fehlen; es sind jenseits des Jordans, in Gilead und Baschan, aber auch in Galiläa und Judäa große Landstrecken vorhanden. Es wird aber auch an arbeitenden Menschen nicht fehlen. Tausende und abertausende Juden, die Blüte unserer Jugend, sind von dem Drange erfüllt, eine neue Wett zu schaffen, das Land und sich selbst durch die Verwurzelung in heimatlicher Scholle zu erneuern. Sie sind bereit, ihr Schicksal mit dem Palästinas zu verbinden und eine jüdische Kolonisation auf der Grundlage jüdischer Arbeit und Kultur zu schaffen.

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