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Volk und Land · 1919-01-16 · Heft 3 (16.1.1919) · p. Seite 75-76

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 3 (16.1.1919)
Date
1919-01-16
Page
Seite 75-76 (sequence 8)
Language
German
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75 VOLK und LAND 76 drillten Holzteilchen, die zu einer gitterartigen Fläche verbunden werden und so als dekorative Flächenverzierung dienen. Mit Hilfe dieser dekorativen Mittel werden Möbel und Wandverzierungen hergestellt. Leider muß man aber konstatieren, daß sowohl die Technik als auch das künstlerische Schaffen nicht nur keine Fortschritte machen, sondern immer tiefer sinken. Die Schnitzerei ist meistens ziemlich grob, die Flächenzeichnungen und Formen sind ständige Wiederholungen alter Muster, und nur die ewigen und wunderlichen dekorativen Reize des arabischen Ornamenten- und Formenschatzes retten die Arbeiten vor vollständigem Verfall. Bei den Inkrustationsarbeiten kommt noch dazu, daß sie sehr schlecht die Feuchtigkeit vertragen; dieses ließe sich jedoch durch Verbesserung der Technik und durch geeignete Verpackung beim Transport beheben. So wie die Sache heute liegt, ist es kein Wunder, wenn dieser Industriezweig sich im Rückgang befindet und viele Arbeiter dieses alten Gewerbes nach Amerika auswandern. Noch bis vor dem Kriege waren mehrere hundert Arbeiter und Arbeiterinnen in großen Werkstätten beschäftigt. Die Produktion betrug einige Hunderttausend Francs. Die Ware wurde nach Europa und Aegypten ausgeführt. Eine etwas stabilere ökonomische Gestaltung haben die Damaszener Kupfer-, und Messingarbeiten. Hier werden Hausgeräte, wie Kannen, Krüge, Schüsseln, Teller, Vasen, Ampeln usw. aus Kupfer oder Messing angefertigt und nachher durch Tauschierung mit anderen Metallen (z. B. Silber eingehämmert in Kupfer, Kupfer in Messing, seltener auch in Eisen) oder durch Eingrabungen von Flächenzeichniingen verziert. Ab und zu sieht man auch durch Aetzung oder durch Treiben angebrachte Ornamente. Diese Industrie beschäftigt mehr als tausend Arbeitskräfte (darunter viele Arbeiterinnen und Kinder), und produziert Waren im Werte von 1 bis IO Millionen Francs jährlich. Die Industrie zerfällt in zwei getrennte Zweige. In dem einen werden die Gefäße und Geräte aus Kupfer und Messing angefertigt. Zumeist werden Geräte aus einem Stück mit der Hand gehämmert; bei komplizierten Formen werden einzelne Teile gehämmert und nachher zusammengesetzt. Einzelne massive Teile und ganz kleine Gegenstände werden auch gegossen. In der anderen Abteilung werden die Sachen verziert. Technisch sind die Gefäße sehr schlecht hergestellt. Mangelhafter Guß, eingebogene und verbeulte Flächen, zerrissene Ränder und sogar Löcher in den Gefäßen sind häufige Erscheinungen. Von der Metallfärbung oder einer Aveiteren galvanischen Bearbeitung hat man keine Ahnung. Rein künstlerisch ist die Zerlegung der Arbeit in zwrei Teile sehr schädlich. Die Trennung der Anfertigung der Gefäße von deren künstlerischer Bearbeitung hat nicht nur eine weitere Formenentwicklung verhindert, sondern eine Zusammenschrumpfung der schon bestandenen Formenausw'ahl bewirkt. Und nicht einmal eine Erhöhung der Geschicklichkeit in den speziellen Arbeiten, wie man es wohl hätte annehmen dürfen, ist zu verzeichnen. Die Arbeitsteilung hat in diesem Falle vielmehr jede individuelle Gestaltung des kunstgewerblichen Gegenstandes völlig ausgeschlossen und die ganze Arbeit in eine rein mechanische umgewandelt. Wenn wir einen Vergleich mit den japanischen Arbeitsmethoden ziehen, so sehen wir daß dort der ausführende Künstler trotz der konsequent durchgeführten Arbeitsteilung die Aufsicht über alle Phasen der Arbeit hat und stets seinen Einfluß geltend machen kann. Darin liegt die fortwährend qualitative Entwicklung des japanischen Kunstgewerbes. Den künstlerischen Kräften bei den Damaszenerarbeiten ist dagegen nur das Aufträgen der Arabesken auf die ihnen gelieferten Geräte übrig geblieben, und dieser Umstand drückte sie auf die Stufe einfacher Handwerker herab. Ein zweites Moment, das dem Damaszener Kunstgewerbe Schaden bringt, ist die Trennung des Gebrauchs- und Ziergerätes voneinander, eines der bedenklichsten Krankheitssymptome jedes Kunsthandwerks. Die billigen europäischen Porzellan- und Emaillefabrikate haben allmählich das künstlerische Hausgerät aus dem orientalischen Haushalt beinahe gänzlich verdrängt und dadurch wurde die Damaszener Industrie gezwungen, sich hauptsächlich mit dem Export zu befassen. Es gelang ihr aber bis jetzt nicht, sich in die europäischen Gebrauchsgegenstände einzuarbeiten, so daß die Herstellung von Ziergeräten zur Hauptproduktion wurde, und dies mußte zu einer Beschränkung der Entwicklung führen. Die Rückkehr zum Gebrauchsgerät würde die Produktion erheblich steigern können. Dies kann aber nur durch das Eingreifen künstlerischer Kräfte bewirkt werden, die mit den europäischen Erfordernissen gut vertraut sind. Vor allem ist dabei an die Beleuchtungsbranche und ähnliches zu denken. Ziemlich bedeutenden Umfang hat in Jerusalem in Bethlehem, wie auch in Beth-Dschala und Beth- Sahur die heimische Erzeugung der sogenannten ,.objets de pietc“. Hier werden Rosenkränze (christliche und mohammedanische), Kreuze, Perlniuttcrschalen mit eingeschnittenen religiösen Szenen usw.- hergestellt, ferner in kleinen Mengen Federhalter, Federmesser, Broschen, Kästchen, Rahmen usw\ Als Material dient Perlmutter, ein weicher schwarzer Stein, den man in der Gegend des Toten Meeres findet, Silber (in Bethlehem) und Olivenholz (in Jerusalem). In Bethlehem befindet sich diese Industrie in den Händen der Christen; in Jerusalem vorwiegend in jüdischen Händen. Die Erzeugnisse tragen meistens die Aufschrift „Jerusalem“ oder irgendeine Abbildung der Heiligen Stätten. Die erste Kunde über diese Industrie kommt zu uns aus dem Jahre 1676 durch Triolo. Eine weitere Kunde, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt, schätzt die Zahl der Arbeiter auf 400. Heute dürfte diese Industrie insgesamt bis zu 1000 Menschen beschäftigen und jährlich für etwa 2 Millionen Francs Ware hersteilen. Die Ware - wird zum größten Teil an Touristen verkauft und teilweise auch nach Europa und Amerika versandt. Die hauptsächlichsten Abnehmer waren der Reihenfolge nach: die Vereinigten Staaten, Frankreich, Türkei, Deutschland,^ Oesterreich, Italien, England. Bei der Ausfuhr nach Amerika sind die zahlreichen dorthin ausgewanderten Bethlehemilen dem Absatz dieser Artikel sehr nützlich gewesen. Interessant ist, daß auch einige in Paris ansässige Bethlehemiten diese Artikel dort erzeugen und sie zum Verkauf an Touristen nach Bethlehem senden. Nach Mitteilungen des schwedischen Generalkonsuls Professor Dalmann betrug die gesamte Ausfuhr Palästinas in diesen Artikeln: 1907 460 000 Frcs. 1908 535 000 „ 1910 350125 „ 1911 478 750 „ 1902 97 000 Frcs. 1903 142 000 „ 1904 180 000 „ 1905 250 000 „ 1906 400 000 „ 1912 550 500 Auch hier sind die Arbeitsmethoden sehr primitiv; aber mit dem Unterschied, daß es in diesem Falle wohl zu rechtfertigen ist. Die maschinelle Bearbeitung von Perlmutter, die sich hauptsächlich auf die Knopffabrikation erstreckt, hat nicht nur

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