Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1919)
- Date
- 1919-01-23
- Page
- Seite 109-110 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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109 -= r. — "TV VOLK UND LAND L;~=r 1 10 Verfügung zu stellen sein, und es ist beispielsweise auch ganz möglich, daß die „Jewish Golonization Association“ mit ihren großen Kapitalien sich veranlaßt sieht einzugreifen. Die statutarische Bedingung, die ihr nur die Zinsen zu verwenden gestattet, wird für einen solchen gänzlich unvorhergesehenen Fall wohl nicht hinderlich* zu sein brauchen. Im Sinne des Stifters wäre es jedenfalls nicht, solche statutarischen Bedenken einem nie wiederkehrenden Erfordernis gegenüber geltend zu machen. Mit den Auswanderungswegen sieht die Frage der Etappen in Verbindung. Diese ist sehr interessant und kann große Bedeutung gewinnen. Ich kann mir vorstellen (und ich habe dabei sehr bestimmte Möglichkeiten im Auge), daß am Wege der Auswanderung und in Verbindung mit ihr, jüdische Zentren entstehen und bereits vorhandene gestärkt werden. Eine großzügige Etappen-Politik könnte die Schwierigkeiten der Uebersiedlung erheblich vermindern und gleichzeitig auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Auswanderungs-Ländern (oder auch deren Judenschaften) und Palästina weitgehend erleichtern. *) Es dürfte auch auf Grund der neuen Bahnverbindung zwischen Aegypten und Palästina für einen Teil der Auswanderung der Reiseweg über Port Said sich empfehlen, wodurch, was ich ebenfalls seit langen Jahren (in der Öeffentlichkeit seit 1901) empfohlen habe — das Nordgebiet der Sinai- Halbinsel mit El-Arisch usw. in den Bereich unseres Kolonisationswerkes gelangt. Es ist sehr möglich, daß England bei seinem neuen Interesse an einer östlichen Landverbindung Aegyptens eine Entwicklung dieses Landstriches durch jüdische Kolonisten sehr gern sehen und sie durch gewisse Maßnahmen erleichtern würde. Gerade der Nordrand der Sinai-Halbinsel diente ja den Engländern bei der Eroberung Palästinas als militärische Etappe und ist zu diesem Zwecke weitgehend mit Verkehrs-Einrichtungen, Wasserversorgung, Zelt- und Lazarett-Lagern usw. usw. ausgestattet worden. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß gerade die militärischen Vorkehrungen zum Transport von Truppen nach Palästina (wie Einrichtungen für Verpflegung, Nachschub usw.) sowie die mit der Eroberung und Okkupation zusammenhängenden 'Unterkunfts-Einrichtungen für beträchtliche Heeres-Abteilungen jetzt auch für das jüdische Ansiedlungswerk von außerordentlichem Nutzen werden können, wenn die Engländer der von ihnen ja erst ermöglichten jüdischen Massen-Ansiedlung auch darin entgegenkommen, daß sie ihr in irgendwelcher Form diese durch die Beendigung der Feindseligkeiten demnächst freiwerdenden Einrichtungen überlassen. Ueberhaupt werden die großen Schwierigkeiten der vor uns liegenden Aufgabe sehr wesentlich * *) Ueber die hiermit in Zusammenhang stehenden Möglichkeiten, besonders auch diejenigen jüdischer Seeverkehrs- und Handelsunternehmungen, habe ich in meinem Buch „Jüdische Emigration und Kolonisation“, dessen Niederschrift in den Jahren 1912 und 1913 erfolgte, verschiedentlich Materialien gegeben (hauptsächlich Seite 36 -45 und Seite 139—155). | dadurch - za mildern sein, daß unser Werk des I Aufbaues mit der Demobilisation der Millionen- Heere des Weltkrieges zusammenfällt. Wir werden wahrscheinlich nicht nur von England, sondern auch von anderen Mächten militärische Unterkunfts- und Lazarett-Einrichtungen und dergleichen mehr — vielleicht sogar auch Proviantlager im größeren Maße — für unsere Zwecke verfügbar bekommen. Was in diesen Hinsichten die militäri.sehen Massenbewegungen ermöglicht bat, wird auch unser Uebersiedlungswerk gewaltig fördern, ganz abgesehen davon, daß die letzten kriegerischen Entwicklungen in Palästina dem Lande die außerordentlichsten Fortschritte gebracht haben, die wiederum nunmehr der allgemeinen Erschließungsarbeit dienen werden. Aber auch, wo das Kriegsmaterial der bezeichneten Arten nicht hinreicht, werden wir in der Lage sein, eine andere Neuerung des Weltkrieges für unsere Zwecke heranzuziehen, nämlich die Kriegsindustrie, die sich überall großartig, entfaltet hat, und deren Feld nun brach liegt. Für diese Kriegsindustrie bietet sich neben den großen Aufbauarbeiten in den verschiedenen Ländern kaum irgendwo ein größeres Objekt als die Erfordernisse der jüdischen Massenwanderungen. Diese wird vielen Kriegsindustriellen eine willkommene Ueberleitung zu künftiger normaler Produktion bieten. An ihrer Leistungsfähigkeit ist jedenfalls nicht zu zweifeln und man braucht nur diejenige Aufgabe an sie weiterzugeben, deren Bewältigung auf anderen Wegen zu schwierig sein könnte. Für Verpflegung, Behausung und Arbeits-Gelegenheit können also Kriegsmaterial und Kriegsindustrie sorgen. Das Bedenken, daß für eine Masseneinwanderung die erforderlichen Lebensmittel nicht beschafft werden könnten, ist völlig grundlos. Selbst wenn der Ueberschuß der palästinensischen Getreidegebiete *) und der sonstigen Landesprodukte nicht hinreichen würde,, könnte man an eine Versorgung von Uebersee denken, die beispielsweise von der Ukraine aus oder aber von Nord- oder Süd-Amerika her (um nur die hauptsächlichsten Möglichkeiten zu erwähnen) gedeckt werden könnte. Auch der sonstige Bedarf unserer Massen Wanderung und Massensiedlung kann ohne erhebliche Schwierigkeiten gedeckt werden. Alks das ist in der Hauptsache eine Frage des Ueberblicks und der Organisation. __ (Schluß folgt). *\ Der Hauran allein produziert genug Getreide, um ein Mehrfaches der heutigen Gesamtbevölkerung Palästinas zu versorgen. Wenn man bisher hiervon bei uns keine Notiz genommen hat, so lag das daran, daß diese Getreideüberschüsse in der Außenhandels- Statistik Palästinas nicht zum Ausdruck kamen, well das Haurangetreide zumeist nach Damaskus '(und weiter nach Nordsyrien) sowie nach Medina und Mekka zu gehen pflegte. Andererseits hatte Palästina in manchen Jahren von seewärts her eine Mehleinfuhr von ungefähr 2 Milli M., durch welche bei. vielen der Eindruck erweckt wurde, als brauche Pa- ' lästina einen Getreide Zuschuß. Die MehleinfUhif entspricht aber nur einem Landesbedürfnis derjenigen Bevölkerungsschichten,' denen das Produkt der einheimischen Mahlmühlen nicht genügt. Auf alle FäHe ab£r beträgt das eingeführte Mehl n u r w e n i g e Pro - zent des .äußer Landes geführten Getrekieqüäntiims. '