Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1919)
- Date
- 1919-01-30
- Page
- Seite 139-140 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649283--0114-2649452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
139 VOLK UND LAND 140 wird, im Jordantal und in den südlichsten Gegenden | auch die Dattelpalmenkultur. Im Jordantal gej deihen auch Bananen ausgezeichnet, die im Lande j selbst, in Damaskus und Beirut, sowie in Aegypi ten, Konstantinopel und Südrußland Absatz finden werden; vielleicht läßt sich dort auch die Ananaskultur entwickeln. Daß es bei zu starker Vermehrung dieses Anbaues künftig an Absatz fehlen sollte, ist eine Befürchtung, die gänzlich unbegründet ist. Abgesehen von dem sich immer stärker entwickelnden Märkten für Südfrüchte in England und Mitteleuropa wird auch das 5m Kriege so reich gewordene Aegypten steigende Mengen der Früchte abnehmen, und ebenso die Balkanstaaten, sowie Rußland und die Oliven werden immer der im Lande selbst mit der Zeit aufblühenden Oe!- und Seidenindüstrie das Material liefern. Auch für das.Gemüse wird sich im benachbarten und jetzt durch die Bahn schnell erreichbaren Aegypten fast beliebig großer ‘Absatz schaffen lassen, für Frühgemüse und Frühkartoffeln wohl auch in Europa. Manche der Früchte und Getreide werden auch einer.-sich.entwickelnden Konservenindustrie Material liefern, 'namentlich die Tomaten, Gurken, Spargel, Artischocken. An Materialien fehlt es also nicht, um nicht nur das Land zu versorgen, sondern auch eine nach vielen Millionen sich beziffernde Ausfuhr zu ermöglichen. Die Viehzuch t wird sich! dagegen wohl dauernd in kleineren Dimensionen halten müssen, ebenso wie in anderen, klimatisch ähnlichen Ländern. Man wird sogar versuchen müssen, das Vieh im eigentlichen Feldbau möglichst zu beschränken und durch Motoren aller Art zu ersetzen. Dagegen wird die Zucht von Mi 1 c h v i e h soweit gefördert werden können, daß wenigstens auch die städtische Bevölkerung des Landes mit Milch und Butter versorgt wird. Die Pferdezucht könnte dagegen, besonders in den Randgebieten der Steppe, falls die Beduinengefahr beseitigt sein wird, bald eine bedeutende Einnahmequelle werden. Die fast ganz verschwundene Züchtung guten arabischen Vollbluts sollte für jüdische Züchtungskunst ein zu erstrebendes Ziel bleiben. Ebenso wird sich auch vielleicht die S t r a u - ßenzucht entwickeln lassen, wenn erst die momentane Ueberproduktion seitens Südafrikas beseitigt sein wird. Soll sich doch der arabische Strauß durch vorzügliche Federn auszeichnen. Einen bedeutenden Umfang wird zweife!los die Kl^rviehzucht einnehmen können, besonders die des Huhnes, und zwar wird es vor allem Sache des jüdischen Bauern sein, sich dieses Erwerbszweiges mit Sorgfalt anzunehmen. Das gleiche gilt übrigens auch für Enten, Gänse, Truthahne Perlhühner usw. Auch die Schafzucht wird sich in ganz außerordentlichem Maße entwickeln lassen, sobald man dazu übergeht, durch Anlage genügender Tränkstellen und Aufspeicherung von Gras oder Trodkenfutter die Herden über die Zeiten der Dürre hinwegzubringen. Die Schafzucht wird auch ganz anders rentieren als bisher, wenn man statt des fettsteißigen Landschafes mit geringer Wolle hochwertige Kreuzungen einführt, wie in Argentinien, oder sogar echte Merinos, wie sie jetzt in Australien und Südafrika in Massen gezüchtet werden. Die Ziegenzucht wird mehr Air Milchlieferung für den kleinen Siedler betrieben werden, aber immerhin in den Kolonien gewiß eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Ebenso sollte man in den Kolonien der Kaninchenzucht Aufmerksamkeit widmen, besonders der des Angorakaninchens, dessen feine Haare angemessenen Nebenverdienst gewährleisten. Die Kamelzucht wird dagegen wonl besser den Beduinen der Wüste überlassen bleiben. Auch die feine Wolle der Angoraziege (Mohair) dürfte auf den Hochflächen Transjordaniens' gut gedeihen. Auch für Bienenzucht ist das Land überaus geeignet, und gerade in den letzten Jahren hat sich diese bei den jüdischen Ansiedlern schon starkentwickelt. Leider sind die Aussichten für Seidenbau nicht sehr bedeutend, obgleich der Maulbeerbaum vorzüglich gedeiht, Das Füttern der gehässigen Raupen erfordert während einiger Wochen sehr viel Arbeit und Sorgfalt, und die finanziellen Ergebnisse sind, zumal es an Aufbereitungsanstalten fehlt, bisher nicht groß genug gewesen, um den Seidenbau zu ermutigen. . Da auch in den syrischen und kl ein asiatischen Zentren infolge des übergroßen und jährlich zunehmenden Wettbewerbs Ostasiens ein Stillstand und Rückgang in diesem Erwerbszweig eingetreten ist, erscheint es fraglich, ob man versuchen soll, den Seidenbau wieder in die Höhe zu bringen. Das Laub der Maulbeerbäume läßt sich auch' sehr gut als Viehfutter für Milchkühe verwenden. Diese kurze Uebersicht zeigt schon Air Genüge, wie vielseitig Landwirtschaft und Gartenbau in Palästina sich entwickeln können. Bei richtiger Terrassierung des Gebirges wird in der Tat die wirklich unbebaubare Fläche Palästinas nur recht gering sein, sodaß das Land, wie im .Altertum, wieder einem blühenden Garten gleichen wird. Wieviel Einwohner es dann wird aufnehmen können, ob drei oder gär sechs Millionen, darüber wollen wir uns heute den " Kopf noch nicht zerbrechen; jedenfalls genügt die Zahl, um unserer Generation noch Arbeit und Sorge genug zu machen. Ist die mit der Bebauung des Bodens zusammenhängende Entwicklung klar vorgezeichnet und leicht übersehbar, so ist die zukünftige industrielle Entwicklung Palästinas vorläufig noch ein Buch mit sieben Siegeln. Früher meinte man, eine große industrielle Zukunft sei gebunden an das Vorkommen von Kohle und Eisen. Jetzt weiß man, daß die Kohle sich durch andere Kraftspender ersetzen läßt, besonders! durch Wasserkraft, während die Eisenerze he ran geschafft werden können. Deutschland ist z. B. schon in den letzten Jahren vor dem Kriege in steigendem Maße auf fremde Eisenerze angewiesen gewesen, und die früher auf die Kohlengebiete beschränkten Hochöfen begannen sich neuerdings auch in den Küstenstädten zu entwickeln, wo Eisen und Kohle auf dem Seewege heran geschafft werden müssen, was natürlich ebenso gut in Palästina möglich ist. In Palästina haben wir Eisen und Kohle zwar nicht zu erwarten, wohl aber besitzen wir in Jordan und Jarmak Kraftquellen Und vielleicht auch in gewissem Maße auch in den Asphaltkalken der oberen Kreideschichten. Ob es freilich rätlidh ist, die doch immerhin ziemlich beschränkten Kräfte für 'Hochöfen zu benutzen, ist sehr zweifelhaft, da sie doch vor allem dazu dienen müssen, das ,ganze Land mit Kräften zum Antrieb von Maschinen, für Beleuchtungszwecke und zum Betrieb von Eisenbahnen zu versorgen. Auch die Herstellung von Stickstoff für Düngezwecke, sowie für Gewinnung von Acetylen, Alkohol, Essigsäure, vielleicht sogar von Kautschuk ist auf diese Kräfte angewiesen. Auch die anderen Materialien .für Kunstdünger, nämlich Phosphate und Kali sind im Lande vorhanden, letzteres zusammen mit anderen Salzen im Wasser des Toten Meeres* ersteres im Hochlande Transjordaniens. Beide genügen zweifellos für lange Zeiten dem Bedarf des Landes, die Phosphate wer-