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Volk und Land · 1919-01-23 · Heft 4 (23.1.1919) · p. Seite 119-120

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (23.1.1919)
Date
1919-01-23
Page
Seite 119-120 (sequence 14)
Language
German
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11Ö VOLK UND LAND 120 konferenz die Errichtung' einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in einem ungeteilten und unteilbaren Palästina in den durch geschichtliche Ueberlieferung und durch politische und ökonomische Notwendigkeit bestimmten Grenzen unter Sachwalterschaft des für den künftigen Völkerbund handelnden Großbritanniens gefordert wird. WIRTSCHAFT Entwicklungsmöglichkeiten des Handels in Palästina Der „Egyptian Gazette“ vom 6. November sind folgende Ausführungen entnommen: Die Entwicklungsmöglichkeiten des Handels von Palästina können statistisch nur nach den Zahlen des Jahres 1913 bemessen werden, da der Handel, der dort größtenteils in den Händen der ständig wachsenden jüdischen Bevölkerung ist, seither vollkommen still lag. Im Gebiet von Jerusalem sind die beiden Hauptindustrien die Seifenbereitung und die Verfertigung von Andachtsgegenständen, die aus Olivenholz und Perlmutter hergestellt werden. Das Hauptzentrum für Perimutterwaren ist Bethlehem. Die Seifenindustrie wird stark von der Olivenernte beeinflußt; je nach deren Ertrag fällt oder steigt daher die Seifenausfuhr. Was die Einfuhr Palästinas anbelangt, so werden die im Jahre 1913 über Jaffa eingeführten Waren auf 1 312 659 £ geschätzt, das sind 222 670 £ mehr als im vorhergehenden Jahre. An dieser Einfuhr waren Großbritannien und seine Kolonien mit 170 000 £ bzw. 64 000 £ beteiligt. Wenn man hierzu noch die aus Beirut und Smyrna nach Jaffa eingeführten Waren im Werte von 100 000 £ rechnet, so beläuft sich der Gesamtwert der aus dem britischen Reiche bezogenen Einfuhr auf 334 000 £. Der Wert der Einfuhr aus der Türkei wird auf 325 000 £ geschätzt, der aus Oesterreich-Ungarn auf 143 000 £, der aus Rußland auf 120 000 £, aus Frankreich auf 115 000 £ und aus Deutschland auf 102 000 £. Vor dem Kriege waren die mit Jerusalem in Verbindung stehenden hauptsächlichsten Banken die „Anglo-Palestine Co., Ltd.“, die „Deutsche Palästina Bank“, die „Kaiserlich Ottomanische Bank“ und der „Credit Lyonnais“. In der Liste der Wareneinfuhr nach Jaffa sind Baumwollwaren mit 240 800 £ verzeichnet, Mehl mit 150 000 £, Bauholz mit 107000 £, Petroleum mit 81 000 £, Tabak mit 67 300 £, Reis mit 63 430 £, Zucker mit 53 600 £, Eisen waren mit 32 200 £ und Maschinen mit 28070 £. Zu den in beträchtlichem Umfang eingeführten Waren gehören ferner Kaffee, Kohlen, Stabeisen, Leinsamen und Maschinenöl, gemalte Phantasieartikel, Aetznatron und Kunstdünger. Die merkliche Vermehrung in der Petroleumeinfuhr ist dem Gebrauch von Petroleumöfen für Heiz- Und Kochzwecke zuzuschreiben, da die Preise für Holz und Braunkohle schon vor dem Kriege stark gestiegen waren. Eisenwaren wurden hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich eingeführt; Nägel und Schrauben aus Großbritannien, Deutschland und Belgien; Hufeisennägel aus Großbritannien und Schweden; Glas-, Emaille-, Porzellan- und Töpferwaren wurden anfangs hauptsächlich aus Oesterreich-Ungarn und Deutschland bezogen, Belgien begann jedoch später, sie zu niedrigeren Preisen zu liefern. Aus Deutschland kam Stabeisen, Träger aus Belgien und Frankreich, Zinkblech aus Deutschland und Belgien. Oesterreich-Ungarn lieferte fertig hergestellte Kleidungsstücke, und aus Großbritannien und Frankreich wurde der größte Teil der eingeführten Stoffe bezogen. An der Einfuhr von Schuhen und Lederwaren war Großbritannien mit 90 v. H. beteiligt; Deutschland und Oesterreich hatten das Monopol auf die Einfuhr von Schreibwaren, sowie von Pack- und Zigarettenpapier; Farben und Lack kamen größtenteils aus Großbritannien, Farbstoffe wurden ausschließlich aus Deutschland bezogen. Frankreich begann die Einfuhr von Butterersatzmitteln und anderen Präparaten aus Nußöl. Dach- und Mauerziegel wurden eine Zeitlang hauptsächlich aus Frankreich eingeführt; aber wenige Jahre vor dem Kriege übernahm das deutschsyrische Waiseninstitut ihre Herstellung und schnitt die französische Einfuhr durch die Lieferung billiger Waren ab. Die Ausfuhr aus Jaffa, einem Zentrum für den Orangenhandel, besteht hauptsächlich aus Orangen, Seife, Wein, Obst, Häuten, Harz, Hirse und Mandeln. Im Jahre 1913 wurden 861 172 Kisten allein nach britischen Häfen verschifft. Großbritannien war der bei weitem größte Absatzmarkt, darauf folgten die Türkei, Aegypten, Odessa und Triest. Jaffas Gesamtausfuhr würde sich ständig steigern, wenn man mit Gewißheit auf gute Getreide- und Olivenernten rechnen könnte. Der Mangel an Oliven hemmt die Seifenindustrie, und es scheint dort starker Bedarf an Olivenöl zu herrschen. —- Was die Schiffahrt anbelangt, so war Großbritannien im Jahre 1913 mit 270 361 Reg.-Tons in Jaffa vertreten, Oesterreich-Ungarn mit 228 456 Reg.-Tons, Frankreich mit 213 202 Reg.-Tons, Rußland mit 21 469 Reg.-Tons, Italien mit 104 265 Reg.-Tons und Deutschland mit 78656 Reg.- Tons. Britische Schiffe standen auch an der Spitze des Personenverkehrs nach Jaffa und beförderten im Jahre 1913 10 215 Personen. Eine der hauptsächlichsten Arbeiten, die unternommen werden müßten, ist die Verbesserung des Hafens von Jaffa. Ein eigentlicher Hafen ist dort nicht vorhanden, so daß manchmal mehrere Wochen vergehen, bevor es möglich ist, mit der Küste in Verbindung zu treten. SOZIALES Arbeitsheer und Arbeitsdienstjahr Die nachstehend hier veröffentlichten (dien Mitteilungen des Vereins Keren Kajemeth Lejisrael und! Palästinai amtes in Wien entnommenen) Ausführungen des Ing. Agr. J J. Oettinger erwecken, abgesehen Von ihrer Aki tualität, auch insofern ein großes Interesse, als sie einem Gedanken praktische Gestalt geben wollen, der letzten Endes nach dien Intentionen des Verfassers eine von Prof. C. Bailod gegebene Anregung verwirklichen könnte. Man erinnert sich der seinerzeit Aufsehen erregenden Veröffentlichungen Ballods in ‘der „Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung“ über diie Möglichkeit einer Großbesiedelung Palästinas, die neuerdings im wesentlichen durch eine Publikation des Pro Palästina- Comites wiederholt worden ist. Bailod berechnete, daß ein männlicher Jahrgang der von ihm angenommenen Bevölkerung in der Lage Sei, die in seinen Siedelungsschema vorgesehenen groß wirtschaftliehen Arbeiten auszuführen, und ließ diurchblicken, daß die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Dienstjahres den Beruf des landlwirtschaftlichen Arbeiters im wesentlichen überflüssig mache. Oettinger läßt die Institution eines stehendien Arbeitsheeres, der bestimmte öffentliche, für das Gemeinwesen wichtige (mit Rücksicht auf den dauernden Charakter der Einrichtung natürlich nicht auf Vorbereitungstätigkeit sich beschränkende) Arbeiten zuzuweisen sind, aus einer jüdisch-nationalen Arbeitsarmee sich entwickeln. Diese Arbeitsarmee soll aus den Auswandererve reinigungen von Elementen, deren Hauptzweck bloß die Einwanderung nach Palästina ohne Festlegung auf einen bestimmten Siedelungsplan bildet, insbesondere aus dem Kern der Hechaluzgruppen herausiwachsen. Der Gedanke des zweijährigen Dienstes bietet die bereits aus dem Militärsystem bekannten Vorteile, die das Vorhandensein eines schon fertig ausgebildeten Jahrganges für die Heranbildung des neuen Jahrganges mit sich bringt. * * * .... Die bevorstehende Auswanderung nach Palästina muß mit Vorbedacht geregelt werden. „Der Exodus wird nicht ein«’ Flucht ähnlich sein“ sagte HerZl,

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