Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1919)
- Date
- 1919-01-09
- Page
- Seite 51-52 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649280--0055-2649390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5t VOLK und LAND 52 der Vereinigten Staaten haben ihren Reichtum mit Hilfe wohlüberlegter Anleihen erworben, die sie es verstanden, zur rechten Zeit zurückzuzahlen und einen Nutzen für sich selbst herauszuwirtschaften. Durch so vorsichtiges Geschäftsgebahren oder mit Hilfe geschickter Spekulationen sind die Juden im Begriffe, die hauptsächlichsten Grundeigentümer von New' York zu werden. In den Herzen vieler Juden besteht ein eifriges Streben, daß ihre Volksgenossen mehr zum landwirtschaftlichen Beruf übergehen möchten. In den vergangenen Jahrhunderten war es den Juden nicht möglich, zu Landbesitz zu gelangen selbst wenn sie. was bezweifelt werden darf den Wunsch dazu hatten. Aber im modernen Judentum besteht eine deutliche Tendenz zur vermehrten Ansiedelung auf dem Lande. Die Zusammendrängung* in «den Städten ist der nicht jüdischen Welt gegenüber eine zu deutliche Kundgebung dessen, was die Juden tun; viele fürchten daher, daß hieraus Unannehmlichkeiten und Rückschläge erfolgen könnten. So besteht, wie in vielen anderen Teilen der Welt, auch in den Vereinigten Staaten ein starker Wunsch unter den Juden, die landwirtschaftlichen Berufe zu fördern. — In Neuengland beschäftigen sich viele Juden mit der Milchwirtschaft. — In Minnesota. Oregon, Colorado und Arkansas gibt es jüdische Farmer, die sich durch großen Fleiß auszeichnen und nützliche Mitglieder der Gesellschaft sind. Es gibt eine jüdische Hilfsgesellschaft für Landwirtschaft und Gewerbe, und es ist ein sehr wirksames Kreditsystem ausgearbeitet worden. Diese Einrichtungen haben sogar die Anerkennung der hier entwickelten Organisationsformen für die allgemeinen Interessen des ameri-; kanischen Farmers gefunden. — In Albany gibt; es/ 'eine jüdische landwirtschaftliche Versuchsj Station, deren Zweck es ist. solche Einrichtungen 1 in Palästina und anderen Ländern zu unterstützen j und den Fortschritt der Landwirtschaft in j Trockengebieten überall in der Welt zu fördern, j Die obenerwähnte jüdische Hilfsgesellschaft macht stetige Fortschritte und dehnt ihr Wirkungsfeld immer weiter aus. Die Landwirtschaft hat sich unter den Juden der Vereinigten Staaten trotz ■großer Schwierigkeiten stetig entwickelt. Vor zehn Jahren war die jüdische! Landbevölkerung noch sehr geringfügig; aber heute ergreifen Juden diesen eruf mit allem, was zur Erreichung des Erfolges I notwendig ist. Es gibt wenige Staaten, wenn überhaupt welche, in denen es nicht jüdische Farmer gibt ■während sie in einigen der östlichen Staaten bereits zahlreich genug sind, um richtige jüdische Dorfgemeinden zu bilden. In Neuengland sind eine große Zahl von Heimstätten, die von ihren .amerikanischen Besitzern verlassen waren, durch die Arbeit jüdischer Einwanderer in prosperierende Farmen verwandelt worden. Ebenso ist in den westlichen Staaten viel neues Land von jüdischen Pionieren in Arbeit gelnommen (worden die sich auf Regierungsland niedergelassen haben. Die Gesellschaft veröffentlicht eine Zeitschrift „Der jüdische Farmer“. In Daylestone, Pennsylvania gibt es eine jüdische „nationale Fannschule“ mit dem Zweck, junge Burschen in: praktischer und wissenschaftlicher Landwirtschaft zu unterweisen; dort wird ein vierjähriger Unterricht kostenlos erteilt. Das Problem, wie man die jungen Leute auf den Farmen halten und der Landflucht steuern kann, wird in der Weise angefaßt, daß den Winter hindurch den Dorfgemeinschaften Vorträge vermittelt werden, und indem man den Kindern jüdischer Farmer Stipendien verschafft, mit Hilfe deren sie an den Wintervorlesungen teilnehmen können, die von den Landwirtschaftshochschulen der verschiedenen Staaten veranstaltet werden. Das amerikanische „Jew’ish Year-Book“ zeigt eine jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung, von 3718 Familien mit 18 590 Seelen, die im ganzen 3438 Farmen mit einem Areal von 175 000 ha im Werte von rund 100 Millionen Mark für das Land und 60 Millionen für Inventar1 besitzen. — Aber dies sind nur diejenigen jüdischen Landwirte, mit denen die Hilfsgesellschaft in der einen oder anderen Weise zu tun hatte. —: Die Gesamtheit der jüdischen Landudrte der Vereinigten Staaten dürfte um ein Drittel größer sein. Das Jahrbuch sagt: „Das Streben der Jüdischen Bevölkerung nach landwirtschaftlichen Berufen wächst an Bedeutung.“ In New York sind die Hälfte der Studenten der Golumbia-Universität und drei Viertel derjenigen der Universität von New York Juden. Diese Jungen Leute überschwemmen bereits die Zivilbehörden und verdrängen die amerikanischen, deutschen und irischen Mitbewerber. Das Examen bestehen sie mit Auszeichnung, und sie übertreffen die Nichtjuden au Kenntnissen bei weitem. Schon jetzt haben sie verschiedene städtische Aemter in absolutem Besitz. — Die ärztlichen und Laboratorienberufe, in denen New York ein ganzes Heer beschäftigt, füllen sie fast gänzlich aus. — Auch im Ingenieurwesen bilden sie eine große Majorität. Im (niederen Gerichtswesen haben sie die meisten Stellungen inne, die die Stadt zu vergeben hat. Weitaus die meisten Office-boys sind junge Burschen von der East-Side; die Stenographinnen und Maschinenschreiberinnen (sind fast alle jüdische Mädchen. Die Buchhalter und sonstige Unterbeamten sind ebenfalls fast alle Juden. Die großen Warenhäuser, wie wir sie heute kennen, verdanken ihren Ursprung jüdischen Köpfen; die Namen Straus, Altman. vB}oomendalc, Siegel, Greenhut erzählen von den Kaufhäusern der großen Städte, deren Mehrzahl erst in der letzten Generation sich aus kleinsten Anfängen entwickelt hat. Die Juden beherrschen auch das Whisky- und Spirituosengeschäft in den Vereinigten Staaten. Achtzig Prozent der organisierten Händler dieser Branche sind Juden. Auch in der Brennerei und im iEngroshandel machen die Juden hier 60 f/o aus. Im Zwischenhandel haben sie die Kontrolle der Weinproduktion Kaliforniens. Aehnlich ist es mit der Tabakbranche. Juden besuchen die tabakbauenden Staaten, kaufen nahezu \das ganze Quantum Blatttabak auf, so daß die (großen Tabakgesellschaften das Rohprodukt von ihnen kaufen müssen. Die Juden sind auch an« (der Zigarrenfabrikation stark beteiligt. Die American Tabacco-Company fabriziert ungefähr 15 o/o der in den Vereinigten Staaten hergestellten Zigarren. Den ganzen Rest liefern die Juden. Man sieht, daßi sich die Juden meist mit solchen Geschäften befassen, die beim ersten Anfang die geringsten Kapitalien erfordern. Die riesigen Gesellschaften, die das: Hauptgeschäft zwischen dem Atlantischen und Pacifischen Oziean machen, haben meist im Hausierhandel von Tür zu Tür begonnen. Viele der größten amerikanischen Bankhäuser hind von Juden etabliert worden. Das amerikanische 'Eisenbahnwesen zwischen dem Mississippi und der Küste des Stillen Ozeans und südlich vom Missouri bis zur mexikanischen Grenze ist jetzt im höhen Maße in jüdischen Händen, wobei die Firma Kuhn. Loeb & Co. die größte Rolle spielt. Diese Firma hat auch unter anderem bereits in der Illiiiois-ZentraJbahn Einfluß genommen, ebenso wie