Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1919)
- Date
- 1919-01-09
- Page
- Seite 43-44 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649280--0051-2649386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
43 ■■ :-^= VOLK UND LAND =■ ■= =-^ =.^..rr 44 Nur wenn diese nicht zur Verfügungstehen, ist zur Wasserbeschaffung aus Flüssen, Seen oder künstlichen Sammelbecken zu greifen, die jedoch für Genußzwecke eine Klärung und Filterung des Wassers erfordert. Ist eine Zuleitung aus größerer Entfernung notwendig, so sind Gruppen Wasserversorgungen am Platze, die für mehrere Ortschaften bestimmt sind. Die Kanalisation hat hauptsächlich für eine rasche, ungehinderte Entfernung der Gebrauchswässer, einschließlich der menschlichen Abgänge, zu sorgen. Es wird sich vorwiegend das Trennsystem empfehlen, das die Niederschlagswässer, die nur in einer verhältnismäßig kurzen Zeit des Jahres anfallen, dem oberirdischen Abzug überlaßt, bzw. in dichter bebauten Siedlungen in gesonderten Kanälen ableitet. Wo sich nicht eine günstige Vorflut findet, wie am Meere oder an den wenigen größeren Flüssen, wird eine Reinigung der Abwässer nicht zu umgehen sein, deren höheren Kosten der Gewinn der als Dungstoffe zu verwertenden Rückstände gegenüberstehk Straßenr e i n i g u n g, sowie Abfuhr des Haus- und Straßenkehrichts, die heute noch unbekannte Begriffe sind, sind einzurichten. Für die Beleuchtung werden in erster Linie die elektrischen Ueber]andzentralen sorgen, daneben das Petroleum-Glühlicht, Azetylen und ähnliche Lichtquellen eine gewisse Rolle spielen. Ein Telegraphen - und Telephonnetz wird das ganze Land umspannen und seine Teile einander näher bringen. Jn den größeren Städten werden elektrische Bahnen den Verkehr innerhalb des Weichbildes und in die Umgebung erleichtern. Zuletzt bleiben noch die Aufgaben zu betrachten, die an die Maschinentechnik und an die Ausnutzung der Mineralschätze gestellt werden. Der Bergbau findet nur bescheidene Möglichkeiten, obwohl eine systematische Durchforschung des Landes möglicherweise zu günstigen Ergebnissen führen könnte. Bekannt, wenn auch bisher kaum ausgebeutet, sind Vorkommen i von bituminösen Stoffen, Schwefel, Steinsalz und Phosphat. Das Auftreten von Petroleum ist wahrscheinlich, wenn auch die bisherigen Bohrungen noch kein Resultat ergeben haben. Die in verschiedenen Gegenden vorhandenen Mineralquellen werden die Entstehung von Badeorten veranlassen. Günstiger ist die Ausstattung des Landes mit Stoffen, die zu Bauzwecken verwendbar sind. Ueberall im Gebirge finden sich Steinbrüche (Kalkstein, Marmor, Sandstein, Basalt, Tuffstein), in der Ebene Sand, Ton und Lehm. Kalk wird jetzt schon hergestellt, für die Erzeugung von Zement sind günstige Vorbedingungen vorhanden. Auch lassen sich verschiedene künstliche Bausteine herstellen: Ziegel, Kalksandsteine, sowie alle Arten von gebrannten Ton- und Betonwaren. Die Maschinentechnik wird schon durch die großen Ingenieuraufgaben zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten finden, so durch die Eisen- und Straßenbahnen, Bewässerungspumpwerke, Wasserkraftanlagen, Elektrizitäts- und Wasserwerke, Bdeuchtungsanlagen u. a. Ferner bietet das Bauwesen viele Gelegenheiten durch die Erzeugung von Baustoffen und verschiedenen Baubestandteilen, Herstellung von Baumaschinen usw. Schließlich werden zahlreiche Industrien, deren Aussichten bei entsprechender Entwicklung des Landes weit günstiger sind, äls es nach dem egemvärtigen, niedrigen Stand der Gewerbetätigeit erscheinen mag, maschinellen Betrieb erfordern. Der Mangel an heimischen Brennstoffen zur Erzeugung der erforderlichen Betriebskräfte stellt an und für sich noch kein hemmendes Moment dar. Das Land ist reich an Wasserkräften, die entweder direkt zum Kraftantrieb ausgenützt werden können, oder besser noch durch Verwandlung in elektrische Energie, die als billige, bequeme und stets betriebsbereite Kraftquelle überall hingeleitet werden kann. Auch die jetzt schon vielfach eingeführten Petro-! leummotoren und Sauggasanlagen werden weiterhin ihr Feld finden. Schließlich bietet die Eigenart des Landes noch zwei andere natürliche Energiequellen, die für gewisse Anforderungen ausreichen und den Vorzug der Billigkeit haben: den Wind und! die Sonnenwärme. Die große Regelmäßigkeit der Winde gestattet die Anw endung von Windmotoren, j die vereinzelt schon jetzt zu finden sind, für Pümp- | werke, Mühlen, landwirtschaftliche Maschinen u. i dgl. Die Kraft der Sonne, die während des größten Teils des Jahres den ganzen Tag hindurch vom wolkenlosen Himmel strahlt, kann durch besondere Motore nutzbar gemacht werden, wie sie z. B. in Aegypten und Kalifornien angewendet werden. Nachdem der Kreis der technischen Aufgaben Palästinas, die ihrer Lösung harren, hiermit geschlossen ist, soll noch kurz eine Frage von prinzipieller Bedeutung berührt werden. Sind Bau und Betrieb dieser Werke der privaten Initiative zu überlassen oder als gemein wirtschaftliche Angelegenheiten zu behandeln? Träger der letzteren wären — die Erlangung einer Autonomie vorausgesetzt — der zentrale Selb;tverwaltungskörper, bzw. Teile desselben, wie Kreis-, Stadt-, Gemeindeverwaltungen, oder für bestimmte Aufgaben gebildete Zweckverbände. Es ist anzunehmen, daß diese Instanzen auch Anlagen, die in die Prärogative des übergeordneten Staates fallen, auf dem Konzessionswege übernehmen können, so wie ehedem auch von der Türkei Eisenbahnen, Häfen, Bergwerke und sonstige technische Anlagen allgemein an Konzessionäreiübertragen'würden. Für alle größeren Werke, deren Wirkung über einen engeren Kreis hinausgeht, möchte ich der gemein sc haftlichen Durchführung den Vorzug geben. Hierfür sprechen gewichtige Vorteile : Ausschaltung von Sonderinteressen, großzügige Zusammenfassung und Einreihung aller Arbeiten in einen gemeinsamen Rahmen, systematische Reihenfolge in der Durchführung nach Maßgabe der Notwendigkeit und nicht allein der Rentabilität, Gewehr für die beste Projektierung, Ausführung und dauernde Instandhaltung, Vermeiden von Reibungen im Betriebe. Demgegenüber fallen die möglichen Nachteile weniger ins Gewicht. Die Schwerfälligkeit, die einem behördlichen Mechanismus oft anhaftet, wird der unbureaukratische, privatwirtscfoaftlich eingestellte Geist der Juden nicht so leicht aufkommen lassen. Das freie Spiel der Kräfte wird nicht ausgeschaltet, sondern nur, unter Vermeidung seiner Auswüchse, in den Dienst des Gemeinwohls gestellt. Schließlich) ist kaum zu befürchten, daß bei der Beschaffung der notwendigen Mittel die Vertretung der Gesamtheit mit der Sicherheit, die ihre Anleihen bieten, eine geringere Anziehung ausüben sollte als Privatunternenmungen. Eisenbahnen, Straßen, Häfen, Flußregulierungen, größere Wasserkraftanlagen, elektrische Zentralen wären nicht nur gemeinwirtschaftlich m errichten, sondern auch zu unterhalten und zu betreiben. Die landwirtschaftlichen Meliorationen (Be- und Entwässerungen) wären, nach! dem Umfang des Interessentenkreises, Sache von Zweckverbänden (Genossenschaften) oder Privaten, müßten aber stets im Rahmen der Gesamtprojektierung und unter ständiger behördlicher Aufsicht bleiben. Die städtebaulichen Anlagen und das öffentliche Bauwesen liegen in den Händen der Stadtverwaltungen; kleinere Stadt- und Landgemeinden werden sich zweckmäßig zu gemeinsamen Bauämtern vereinigen. Für die Lösung größerer Aufgaben sollen durch Wettbe«