Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1919)
- Date
- 1919-01-23
- Page
- Seite 117-118 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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117 VOLK UND LAND 118 jjiiiiiimi »inin_11um i i_ i_ui i) i)iimii)i)iii ii n_i m in um i i u I AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA -ARBEIT || ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimiiiiiiiimimiiiiiiiimiiii; POLITISCHES In der Erwartung des Augenblicks Das Kopenhagener Zionistische Büro schreibt: Der Zionismus lebt in der Erwartung des Augenblicks, den er von jeher erstrebt hat, da der historische Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina von den Nationen anerkannt werden soll. Inmitten dieser Zeit der höchsten Erwartung hat sich in einer Reihe osteuropäischer Länder eine Welle von Pogromen erhoben, die aufs neue dem jüdischen Volke die Tragik seiner j Heimlosigkeit vor Augen geführt und seinen Willen j zur Auswanderung aus den heimgesuchten Ländern an- I gefacht hat. I Es zeugt für die Kraft des zionistischen Gedankens | und seiner großen Zukunft, daß die zur Auswanderung bereiten Massen danach streben, ihre Existenz nach Palästina zu verpflanzen. Schon jetzt laufen bei den verantwortlichen zionistischen Stellen täglich Botschaften! von Gruppen und Einzelpersonen aller Länder ein, aus j denen hervorgeht, wie sehr der Augenblick des Aufj bruchs herbeigesehnt wird. j So ernst die Notlage der Massen im Osten und so j befriedigend die Bereitschaft zur Besiedlung Palästinas ist, so dürfen sie doch keinesfalls zu irgendeiner überstürzten und für das ganze Palästinawerk gefährlichen Handlung führen. Alle, die voller Ungeduld das Zeichen mm Aufbruch erwarten, müssen sich sagen, daß bis zum Abschluß der politischen Vorarbeiten ein solches Zeichen nicht gegeben werden kann. Sie müssen sich ferner sagen, daß unter den heute allenthalben noch herrschenden Bedingungen die Ueberführung großer Scharen von Menschen in ein anderes Land immöglich ist, besonders in eines, das wie Palästina unter der Okkupation einer militärischen Macht steht. Erst wenn die politischen Arbeiten beendet sind und die allgemeinen Bedingungen sich geregelt haben, wird es Zeit sein, den Willen zur Auswanderung zur Tat werden zu lassen. Es ist aber gut, sich schon jetzt klar zu machen, daß auch dann der Aufbruch mit aller nötigen Vorsicht planmäßig folgen muß. In dem Augenblick, in dem die Forderungen des jüdischen Volkes vor dem Tribunal der Nationen ihre öffentliche Anerkennung gefunden haben werden, beginnt die verantwortungsvollste Aufgabe für die nach Palästina strebende Judenheit; die Vorbereitung des Landes und die Organisierung der Auswanderung dahin in solcher Weise, daß Palästina und die dort sich bildende neue Gemeinschaft fähig werden, immer wadisende Massen von Juden sich einzugliedern und ihnen Existenzmöglichj keften und Lebensformen zu bieten, die im Einklang mit den an Palästina geknüpften Hoffnungen des jüdischen Volkes stehen. Bei der Vorbereitung und Durchi ftihrung dieser Arbeit darf sich der Zionismus in seinen | verantwortlichen Faktoren durch nichts beirren lassen, i was ihn von der systematischen, auf viele Jahre hinaus berechneten Fortentwicklung seines PaJästinawerkes ablenken könnte. Die wichtigste Phase der Erschließung j des Landes darf nicht der Belastung durch eine unorganisierte Einwanderung ausgesetzt werden. Bei der Disziplin, welche die zionistischen Organii sationen aller Länder von jeher bewiesen haben und die j nicht am wenigsten dazu beigetragen hat, der Bewegung ihre Geschlossenheit und Kraft zu verleihen, j ist zu erwarten, daß auch jetzt die Führer und Or- J gane in den einzelnen Ländern dahin wirken werden, j übereilte Schritte zu verhüten. Die Besiedlung des Landes darf nicht in nervöser Hast oder als Folge j einer — wenn auch noch so ernsten — augenblick- ■ liehen Notlage erfolgen, sondern muß nach einem einj heitlichen Plane vor sich gehen, der alle bestehenden und künftigen Möglichkeiten Palästinas in Betracht zieht j imd vor allem bestrebt ist, die Tragfähigkeit des Landes und seine Bewohnerschaft von Jahr zu Jahr zu steigern, I damit immer größere Massen des jüdischen Volkes in ihm die ersehnte Heimstätte finden. Um dieses Ziel zu erreichen, muß sich die zionistische Organisation auf das Verantwortlichkeitsgefühl und die Selbstzucht aller zionistischen Korporationen und ihrer Leiter verlassen können. Die russischen Zionisten haben bereits im Frühling vorigen Jahres den Grundsatz aufgestellt, daß die Auswanderung nach Palästina nur nach den Bedürfnissen des Landes und nicht unter der Einwirkung der in den Ländern der Diaspora herrschenden Verhältnisse erfolgen darf; das Bekenntnis zu einem solchen Grundsatz beweist das Verständnis und die Verantwortlichkeit der Zionisten für das ihrer harrende Werk. Die Richtigkeit und Bedeutung dieses Prinzips wird man zweifellos auch dort würdigen, wo die Pogrome als ein starker Antrieb zur Auswanderung wirken. Nur strengste Disziplin kann die Durchführung des einheitlichen Siedlungsunternehmens gewährleisten. Zielbewußt und besonnen muß jeder gegenwärtige Schritt sein, der zur Sicherung der jüdischen Zukunft führen soll. Der jüdische Nationalkongreß in Prag, der in der Zeit vom 4.—ö. Januar stattgefunden hat, hat auch von tschechischer Seite weitgehende Beachtung gefunden. Das Organ der tschechischen Sozialdemokratie „Prävo lidu“ begleitet die Tagung mit recht bemerkenswerten Aeußerungen, aus welaien die nach- ] folgenden von Objektivität, Verständnis und ehrlichem I Verständig-ungswillen gegenüber dem jüdischen Natio-! nalismus zeugenden Sätze mitgeteilt seien: „Die Juden sind bekannt als zähe Rasse, und ein unnötiger Kampf gegen sie wäre der Republik nicht zum Vorteil. Durch den Bankerott des Weltkrieges, die neugeschaffene staatliche und politische, ja auch wirtschaftliche Konstellation, durch die neuen Ströme, die die Welt durchwehen, wurde ihre Bewegung unterstützt und wesentlich verstärkt. Und man muß anerkennen, daß die Bewegung auch starke ethische Momente und starke demokratische und sozialistische Komponenten hat. Ein volles nationales Leben wird ihnen allerdings bei ihrer Zerstreuung kaum jemals erreichbar sein, jedoch eine gewisse Autonomie, verkörpert in ihren Kultusgemeinden, welche sich in Volksgemeinden verwandeln würden, ist möglich und könnte ihnen nicht verweigert werden. Jede Nation, selbst eine geschichtslose, hat das Recht, zu leben und sich auszuleben, es geht daher nicht an, sich dagegen zu stellen, wenn auch die jüdische Nation dies anstrebt.“ Die „Jüdische Zeitung“ bringt über die Tagung einen ausführlichen Bericht, den sie u. a. mit folgenden Worten einleitet: „Die Stimmung nationaler Befreiung nach dem Zusammenbruch des altösterreichischen Absolutismus, die demokratische Welle und freiheitliche Erhebung der Völker haben auch in den Kreisen des Judentums einen ungeahnten Aufschwung der nationalen Bewegung zur Folge gehabt, die schon wegen der weltpolitischen Stellung des neuen tschechoslovakischen Staates dem tschechoslovakischen Judentum eine besondere Rolle im Gesamtjudentum verschaffen wird. Die eigenartigen nationalen Verhältnisse haben dazu geführt, daß große jüdische Gruppen, die vorher der nationalen Bewegung völlig ferngestanden sind, sich derselben angeschlossen haben. So kam es, daß der erste Delegiertentag im neuen Staate ein außerordentlich bunt und würdig zusammengesetztes Bild bot und den Beweis erbracht hat, daß ausschließlich die auf dem unlöslichen Zusammenhänge mit dem gesamten jüdischen Volke der Welt beruhende nationale Bewegung zur Vertretung jüdischer Interessen berufen ist, nicht nur vermöge ihres Programms, sondern auch durch ihren Umfang, der jetzt schon die Majorität aller Juden auch im tschechischen Staate umfaßt“ Aus den Ergebnissen der Tagung sei die Palästioare&olution hervorgehoben, in der von der Friedens-