Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1919)
- Date
- 1919-01-09
- Page
- Seite 53-54 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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53 VOLK UND LAND 54 in der Neu Yorker Zentralbahn, und in der Baltimore- und Ohio-Linie ist sie der größte Aktionär Vor kurzem wäre sogar um ein Haar das ganze {jould-Eisenbahnsystem in die Hände dieser Firma gelangt, und George Gould konnte sich nur retten, indem er ein anderes jüdisches Bankhaus, Speyer & Co., zuhilfe nahm. Ja, es wäre sogar beinahe die Gesamtheit der amerikanischen Bahnen von dieser Finanzgruppe mit Beschlag belegt worden. Auch die Vergnügungsstätten der Vereinigten Staaten sind fast ausschließlich in jüdischen Händen; »mindestens 90 Prozent der Opernhäuser, Theater, Kinematographen usw. werden von Juden betrieben; sie widmen sich diesem Geschäft nicht als Schauspieler, die ziu Theaterleitern avanciert sind, sondern weil sie große Verdienstmöglichkeiten darin sehen. Es gibt ein halbes Dutzend großer Theaterfirmen, deren Inhaber alle Millionäre sind. Eine dieser Firmen, Schubert, hat nahezu zwanzig Theater in New York und ist an mindestens achtzig weiteren beteiligt. Auch im künstlerischen Betriebe der Bühnen haben sich die Juden ausgezeichnet bewährt. Leute, wie Charles Frohman und David Belasco, haben viel zur Hebung des Dramas beigetragen, indem sie im Interesse des gebildeteren Publikums Vorführungen wagten, bei denen sie des finanziellen Erfolgs keineswegs sicher waren; aber die große Mehrzahl der Juden im amerikanischen Theatergeschäft hat nur ein geldliches Interesse und macht keinen Anspruch darauf, die Kunst zu fördern. Firmen, wie Klaw & Erlanger begannen, Theater zu kartellieren, sie zwangen andere große Firmen in ihre Kombinationen hinein und dehnten ihre Betätigung auf kleine Städte aus. Mit anderen Worten, es wurde ein großer Theatertrust gegründet. Das Syndikat kaufte geeignete Stücke auf und stattete sie in verschwenderischer Weise aus, so daß die Provinztheater keine Möglichkeit hatten, ihrem Publikum etwas zu bieten, ohne in Verbindung mit diesem Ring zu arbeiten. Was an ‘wirklicher Konkurrenz für diesen jüdischen Theaterring übrig blieb, waren andere Juden: die Schuberts waren die einzigen, die dem System von Klaw & Erlanger standhalten konnten. Unterhalb der Höhe, auf der die Juden stehen, die in so vielen Zweigen des amerikanischen Lebens es zu erstaunlichem Reichtum gebracht haben, haben wir an zwei Millionen andere Juden, die nahezu alle von demselben Ehrgeiz und demselben Streben nach Erfolg beseelt sind. Dies ist die Flamme, die in den Herzen von Hunderttausenden armer Juden brennt. Die, Arbeit hat keine Schrecken für sie. Kein Erwerb ist ihnen zu niedrig oder zu schlecht bezahlt, um damit zu beginnen. Der Jude ist anspruchslos und mäßig. Die Art, wie die jüdische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zunimmt und vorankommt, ist eins der Wunder der Welt. Es gibt viele skrupellose Juden, aber sie sind nicht skrupelloser als i viele ihrer nichtjüdischen Konkurrenten. Sie haben j Erfolg, weil sie besser zu rechnen verstehen. Bei gleichen Chancen ist der Erfolg bei den Juden. | „Ueberall“, schrieb Madison Peters, „trainiert der! Jude sein Denkvermögen und strebt nach besseren! Arbeitsmethoden, die den Erfolg sichern der mit j Geschrei und Klagen nicht zu gewännen ist. Es I ist nicht erstaunlich, daß die Juden vorankommen; es wäre erstaunlich, wenn es anders wäre. Wenn der Jude so fortfahrt, wie er begonnen hat. so j gehört die Zukunft ihm.“ In Amerika, wie in anderen Ländern, kommen die Juden voran, und die Nichtjuden machen Rückschritte. Der Jude landet in Amerika voll Lebenskraft; er gewöhnt sich schnell an die Einflüsse seiner neuen Umgebung und entwickelt bald mehr Energie als sein amerikanisches Vorbild selbst. Er wird stolz auf sein Amerikanertum — mehr als auf sein Judentum —. Die Vergangenheit ist für ihn nichts, die Zukunft alles. Er wird seinen Väter im Osten vergessen, und seine Enkelkinder werden wahrscheinlich leugnen, daß sie irgendwelches jüdisches Blut in ihren Adern haben. Wir haben den Schlußsatz des Autors unseren Lesern nicht vorenthalten wollen, obwohl wir keineswegs mit ihm einverstanden sind. Fraser kann sich ebenso w'cnig wie manche jüdischen Autoren, die aus ihrer assimilatorischen Vergangenheit und Umgebung nicht heraus können, denken daß die Zeit der Assimilation vorüber ist, seit die Juden an Zahl, an örtlichen Konzentrationen und an Organisation so stark geworden sind, wie gegenwärtig. Als stärkstes Element der werdenden größten Stadt der Welt,*) New York, wird man sich vergeblich fragen, welchem Volkselement der großen Metropole am Hudson die dortigen Juden sich etwa assimilieren könnten. Ihre stetig wachsende Majorität wird sich weder den Negern, noch den Slaven. noch den Italienern New Yorks oder Nordamerikas nähern, und auch im Yankeetum werden nur ganz wenige aufgehen. Deren Zahl aber wird durch den jüdischen Zuwachs mindestens hundertfach1 übertroffen. Die Juden der Vereinigten Staaten werden einen anderen Entwicklungsgang gehen als den der Assimilation. D. T. *) Der Autor sagt an einer anderen Stelle: Es kann Vorkommen, daß ein New Yorker Bürger in seinem schönen Hause, das Arnold Brunner ihm gebaut hat, die letzte Novelle von Abraham Cohan aus der Hand legt, zum Telephon geht (das von Emil Berliner verbessert ist) und seinen Kompagnon benachrichtigt, daß er Theaterbilletts zü dem neuen Stück von David Warfield hat (Regie von BelasCo) worauf er sich wieder hinsetzt und die „Time s“ liest, bis seine Frau aus dem1 Warenhause von Altman’s zurüdkkehrt — ohne daß es Ihm auch nur in den Sinn kommt, daß ihm die Juden irgend etwas geleistet haben. JUEDISCHE GESELLSCHAFT FUER DIE WIRTSCHAFTLICHE ERSCHLIESSUNG PALAESTINAS Die Jüdische Gesellschaft für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas E. V., Berlin W. 50, Nürnberger Platz 5, die in engerem Kreise seit einiger Zeit besteht, beabsichtigt nunmehr, den Kreis ihrer Mitglieder zu erweitern. Interessenten werden bebuts weiterer Information um Zuschriften gebeten. Der Zweck der Gesellschaft ist nach den Satzungen: Durchführung von vorbereitenden Arbeiten zur wirtschaftlichen Erschließung Palästinas im Interesse jüdischer Volkssiedlung, durch 1. Bildung von Fa chverbänden; 2. Herausgabe einer Zeitschrift; 3. Anlegung eines Wirtschaftsarchivs; 4. Unterstützung einschlägiger Veröffentlichungen und Forschungen; 5. Veranstaltung von Preisausschreiben.