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Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · p. Seite 141-142

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
Seite 141-142 (sequence 9)
Language
German
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141 VOLK UND LAND 142 den vielleicht auch dem Export dienen können. Die zum Aufschließen der* Phosphate nötige Schwefelsäure ließe sich aus den Gipslagern des Landes herstellen, wenngleich auch Schwefel ln reiner Form im Jordantal verkommt. Schließlich besteht wenigstens die Hoffnung, auch Petroleum in größeren Mengen zu erbohren, was ja auch wieder dem Lande bedeutende Kraft zuführen würde. Weitere heimische Industrien sind solche, welche die Materialien zum Hausbau liefern, Ziegeleien, Kalksandsteinfabriken, Zementfabriken usw. Bauholz kann in späterer Zeit aus Forsten gewonnen werden, die möglichst bald angelegt werden sollen. Hierzu eignen sich besonders Eukalyptusbäume, die sich durch äußerst schnellen WuChs auszeichnen und in vielen Gebieten des Landes ausgezeichnet gedeihen. Vermutlich werden an manchen Stellen auch Wälder der australischen Gerbakazie gut gedeihen, deren Rinde bekanntlich einen sehr wichtigen Gerbstoff des Wollhandels! liefert. Die Gebirge lassen sich aber auch mit Nadelhölzern aller Art auf forsten, und es sollte eine Ehrenpflicht der jüdischen Siedler sein, den Hermon mit Wäldern der altehrwürdigen Libanonzeder zu umkränzen. Auch für Glas findet sich geeignetes Material im Lande, ebenso Ton für irdene Gefäße aller Art, ferner gute Kalksteine für den Hausbau und auch marmorartige Gesteine für'Grabsteine, Monumente und Luxusbauten. Ferner werden sich, gestützt auf die Rohstoffe des Landes, (wie Sumadhe, Valonea, Knoppern) die Gerbereien vermehren und modernisieren lassen, ebenso die Müllerei und Makkaronifabrikation, die Konservenindustrie, eventuell auch die Verwertung der Eier zu technischen Zwecken. Ebenso wird es natürlich an Reparatur- und Inställationswerkstätten, sowie kleineren Maschinenfabriken) nicht fehlen, auch nicht an Möbelfabriken und Tischlereien, Schuhwarenfabriken und Schneiderwerkstätten. Ob und wieweit sich Textilindustrien im Lände heimisch machen können, ist schwer zu sagen; es wird dies im wesentlichen wohl von den Zöllen abhängen. Die im Lande gewonnenen Rohstoffe dürften in absehbarer Zeit kaum genügen, um größere Fabriken zu speisen, höchstens mag das bei Wollspinnereien der Fall sein; Wollwäschereien sind natürlich möglich. Selbst wenn große Mengen Baumwolle erzeugt werden sollten, dürfte es doch wohl vorteilhafter sein, diese, ebenso wie diejenige Aegyptens, nach Europa und ‘Amerika zu exportieren, wo diese Qualitätsfasern für Spezialzwecke bessere Verwendung finden als jm Lande selbst Andererseits ist die Textilindustrie augenblicklich infolge der Heranziehung neuer Rohstoffe derart in Umwandlung begriffen, daß es sich noch gar nicht absehen läßt, ob nicht auch in Palästina geeignete Rohstoffe hierfür gefunden werden oder sich leicht anbauen lassen. Es sei nur auf die verschiedenen Ginstersorten des Landes hin gewiesen, sowie auf den leicht möglichen Anbau des Rohrkolbens, ferner auf Ramie, Nessel, Kenaf usw. Die Entwicklung einer Papierfabrikation ln Palästina wird gleichfalls nicht leicht sein, da es vorläufig an Rohstoffen dafür fehlt, abgesehen von Lumpen. Man hat die Ausnutzung des Papyrus im Meronsumpfe dafür in Aussicht genommen, es ist aber fraglich, ob die Mengen genügen. Man hat an die Einführung einer Reihe von Exportindustrien gedacht, an Konfektion, chemische Fabrikate, Uhrenindustrie, an Feinmechanik, Fabrixen photographischer Artikel und optischer Instrumente, Diamantschleifereien, usw\ Jedoch muß man, will man Mißerfolge vermeiden, bei allen derartigen, nicht auf einheimischer Rohproduktiom basierenden und nicht für heimischen Konsum berechneten Industrien sehr scharfe und eingehende Kalkulationen anstellen, w as nur Fachleute zu tun vermögen, die im Lande selbst alle möglichen Informationen einziehen. Absolut sicher ist dagegen, daß die Fremdenindustrie in den verschiedensten Formen sehr bald im Lande auf blühen wird, zumal sie schon jetzt eine nicht unbedeutende Polle spielt. Es werden sich gute Hotels an den verschiedensten Plätzen erheben, es werden Kraftwagen die Landstraßen durchfahren, vielleicht auch Flugzeuge in den Lüften kreisen, es ,\vird nicht an Theatern, Konzerten, Kinos usw. fehlen, Photographien und Ansichtskarten werden überall ausliegen, auch das Kunstgewerbe wird aufblühen. Tausende von Frauen werden durch Stickereien, Nadelarbeiten oder Klöppeln ihr Brot erwerben können und ebenso werden Maler und Bildhauer in Palästina Beschäftigung finden. Von noch größerer Bedeutung wird aber das Leben sein, das infolge der Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina aufsprießen «wird, Palästina wird zweifellos "ein Mittelpunkt des Buchdruckes werden, namentlich für hebräische und biblische Literatur. Viele Gelehrte, Künstler und Rentiers werden sich dort niederlassen, zahlreiche Studenten werden zeitweise dort ihren Wohnort aufschlagen, und all das wird wieder eine große Zahl von Kaufleuten und Gewerbetreibenden aller Art anziehen. So kommt eins zum anderen, und das Endergebnis kann nichts anderesT sein, als daß Handel und Wandel in dem ehrwürdigen alten Lande in ungeahnter Weise aufblühen werden. DER JUEDISCHE Um ein Land zu kolonisieren, sind drei Dinge erforderlich: Boden, Kredit und Bauern. Normale Völker bedürfen nur der zwei ersten Faktoren; an Menschen, die fähig sind, den Boden zu bewirtschaften, haben sie keinen Mangel. Das jüdische Volk aber muß nicht nur für den Boden und den nötigen Kredit sorgen, es fehlt ihm auch der fertige, sozusagen geborene Farmer. Er kann bei uns nur im Prozesse der Arbeit entstehen. Der Jüdische Nationalfonds, der der Hauptfaktor der palästinensischen Kolonisation und die populärste Institution des jüdischen Volkes ist, sorgt für die wichtigsten Faktoren: für das Land und seine Bebauer. Die Wirtschaften des Nationalfonds sind unentbehrliche Stützpunkte der jüdischen Arbeit in Palästina geworden. Sein Landbesitz ist noch nicht groß, NATIONALFONDS (im ganzen etwa 1 Prozent der jüdischen Erde), aber er beschäftigt trotzdem 20—25 Prozent aller jüdischen Arbeiter Palästinas und gibt weiteren hunderten von jüdischen Arbeitern durch seine Arbeitersiedlungen die Möglichkeit einer Existenz als Lohnarbeiter in den privaten Kolonien. Einige Zahlen werden am besten die kolonisatorische Arbeit des Jüdischen Nationalfonds in der ersten kurzen Periode von 6 Jahren (1908—1914) veranschaulichen. Ende 1914 besaß der Nationalfonds ein Vermögen von 5130000 Francs; damit hatte er das Grundkapital erreicht, mit dem bei seiner Gründung (30. Dezember 1901) gerechnet worden war. Von den über 5 Millionen Francs waren Ende 1914 in Palästina zirka 3 700 000 Francs — 72 Prozent investiert. 25 Pro-

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