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Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · p. Seite 137-138

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
Seite 137-138 (sequence 7)
Language
German
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138 137 VOLK UND LAND selben ist es aber unbedingt erforderlich, jeden Quadratmeter aufs äußerste ertragfähig zu machen. Daraus folgt, daß man dazu gelangen muß, pur hochwertige und gute Erträge gebende Produkte anzubauen. Häufig hört man freilich jetzt die Ansicht vertreten, daß es das gichtigste ist, in Palästina vor allem die eigene Ernährung des Volkes sicher zu stellen; der Anbau von Exportprodukten komme erst an zweiter Stelle in Betracht und dürfe nur so weit ausgedehnt werden, daß darunter die Selbstveisorgung sowohl des produzierenden Landes als auch der städtischen Bevölkerung nicht leide. Man macht sich aber die Konsequenzen einer solchen Theorie nicht klar; bei strikter Befolgung derse’ben würde man zwar in der ersten Zeit noch viel Pflanzungsland besitzen, mit der Zunahme der Bevölkerung müßte dieses allmählich! aber zugunsten des Getreide- und Gemüsebaues eingeschränkt werden. Und auch die Viehzucht würde allmählich dem Untergang verfallen, da ja das Vieh vier- bis fünfmal mehr konsumiert, als es dem Menschen wieder als Nahrung zur Verfügung stellt, demnach mit der Zeit zugunsten des Anbaues direkter Nahrungsmittel des Menschen zu verschwinden haben würde. Wenn die Erfahrungen desi Krieges eine größtmögliche Autarkie fordern, so gilt dies nur für große Reiche, die nach allen Richtungen hin die Möglichkeit haben, ein gesondertes ^Dasein zu führen. Für ein so kleines Ländchen wie Palästina paßt aber die wirtschaftliche Autarkie nicht; Palästina kann, auch wenn es dereinst in Wirklichkeit ein Industrieland geworden sein wird, selbst günstigenfalls nicht daran denken, im Falle kriegerischer Entwicklungen sich selbst Zu erhalten; und wenn es wirtschaftlich möglich/ sein würde, so kann ihm dies seiner geographischen Lage nach nichts nützen, da es ja dazu verurteilt ist, ein militärisch dauernd gar nicht zu verteidigendes /Mittelstück zwischen zwei mächtigen Gebilden, Aegypten und Syrien, zu bleiben. So lange der Mensch in bezug auf seine Ernährung noch auf direkte oder indirekte Produkte der Pflanzenwelt angewiesen ist, welches Stadium hoffentlich in nicht zu ferner Zeit überwunden sein wird, kann Palästina, ebensowenig wie Belgien, Sachsen und andere Länder von ähnlicher Wirtschäftsstruktur, gleichzeitig eine didite Bevölkerung besitzen und sich selbst auskömmlich ernähren. Das Gesagte gilt freilich nur für spätere Zeiten, nicht für die erste Phase der Besiedlung, in der zweifellos durch intensiveren Anbau die Ernährung der heimischen, und gegen jetzt selbst mehrfach vergrößerten, Bevölkerung gesichert werden kann. Nehmen wir an, daß gegenwärtig in der Ebene Jesreel nebst der Küstenebene Galiläa sowie in Trans Jordanien je 50 000 ha, im übrigen Palästina ebensoviel Land, im ganzen also 150 000 ha mit Getreide bebaut werden, \so ergibt dies bei dem bis jetzt noch 'bei weitem nicht erreichten Ertrag von einer Tonne (1000 kg) auf den Hektar und bei einem Jahreskonsum von 200 kg (y5 Tonne) Getreide auf den Kopf der Bevölkerung genügend Nahrung für 750 000 Seelen, also für die gegenwärtige gesamte Bevölkerung *des Landes, \venn man nicht, wie es bisher der Fall ist, viel Getreide an das Vieh verfüttert, was bei richtiger Ausnutzung von Stroh, Abfällen, Futtergewächsen und Wildvegetation nicht nötig'zu sein brauchte. Jeder Mehrertrag — un<f der Ertrag läßt sich sehr wohl auf das Doppelte steigern —- würde also den Einwanderern zugute kommen. Es sei hierzu bemerkt, daß die Möglichkeit, den Hauran zugunsten der Ernährung Palästinas auszunutzen, zwar vorhanden ist, aber besser unberücksichtigt bleibt, i da es ja fraglich ist, ein wie großer Teil desselben zu Palästina kommen wird. Bei der jetzigen Bewirtschaftungsweise des Hauran genügt seine Produktion ungefähr, um außer seiner eigenen nicht geringen Bewohnerschaft noch Damaskus, Beirut und das Libanongebiet, sowie die südlichen Gebiete bis Palästina zu ernähren. Wenn der Hauran Ützt, wie übrigens auch die Ebene Jesreel und die mgebling von Gaza, Getreide rauszuführen vermag, so ist nicht zu vergessen, daß Syrien und Palästina auch eine große Einfuhr von Nahrungsmitteln aller Art, darunter tauch Viel Mehl, aufweisen. Also auch im eigentlichen Palästina lassen sich zweifellos bei geregelter Wasserwirtschaft noch manche Gebiete dem Getreidebau erschließen; soll doch daselbst das für Getreidebau ohne weiteres verwendbare Land eine Fläche von 400000 Hektar einnehmen, von denen 330 000 sogar für Weizenbau geeignet sind. Große Strecken Landes liegen außerdem durch das Fehlen von Be- und Entwässerungsanlagen brach; besonders im Jordantal läßt sich durch geregelte Wasserwirtschaft noch viel vorzügliches Ackerland »schaffen, sowohl im oberen Teile des Tales durch Entwässerung des Sumpfgebietes nördlich des Meronsees, als im unteren* südlich von Besan. Neben dem Getreidebau (Weizen, Gerste, Durrha, Mais) wird sidf naturgemäß auch der Anbau anderer Feldgewächse ausdehnen lassen; vor allem gedeihen Hülsenfrüchte, wie Kichererbsen, Bohnen, Erbsen, Linsen, Lupinen, Wicken, vermutlich auch die ölreichen Sojabohnen und Erdnüsse, ferner die eigentlichen Oelfrüchte, wie Sesam, Rizinus und Leinsaat. Ebenso dürfte der Anbau von Leguminosen, Grünfutter (bescndeis ICee, Luzernen) bedeutend zunehmen und vermutlich auch der bisher sehr vernachlässigte der Futterrüben und anderer Hackfrüchte, hoffentlich audii der Kartoffel. Vielleicht lassen sich auch durch Errichtung einer oder einiger Zuckerzentralen der Anbau von Zuckerrüben sowie von Zuckerrohr entwickeln. Ebenso liegt erheblicher Reisbau im Jordantal durchaus im Bereich der Möglichkeit Von Faserpflanzen kommt vor allem der Anbau ägyptischer Baumwolle auf Bewässerungsboden in Betracht, vielleicht wird es sich auch lohnen, Flachs und Hanf anzubauen, sei es zur Bereitung von Flachs- und Hanf fasern, sei es um durch Zerlegung ihrer Faserbündel in ihre Einzelbestandteile (Kotonisierung) Woll- oder Baumwollersatz (Flachs- oder Hanfbaumwolle) zu gewinnen. Ebenso wird es möglich sein, in den nicht bewässerten Teilen des unteren Jord&itales eine Sisalhanfkultur zu entwickeln, während in den bewässerbaren, frostfreien Gebieten daselbst wohl der Anbau von Kaffee glücken dürfte. So wichtig diese Produkte des Feldbaues auch sind, an Ausfuhrwerten werden sie nicht viel zu liefern vermögen, da die mit den einzelnen Nutzpflanzen bestandenen Flächen zu klein sind, um über den Bedarf des Landes hinaus noch Exportprodukte hervorzubringen. Im Gegensatz hierzu steht der Pflanzungs- und Gartenbau, auf den der Exjx>rt sich in der ersteh Phase der Besiedlung im! wesentlichen wird stützen müssen. Im Obstbau gilt es vor allem, diejenigen Produkte, die sich schon bewährt haben, in großen Massen zu vermehren; das gilt sowohl für Mandeln und Oliven, als auch für Wein und die Agrumen (Orangen, Zitronen), sowie für Wasser- und Gartenmelonen. Es ist anzunehmen, daß sich auch der bisher von den Kolonisten ziemlich vernachlässigte Aprikosen-, .Pfirsich- und Feigenbau mü der Zeit in Palästina mehr als bisher einbürgem

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