Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1919)
- Date
- 1919-01-23
- Page
- Seite 123-124 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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123 VOLK UND LAND 124 aiir_in i_m_i_i_M_i i hi i_ um imiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiitiiiiMiiiiiiiiiiimiiiiiintiiiiiiiiiiiiiiitiiitJiiiiLh | - BUECHERBESPRECHU NGEN ■=-.=--=;■- [1 illllllMIIIIIIIIIIIIIIMilllllllllHinillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIUIHIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII|l||||||||||||llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli? Sven Hedin: Jerusalem Ein Kriegsbüdhlein mit allen Schwächen, die sich aus der Ueberschätzung des sich breit machenden Augenblicks ergeben, und doch wiederum ein Buch, das noch jetzt, wo des Krieges Stürme schweigen, mit Genuß und Vorteil gelesen werden kann. Der jüdische Leser wird heute schwerlich die Geduld aufbringen, all das Licht zu ertragen, das der Verfasser über den durch die Ereignisse seither in den Hintergrund geschobenen Dschemal Pascha verschwenderisch ausgegossen hat. Und man wird über die reichlich eingestreuten, einseitig orientierten politischen Ausblicke mit dem unbehaglichen Gefühl hinwegeilen, daß die seither entschleierte Wahrheit eine schmerzlich deutliche Sprache spricht. Davon abgesehen aber ist es eine Freude, unter Sven Hedins Führung Syrien und Palästina zu durchqueren, das bunte Bazarleben in Damaskus aut uns wirken zu lassen, den märchenhaften Zauber der gali- Iäischen Landschaft mit ihrem See Genezareth und allen Flecken und Städtchen zu genießen, wo jeder Stein und jeder Strauch eine geschichtliche Erinnerung in sich birgt. Man erlebt den gewaltigen Eindruck, den der erste Anblick Jerusalems hervorruft, wandelt durch die Straßen und Gassen dieser ehrwürdigsten aller Städte, besucht Bethlehem, Jaffa, das tote Meer und Jericho und gelangt schließlich mit ihm über die letzten Ausläufer Südpalästinas hinaus über El-Arisch an die damalige Suezfront. Was dem Büchlein einen gewissen Reiz verleiht ist die Tatsache, daß es mit spielerischer Leichtigkeit über palästinensische Verhältnisse zu orientieren versucht, über Land und Leute, über Vergangenheit und Gegenwart. Sven Hedin überrascht mit Bemerkungen, daß von den Palmenhainen Jerichos zu den Schneefeldem des Libanon soviel sei wie eine Reise vom Aequator nach dem Nordpol; er beleuchtet blitzartig die Erde Palästinas, wenn er andeutet, was ist und was sein könnte. So sagt er z. B., daß man im Altertum die Fruchtbarkeit des Bodens besser auszunutzen verstanden habe. So gibt er gegenüber der Tatsache, daß es zurzeit nicht mehr viele berufsmäßige Fischer am See Genezareth gibt, ein Bild von der Zeit des neuen Testaments und meint: „Damals brauchte der Heiland nicht lange zu suchen, um aut einen Fischer zu stoßen/' Er hebt auch den besonders reichen Ertrag der Gemüsegärten hervor. Es gibt fast keine erhebliche Frage, die Sven Hedin nicht wenigstens oberflächlich streift, und es regt sich ein Gefühl der Dankbarkeit dafür, daß man auf so bequemen Spazierwegen zu hübschen Einzelkenntnissen kommen soll. Nur muß man sich allerdings vor dem Glauben hüten:, daß in diesem Büchlein der Stein der Weisen enthalten sei. Aut Genauigkeit und Richtigkeit werden die einzelnen Angaben nicht immer Anspruch erheben dürfen, Die Behauptung z. B., daß Palästina mehr als 2 Millionen Menschen auch bei intensivster Bestellung nicht ernähren könne, scheint nach den Ergebnissen der Untersuchung Sachverständiger recht angreifbar zu sein. Man darf es Sven Hedin nicht verdenken, daß sein christliches Interesse in Palästina überwiegt. Man hat umsoweniger Grund hierzu, als man aus vielen Stellen sein Bestreben herausfühlt, allem gerecht zu werden, was ihm eratgegentritt. So geht er am jüdischen Palästina nicht vorüber. Er ist ergriffen von dem Anblick jener, die Abend für Abend ihren Schmerz und ihre Trauer um das verlorene Zion laut werden lassen. Er widmet dlem, was das neue Judentum an schöpferischen Werten in seinem bisherigen Kolonisationswerk geschaffen hat, in einem kurzen Kapitel anerkennende Worte und) geht schließlich auf die zionistische Bewegung ein, die er aus idealen und praktischen Motiven heraus zu begreifen versucht. Ein besonderes jüdisches Interesse erweckt die Schilderung alles dessen, was der Krieg in den wüst liegenden Gebieten Südpalästinas für seine Zwecke hat erstehen lassen. Von Berseba, einem elenden Nest, wie Sven Hedin sich ausdrückt, das zu einem wichtigen Etappenort wurde, heißt es: „Wir betrachten die verschiedenen Gebäude des Etappenquartiers, die elektrischen Stationen, die Fabriken und Werkstätten, die Druckerei, den Bazar, das Hotel, die Anlagen und Gärten, die natürlich noch nicht weit gediehen waren, undl die Eisfabrik — die segensreichste Anstalt in dieser Hitze; dann die Ackerbauschule und die mit Motoren getriebenen Pumpwerke, und die gewaltigen Sammelbecken, an denen Trink wasser an Dromedare, Pferde, Esel und Maulesel verteilt wurde Die Zusammenstellung läßt darauf schließen, daß man nicht nur an provisorische Einrichtungen gedacht hat. Den gleichen Eindruck erhält man, wenn an eine Beschreibung des Etappenortes Aslutsch, jetzt einer Bahnstation, die Bemerkung angehängt wird: „Eine Anpflanzung von 3000 Olivenbäumen soll den jetzt noch so öden Platz einmal in eine schattenreiche Oase verwandeln." Von großen Wasserstationen ist die Rede, die an den verschiedensten Punkten aus der Erde gewachsen sind, um Mensch und Tier und nicht zuletzt das verödete Land zu laben. Hier haben sich Kräfte und Möglichkeiten gezeigt, eboren aus dem vorübergehenden Bedürfnis des Krieges, ine Ahnung von all den Möglichkeiten und Kräften steigt auf, wenn die Not des jüdischen Volkes zur Aufbauarbeit im Lande Israel auf ruft. L. W. JH! Kolonisten sind hoffnungsfrohe Menschen. Fast überall sind sie harte, aber fröhliche Arbeiter, die mit Vertrauen in die Zukunft blicken, weil jeder Axtschlag und jede Pllugfurche sie der ersehnten Unabhängigkeit näherbringt. Prof. Sering