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Volk und Land · 1919-01-16 · Heft 3 (16.1.1919) · p. Seite 81-82

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 3 (16.1.1919)
Date
1919-01-16
Page
Seite 81-82 (sequence 11)
Language
German
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81 -= ---■= ■ ■ =-^- ■■■■ . VOLK UND LAND -^=--=- ■ ■■= 82 der Ernte an Aprikosen, Trauben und Feigen requiriert wurden. Die Kontrolle hierin durch die Militärbehörden war eine sehr scharfe. i Saatgetreide verteilten die Zivilbehörden zumeist nur an besonders bedürftige Bauernfamilien, deren Oberhaupt eingerückt war und bei denen männliche Mitglieder mit über 15 Jahren nicht vorhanden waren. In den Bezirken Damaskus, Horns und Hama veranlagte die Provinzialregierung in Ausführung des bezüglichen .Gesetzes die Zweigniederlassungen der Ottomanbank zu Ende des Berichtsjahres zur einjährigen Pachtung eines bestimmten Areales auf eigene Spesen, mit der Verpflichtung, die Ernte seinerzeit an die Regierung abzuliefern, letztere wäre sodann gehalten, der Bank die vorgeschossenen Kapitalien mit zwölfprozentiger Verzinsung aus dem Ernteergebnis zurückzuerstatten. Das bei Damaskus von der Ottomanbank gepachtete Areale betrug 2 km,2. Das Saatgetreide, die Arbeiter und Arbeitstiere wurden von der Batik ebenfalls beigestellt. Das System der Feldbearbeitung durch die Ar beitersoldafen wurde im Berichtsjahre nur ausnahmsweise gehandhabt. Die Weizen ernte war in den südlichen Gegenden des Vilajets, wie im Hauran und Drusenlande, qualitativ eine gute zu nennen. In den nördlichen Gegenden war die Ernte infolge des herrschenden Arbeitermangels eine mittelmäßige. Die Bezirke Horns und Hama hatten die schlechteste Ernte seit Jahren infolge des fast absoluten Regenausfalles. Im Durchschnitte kann man sagen, daß die Weizenernte um zehn Prozent besser war als die des Vorjahres. Der Weizenhandel war das ganze Jahr über, ausgenommen zur Zeit der Zehenteinschreibung, welcher in natura eingehoben wurde, innerhalb der Vilajetsgrenzen frei. Zur Erntezeit betrug' der Preis für Weizen in Damaskus pro Dschift (ä 35 kg) 50 Piaster Hartgeld, um im Laufe des Jahres bis zum Ende desselben infolge der Verkehrsschwierigkeiten und anderen Umständen auf 320 Piaster Hartgeld zu steigen. Im übrigen kann man infolge der Verkehrsschwierigkeiten von einer Einheitlichkeit der Zerealienpreise nicht sprechen, da in den Getreidezentren die Preise normale, in den großen Städten und im Norden hingegen exorbitante waren. Gerste, welche nur in den nördlichen Gegenden einschließlich Damaskus gebaut wird, hatte im Berichtsjahre so ziemlich eine Fehlernte, in der Gegend Horns und Haana wegen Regen- und Arbeitermangels, in Damaskus aus letzterem Grunde allein. Man kann einen 60 prozentigen Ausfall hierin verzeichnen. Der zur Erntezeit als normal geltende Preis von 25 Piaster Hartgeld pro Dschift stieg bis Ende des Jahres auf 500 Piaster im Handel. Mais geriet sowohl in Damaskus (rote und gelbe Abart) als auch im Hauran (weiße Abart) sehr gut, die Erntemenge war um zehn Prozent größer als im Vorjahre. Der hohe Preis (130 Piaster Hartgeld pro Dschift) war darauf zurüefezuführen, daß Mais in großen Mengen von den Militärbehörden requiriert wurde, um in geschrotetem Zustande als Pferdefutter die nur wenig vorhandene Gerste zu ersetzen. Linse n. In den Bezirken Horns und Hama, wo vornehmlich die weiße Qualität gebaut wird, gestaltete sich auch die Linsenernte infolge des Mangels an ergiebigen Regenmengen sehr schlecht. In der süjdlichen Damaszener Ebene war die Linsenernte infolge des Mangels an Feldarbeitern auch eine schwache. Im Hauran gedieh zwar die rote Qualität vortrefflich, aber infolge der Verkehrsschwierigkeiten waren Linsen aus der erwähnten Gegend schwer erhältlich und die Platzpreise in Damaskus sehr hohe,, nämlich von 200 bis 300 Piaster Hartgeld pro Dschift. Bohnen, welche am meisten in der wasserreichen Ebene gepflanzt werden, waren in diesem Jahre trotz Arbeitermangels sehr gut gediehen, aber als. begehrter Requisitionsartikel sehr teuer. Aprikosen. Diese für die syrische landwirtschaftliche Bilanz so wichtige Frudht hatte heuer ein gutes Ergebnis, namentlich in der Umgebungvon Damaskus. Das wirtschaftliche Ergebnis für die Grundeigentümer selbst war allerdings minder gut, da nahezu 75 Prozent des Ertrages von den Militärbehörden requiriert wurden und den Eigentümern überdies die Verpflichtung oblag, die Aprikosen, zu Teig (kamareddin) verarbeitet, an die Militärverwaltung abzugeben. W e i n k u i t u r. Im ganzen Vilajet Syrien, wo es au Weingärten ungefähr 2S2 Dömun gibt, war die Weinlese mittelgut, mindestens aber um 75 Prozent besser als die des Vorjahres. Obgleich auch Trauben teilweise von der Militärverwaltung beschlagnahmt wurden, um in getrocknetem Zustande abgeliefert zu werden, erzielten doch frische Trauben ausgezeichnete Preise, da die hiesigen Spirituosenerzeuger große Quantitäten für ihren Betrieb benötigten, zumal ausländischer Alkohol und ausländische alkoholische Getränke völlig' ausverkauft sind. O l i v e n e r n t e. Die Ausdehnung der Olivengärten im Vilajet Syrien beträgt 23 000 Dönum mit ca. 300 000 Oelbäumen. *) Oliven waren im Berichtsjahre nach zwei aufeinanderfolgenden Fehljahren sehr gut gediehen, so namentlich die bei Damaskus gezüchteten Spielarten Dschlud und Dan. Olivenöl sank daher gegen die vorjährigen Preise um 50 Prozent, auch konnten die einheimischen Seifenfabriken größtenteils ihren Betrieb aufnehmen. Viehzucht. Es ist natürlich, daß im dritten Kriegsjahre der Viehbestand Syriens durch fortwährende Abgaben an das Heer ziemlich gelitten hat, insbesondere dej Bestand an Zug- und Tragtieren. Trotzdem ist es bemerkenswert für die Viehproduktion des Landes, daß seit Kriegsbegimi bis zum Berichtsjahre die Preise für Zug- und Tragtiere kaum um 100 Prozent in die Höhe gegangen sind. Am meisten hat die Pferde- und Maultierzucht unter dem Kriegszustände gelitten; doch trachtete die Militärverwaltung durch Einteilung des Landes in zahlreiche Veterinärbezirke, Viehkrankheiten und Ungerechtfertigten Requisionen Einhalt zu tun. Rassepferde wurden im Berichtsjahre sehr selten, trächtige Tiere gar nicht requiriert. Auch wurde ein Militärhengstendepot in kleinem Umfange eingerichtet, jedoch ohne besonderen Erfolg, da die hiesigen Züchter von Rassepferden nur gewisse Pferderassen bevorzugen (wie Saklaui, Koschlani). Was die Rinderzucht anlangt, unterstanden gewisse Bezirke einer veterinären Kontrolle wegen der sporadisch auftauchenden Rinderpest. Sonst überwinterte das Vieh im milden Winter des Betriebsjahres sehr gut, Grünfutter war das ganze Jahr über reichlich vorhanden. Von einer Kamelzucht kann man bei der seßhaften Bevölkerung Syriens nicht sprechen, da die Beduinen nur Hengste verkaufen und Landwirte in den seltensten Fällen Stuten besitzen. Die Auftriebe seitens der Beduinen waren normale, die Preise auf dem Privatmarkte aber sehr hohe, bis 20 L. tqu. Gokl für mittlere Lastkamele. Die Schafzucht des Vilajets ließ im Berichtsjahre viel zu wünschen übrig, da viel requiriert worden war und die Auftriebe der Beduinen infolge der großen Forderungen letzterer wenig angesprodien wurden. In» Norden des Vilajets in den Bezirken Horns und Hama litten die Schafe an der durch die Trockenheit verursachten Mangelhaftigkeit der Weide. In der Gegend des Dschebel Kalamun kamen Fälle von Räude vor. Der Viehbestand Syriens stellte sich im Berichtsjahre in Ziffern wie folgt: Stück Rinder. 57 000 Pferde.11 500 Esel und Maultiere . . . . . 32 000 Schafe. 512 000 Ziegen. . 510 000 Kamele.71000 Handel. Im dritten Kriegsjahre gestaltete sich die Lage des Handels im Gegensätze zu den allgemeinen. Befürchtungen ziemlich gut; man konnte sogar von einer gewissen Belebtheit des Platzes sprechen. Der findige syrische Kaufmann sah sich durch die dreijährige Absperrung von der übrigen Handelswelt in der Zwangslage, neue rentable Verdienstwege zu suchen, um nicht vor der Kalamität des Warenmangels zu kapitulieren. Drei Möglichkeiten, welche für die Handelslage von wirklicher Bedeutung waren, wurden gut ausgenützt. Die erste nächstliegende waren die Lieferungen von allem möglichen Heeresbedarf, wie der Einkauf von *) Dies entspricht fast 150 Oelbäumen per Hektar.

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