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Volk und Land · 1919-01-09 · Heft 2 (9.1.1919) · p. Seite 57-58

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2 (9.1.1919)
Date
1919-01-09
Page
Seite 57-58 (sequence 15)
Language
German
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57 -=-^ VOLK UND LAND - 58 Die Karmelstadt wird demnächst, wie in der bekannten Palästinautopie Herzls, „Aitneuland ein Welthaien von großer Bedeutung werden, da durch die prachtvolle Akkabucht auch die Voraus.setzu.ngen für einen natürlichen Hafen vollauf gegeben sind. Der biblische Flecken und bisheriges Araberdort Beerseba, das vor drei Jahren von Jerusalem aus durch mehr als zweitägige Reise kaum zu erreichen war, ist heute Eisenbahnknotenpunkt aut dem Wege zwischen Kairo und Damaskus-Aleppo, während es anderseits die Küste mit der Hedschasbahn verbindet und später diese Verbindung bis gegen den Akabazipfel des Roten Meeres verlängert wird. Daß unter diesen Umständen die kleine Ortschaft inmitten der fruchtbaren Gerstenfelder und fetten Weiden in einigen Jahren eine Großstadt zu werden bestimmt ist, liegt aut der Hand. Aehnilich wird es auch Jericho ergehen, das einst eine blühende Königsburg und noch unter Herodes Hofresidenz war, heute aber ein, kaum genießbares Araberdorf ist, das nicht einmal eine gute Zugangsstraße besitzt. Der Bau einer Transversal- Eisenbahn Jerusalem-Salt ist bereits vorgesehen und wird über Jericho abgesteckt werden, so daß die alte Palmenstadt wiederum zu neuer Blüte erstehen wird. Hebron, Nazareth, Sichern Tiberias, Safed, alles Orte, die an wichtigen Verkehrskreuzungen liegen, heute aber entsetzlich heruntergekommene Schutthaufen und Schmutzherde bilden, oder infolge Mangels an richtigen Wegen abseits vom Verkehr liegen,, werden durch einige gute Straßen und Bahnen zu bedeutenden Städten und zu Zentren für die umliegenden Dörfer und Kolonien werden. Die Verbesserungen des Verkehrs werden dann gestatten, daß die Produkte der einzelnen Striche, die heute schlechten Absatz und kaum lohnende Ausbeute finden, für In- und Auslandbedarf rasch und sicher verfrachtet werden können. Der Fischreichtum des Genei zarethsees, die Seifenerzeugung in Samaria und die i herrlichen Gemüse des Jordantales werden nun über! das ganze Land verteilt werden können. Handwerk und Industrie, Handel und Technik, Fremdenverkehr und! Floteliere werden in Palästina-Syrien einen Aufschwung nehmen, wie ihn diese Länder vielleicht nie erreicht hätten, wenn sie unter der bisherigen Mißwirtschaft verblieben wären. Und wenn erst die i Bahnen und Straßen nach Mesopotamien einigermaßen j ausgebaut sind und der Verkehr Aegypten—Bagdad i wieder, wie einst, über Jerusalem—Damaskus vor sich i geht und die Erzeugnisse des Zweistromlandes über j Beirut und Haifa ins Abendland gelangen, wenn die j Verbindung mit Arabien und dem Yemen über Ostj Jordanien geschieht und Syrien-Palästina so zum Mittelj punkt der Verkehrsadern eines Gebietes zwischen dem i Kaukasus—Persischen Golf—Roten Meer—Saharawüste | wird, dann kehren die alten Tage konzentrierten Le- | bens und welthistorischen Geschehens in die friedi liehen Falten des Libanongebirges und der galiläischen ' Bergketten und Täler zurück und Palästina und seine j Umgebung sind wahrhaft auferstanden. Schon rüsten sich Massen von jüdischen Arbeitern und Handwerkern für die Abreise nach dem ersehnten! alten Heimatlandc, schon bereiten sich die größten | Handelshäuser der Welt vor, den durch vier Kriegsjahre aufs äußerste verschärften Warenhunger des gesamten Orients zu stillen und ihre Niederlassungen in den zukunftsreichen Gebieten eimzurichten. Möge die kommende Zeit des Friedens dieser Entwicklung zum Wöhle unterdrückter Völker und der gesamten Menschheit die größtmögliche Ausdehnung und Intensität geben! Dr. A. B. aiiiiiimiiiiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiii)iii)iii[iiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii))i»)ii[iiiii)iiiiiniiiiiiiiiiiiii)iiiiiiii)n)i)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiii)iiiiiiiuiiimmtutimuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniuiiiiiiiiiiiiiiiimim I - BUECHERBESPRECHUNGEN ... Karl Jäger: Das Bauernhaus in Palästina. Dieses Buch scheint geschrieben zu sein, um das Verständnis für die Bibel, die ihre Bilder und Vergleiche häufig dem Hause entlehnt, zu vertiefen. Darüber hinaus gibt es dem, welcher ein realeres Interesse an Palästina hat, wertvolle Aufschlüsse (wenn man von einigen technischen Ungenauigkeiten absieht) über Material und Arbeitsweise und sogar Anregungen zu einer künstlerischen Gestaltung des modernen palästinensischen Bauernhauses. Zweierlei mag der Blauende aus diesem Buche lernen: Wie gebaut wurde lind was von der alten Art noch verwendbar ist, und wie er (unter Beibehaltung des wertvollen Alten) künftig bauen muß, um die Bedürfnisse des modernen palästinensischen Bauern zu befriedigen. Gleichzeitig aber bestätigt es dem Organisator einer palästinensischen Massensiedlung, mit wie g e ri n - gern Auf wände an gelernten Arbeitskräften, Zeit und Material Wohnbedürfiusse befriedigt werden können. „Der Hausbau bedeutet das größte und schönste Ereignis und eine Zeit hochgespannter Freude und Erwartung im Leben des palästinensischen Bauern.“ So kennzeichnet der Verfasser das Verhältnis des fellachischen Bauern zu seinem Hause. Das fell'achische Bauernhaus in Palästina ist — wenn man von den modernen Häusern der europäischen Immigranten absieht — einräumiig, rechteckig (mit Ausnahme der runden Weinbergshäuser) und tritt nur ausnahmsweise a I s Einzelhaus auf. Für die Lage des Dorfes sind kühle Luftströmungen, gute Verteidigungsmöglichkeiten gegen Ueberfälle und die Nähe von Quellen und fruchtbaren Landkomplexen maßgebend. Eine innere Teilung des Hauses durch Wände gibt es nicht. Durch Erhöhung des Fußbodens oder Aufstellung hoher Getreidebehälter wird eine etwaige Gliederung des Wohnraumes herb eigeführt. Neben der Tür ist die einzige i Wand Öffnung ein Fenster mit hoher Brüstung oder | eine kleine Luke. Mit größeren Nischen für die Aufbewahrung der wenigen Hausgeräte und Decken sowie für den Aufenthaltsort für Tauben sind die Um* fassungsw’ände innen und außen reichlich ausgestattet. Die Insaßen des Hauses sind von ihren Haustieren meist nur durch die Niveaudifferenz des Fußbodens getrennt. Die primitive Feuerstätte besitzt einen Kamineinbau zum Abzug der Rauchgase. Zu einigen Häusern gehört ein Hof, der von einer niedrigen Mauer oder durch ein Gehege von Dorngesträuch umgeben ist. Zumeist sind die Häuser als Reihenhäuser (zwecks Ersparnis von Wänden) um einen gemeinsamen Hof gebaut. In. heißeren Gegenden stellt sich der Blauer noch eine Laubhütte mit leichtem Laubdach gegen die Sonnenhitze innerhalb seines Hofraumes auf. Im Hofe sind ferner Backofen und Hühnerhaus uutergebracht. 4üortanlagen fehlen ganz. Das Dach, eben oder leicht gewölbt, ist meist ein Kreuzgewölbe oder ein flaches Pultdach und von außen durch eine Treppe erreichbar. Bei Hotebedachung werden wegen der Kürze des Bauholzes Gurtbögen oder Holzunterzüge, die ihrerseits wieder durch Pfeiler unterstützt sind, hergestellt. Dias Kreuzgewölbe erhält gewöhnlich einen Spiegel. Bei Ueberdachung mit einem Tonnengewölbe geschieht es zuweilen, daß Holzdach und Gewölbe kombiniert sind. Das palästinensische Bauernhaus ist nicht unterkellert, es sei denn, daß die Behausung an einem Abhange gelegen ist, und der Winkel, welcher durch Abhang und horizontalem Fußboden gebildet wird, als solcher bezeichnet werde. Meist wird die Schräge des Abhanges geebnet und gleichzeitig als Fußboden benützt. Liegt das Haus nicht aut felsigem Boden, so werden die etwa 2 Meter (!) tiefen Fundamente aus Bruchsteinen hergestellt. Das Baumaterial wird nach seinem natürlichen Vorkommen in der Nähe der Siedlung gewählt. Im Gebirge verwendet man den Kalkstein (darunter sehr poröse Sorten), in der Ebene luttgetrocknete Lehmziegel. Die Wände sind (ebenso wie die Fundamente) außerordentlich stark dimensioniert und zweiteilig. Die Zwischenräume sind mit Steinschlag ausgefüllt. Als Mörtel dient feuchte

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