Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1919)
- Date
- 1919-01-16
- Page
- Seite 79-80 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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70 =-=--:^r=-:.. ~ -- VOLK UND LAND •=-r- ' : ■ =.^r-=r. - ■ , 80 Kulturländern seine Werbetätigkeit mit Erfolg entfaltet und ein größeres Interesse für seine Ziele gefunden. Im Jahre 190f) hat der Verein seine praktische Arbeit in Palästina aufgenommen. Es bestand zunächst die Absicht, eine Kunstgewerbeschule zu errichten. Dies wurde aber bald aufgegeben und es sind vielmehr Ateliers für kunstgewerbliche Arbeiten entstanden. Es werden zunächst Ateliers für Teppiche (Woll- und Seidenteppiche), Metallarbeiten (Aetz-, Treib- und Damaskusarbeiten), Silberfiligran, Holzbearbeitung (Rahmen-, Olivenholz-Arbeiten mit Einlagen und Aetzungen auf Holz) und Elfenbeinschnitzereien eingerichtet. Nach dem letzten im Jahre 1912 erschienenen Berichte sind in den Ateliers etwa 430 Personen als Arbeiter beschäftigt gewesen. Die tganze Institution hat den Charakter einer Lehrwerkstatt, wo in der Hauptsache aber schon ausgelernte und erwachsene Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt waren und nur ein kleiner Teil aus Lehrlingen bestand. Dies führte dazu, daß die ganze Energie auf die Sicherstellung der Produktion verwendet werden mußte, und für eine systematische Ausbildung der Lehrlinge daher wenig übrig geblieben ist. Das sehr rapide Anwachsen der Arbeiterzahl 1908 ca. 100 Arbeiter 1909 „ 150 1910 „ 270 ,1911 „ 430 brachte es mit sich, daß auch die Vereinstätigkeit sich nur auf die Erhaltung der Werkstätten beschränken mußte, weder für die Unterstützung der schon in Palästina heimischen Gewerbe noch für ihre weitere künstlerische und wirtschaftliche Entwicklung konnte etwas getan werden. Dagegen hat sich zum Beispiel in den Olivenholzarbeiten sogar eine Art Konkurrenz zwischen den heimischen Betrieben und der betreffenden Werkstatt des „Bezalel“ fühlbar gemacht. Der auf diese Weise entstandene große Betrieb hat ohne festes Betriebskapital gearbeitet, und war nur auf das Jahreseinkommen des Vereins und die Verkäufe angewiesen. Die Organisation des Absatzes war dabei höchst mangelhaft. Sie hat nie auf einer kaufmännischen Basis geruht, vielmehr wurde der Verkauf der Waren durch eine sehr teure Propaganda mit Ausstellungen usvv. und durch Freunde der Sache betrieben. Von einem regulären Zirkulieren der in die Produktion gesteckten Geldmittel konnte daher nicht die Rede sein. Die Waren lagen jahrelang an verschiedenen Stellen, bis sie verkauft wurden; nur in Warschau hat sich eine Kommanditgesellschaft gegründet, die kaufmännisch einen regulären Vertrieb der Waren organisierte und wie es scheint, sich vorteilhaft bewährt hat. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn der „Bezalel“ im Jahre 1913 eine innere Krise durchzumachen hatte, die zu einer Trennung der Anstalt in Werkstätten mit einer rein kaufmännischen Organisation und die eigentliche Schule führte. Die Zahl der Arbeiter in den Ateliers wurde dabei auf etwa 130 herabgedrückt. Die Schule hat etwa 25 Schüler bekommen. Leider haben die Werkstätten ihre Tätigkeit mit einem viel zu kleinen Betriebskapital angefangen, so daß es wohl nach dem Kriege zu einer weiteren Sanierung der Sache kommen muß. (Schluß folgt in Heft 4.) HANDELSBERICHT VON DAMASKUS FUER DAS JAHR 1917 Von Generalkonsul Allgemeine Lage. Die allgemeine Lage in Syrien im Jahre 1917 war hauptsächlich dadurch Charakterisiert, daß das Land in unmittelbare Berührung mit den Kriegsereignissen kam. Das Vordringen der englischen Heere in Südpalästina hatte in allen wichtigen Städten des Landes große Truppenansammlungen zur Folge, was den Konsum dieser Orte plötzlich bedeutend steigerte und die Verpflegung des Landes naturgemäß erschwerte. Die Inanspruchnahme der Bahnen und sonstigen Transportmittel ausschließlich für Heereszwecke machte sich insbesondere in der Versorgung der großen Städte, wie Damaskus, Homs und Hama bemerkbar. Im allgemeinen 'kann man jedoch von einer Notlage der Bevölkerung wie im Libanon nicht sprechen, da das Vilajet als getreideproduzierendes Land immer über den eigenen Bedarf Zerealien hervorbrachte. Wenn sich Hungersnoterscheinungen in den größeren Städten zeigten, so handelte es sich zumeist um Emigranten, wie Libanesen, Armenier und Bewohner der Hedschasgegenden, welche hierzulande einen Erwerb nur schwer oder gar nicht zu finden vermochten. Anderseits profitierten die Kaufleute durch die Anwesenheit der Truppen und wurden durdh die höheren Preise für viele durch Requisitionen verursachte Verluste entschädigt. Unter solchen Umständen konnte seitens der hiesigen Firmen den Forderungen der fremden Gläubiger selbst über das Ausmaß des Moratoriumsgesetzes Genüge geleistet werden. Im übrigen hat das Vilajet durch Schaffung zahlreicher gemeinnütziger Institutionen dauernden Gew i n n erzielt. Auf dem Gebiete der Schulpflege, der Stadtverwaltung und vieler anderer Zweige des öffentlichen Lebens waren wesentliche Fortschrtte zu verzeichnen, die angesichts der Beschränktheit der Mittet hodh zu veranschlagen sind. Die größte Wohltat aber, die nach dem Kriege dem Lande zustatten kommen Dr. Kart Ran zi. wird, ist die Vervollkommnung der Kommunikation s m i 11 e I, besonders der systematische Ausbau des Straßennetzes und die Verbesserung der vorhandenen Straßen, in der Weise, daß sie selbst für den -Automobil v e r k e h r geeignet sind. Landwirtschaft. Die Getreideernte 1917 konnte als günstig, arigesprochen werden, trotzdem die Menge des diesjährigen Ernteergebnisses gegenüber dem Vorjahre in allen Teilen des Vilajets, ausgenommen den Hauran, das Drusengebirge und das Ost jordanland, eine geringere war; hauptsächlich infolge des Mangels an Landarbeitern. Denn nur die Bewohner der drei letztgenannten Gegenden hatten den Vorteil, gar nicht oder in minderem Maße zum Militärdienst herangezogen zu werden, während in den Bezirken Damaskus, Bikaa, Homs und Hama die männliche Bauernschaft vom 19. Lebensjahre an eingezogen worden war. Eine wirkliche Wohltat für die letzterwähnten Bezrike war die Möglichkeit für viele militärpflichtige Bauern und Landarbeiter, sich durch Kauf einer Wesika (Enthebungsschein) für Holzlieferung an die syrischen Bahnen loszukaufen. Immerhin muß man das Areale des in den nördlichen Gebeiten durch den Krieg verursachten Brachlandes auf ein Drittel des anbaufähigen Landes schätzen. Geringer war auch der Anbau von Gemüse. Die fortgesetzten Requisitionen an frischem Gemüse für den Augenblickbedarf des- Heeres veranlaßten die Bauern, sich mehr auf den Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten, namentlich Linsen, zu verlegen. Ihrerseits steuerten die Militärbehörden dieser Kalamität durch Gemüseanbau auf irgendwelchem verfügbaren und anbaufähigen Terrain in der Nähe der größeren Militärstationen durch die Arbeitersoldaten. Die Zivilbevölkerung hatte unter dem im Jahre 1917 herrschenden Gemüsemangel allerdings viel zu leiden. Aehnliches gilt von den Dörrobstarten, wovon 7.5 Prozent