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Volk und Land · 1919-01-02 · Heft 1 (2.1.1919) · p. Seite 25-26

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 1 (2.1.1919)
Date
1919-01-02
Page
Seite 25-26 (sequence 15)
Language
German
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25 VOLK UND LAND 26 Immer bewußter wird der Gedanke, daß die jüdischen Organisationen der sozialen Tat nicht länger entbehren können, 'aber eine in der jüdischen Presse kürzlich erschienene Annonce zeigt, wie unsicher all das Experimentieren auf dem Wege privater, sozialer Arbeit ist. Das Gumpertzsche Siechenhaus in Frankfurt teilt mit, daß es allein in diesem Jahr ein Defizit von nahezu 100 000 M. hatte. Ob diese Unterbilanz aus einer Mißwirtschaft herrührt, ob der Andrang zu der jüdischen Wohlfahr sansitalt tatsich ich so groß war, und die jüdische Gemeinde als Gesamtheit zu geringen Anteil an ihrer Existenz nahm, ist eine Frage zweiten Ranges. Die Tatsache, daß ein großes Kranken- und Siechenhaus mit seiner Existenz von der Güte einzelner Spender abhängig ist, paßt nicht mehr in unsere Zeit. Auch die Rückwanderung der polnisch-jüdischen Arbeiter aus Deutschland ging nicht ohne Schwierigkeiten ab. Die politische Rechtlosigkeit der ausländischen Juden steht auf einem anderen Blatte. Hier interessiert nur die Stellung der jüdischen Gemeinden zu ihrer ökonomischen Lage. Sozial konnte sich die deutsche Judenheit nur ungenügend auf diesen. Besuch, einstellen, bei der Vertreibung der Unglücklichen trat stellenweise die Wanderarmenfürsorge ein. Von einer Volkspolitik der Juden, die sich darüber klar wäre, wo man die gesunde Kraft tausender Arbeiter nutzbringend verwerten könnte, wohin die Wanderuingsbewegung zu leiten und in welche Berufsgebiete sie zu lenken: sei, iSt keine Frage. "Es wird fortgewursteTt. An Ansätzen zur sozialen Arbeit in Deutschland fehlt es nicht. Auf einem Gebiet scheint eine Gemeinde erstmalig eingegriffen zu haben. Herr Dr. Löffler hat im Heft 7/Q des XII. Jahrgangs der „Zeitschrift für Statistik und Demographie der Juden“ eine Studie über „die Erfahrungen veröffentlicht, welche die jüdische Gemeinde Frankfurt auf dem Gebiet der Wohnungsfrage gesammelt hat. Man kann diesem Aufsatz entnehmen, welches soziale Verständnis hier die Frankfurter Gemeinde und vor allem die an dem Armenwesen und der Armenunterstützung interessierten jüdischen Vereine diesem dunklen Punkt entgegenbringen. Ansätze, Vorarbeiten, Beispiele und Erfahrungen gibt es also genug. Vielleicht sind aber gerade sie es, die in ihrer oft gewollten Vereinzelung den Weg zur großzügigen Arbeit versperren. Felix A. Teilhaber- Berlin. PALAESTINA. Palästinaarbeit. In der Zeit vom 25. bis 27. Dezember 1918 hat der XV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Berlin unter Beteiligung zahlreicher Delegierter aus allen Teilen Deutschlands und unter der dauernd regen Anteilnahme einer großen Zuhörerschaft getagt. Der Gang der Verhandlungen war durch drei große Referate vorgezeichnet, die die zionistische Entwicklung, den Aufbau des jüdischen Palästinas und die zionistische Arbeit in Deutschland zum Gegenstände hatten. Es ist klar, daß jeder Gegenstand dieser durch die Umstände gegebenen Dreiheit infolge der gewaltigen noch immer im Fluße befindlichen politischen Umstellung höchstes Interesse in Anspruch nehmen durfte. Und so war in der Tat die Arbeit des Delegiertentages von der ersten bis zur letzten Stunde von der Spannung des augenblicklichen Zeitmomenfes getragen. Trotzdem ist es nicht weiter verwunderlich, daß das Thema des Aufbaus des jüdischen Palästinas den zentralen Punkt der ganzen Tagung bildete. Die Tatsache, daß der Zionismus durch den Verlauf des Weltkrieges und insbesondere durch die von der englischen Regierungserklärung vom 2. November 1917 eingeleitete Entwicklung in das Stadium der Erfüllung eingetreten ist, hat dem Palästinaproblem eine erhöhte Aktualität gegeben.; Und so ist es gekommen, daß die Palästinadebatte,! die in den früheren Jahren im wesentlichen nur dem | zionistischen Kongresse Vorbehalten war, über Nacht; die ihr gebührende Stellung auch in. der Landestagung! erreicht hat. Kennzeichnend für diese Neuwertung der Palästinaarbeit war es, daß bereits in der Debatte über j die allgemeine zionistische Politik die Palästinafragen j wie Blitze aus einer mit elektrischer Spannung geladenen | Wolke hiinübersprangen. | So groß das Interesse des Delegiertentages an der | Aufbaufrage Palästinas war, so unvorbereitet trat er ihr gegenüber. Die Resolution, die das in, der Debatte I vorgebrachte Material dem neuen PalästimaausscÜTUß zur j Durcharbeitung überwies und die endgültige Stellungnahme auf zwei Monate hinausschob, ist in dem Bewußtsein gefaßt, daß die in der Aussprache zutage getretenen mannigfaltigen^ Probleme nur anregend gewirkt haben, ohne eine Klärung der so wichtigen akuten Frage herbeizuführen. Andererseits war man sich darüber einig, daß diese Klarheit unbedingt bis zu jenem in greifbare Nähe gerückten Zeitpunkte vorhanden sein müsse, der die politischen Voraussetzungen für den Beginn der palästinensischen Aufbauarbeit schaffe. Drei Richtungen kamen im wesentlichen in der Frage der Aufbauarbeit auf der Tagung zum Worte. Richard Lichtheim setzte in seinem Referat der künftigen jüdischen Einwanderung nach Palästina relativ enge Grenzen. Er stützte sich, bei seinen Berechnungen auf Gutachten Ruppims und Oettingers, die, was die Intensität des nach Palästina möglichen Bevölkerungszustromes angehf, nicht erheblich von einander abweichen, und rechnete mit einer Zuwanderung von jährlich 20000 Seelen in den nächsten zehn Jahren, und der doppelten und dreifacher Zahl in den beiden folgenden Jahrzehnten, so daß nach einem MenschenaKer unter Berücksichtigung der natürliCheni Bevölkerungszunahme in Palästina IV2 Millionen Juden wohnen könnten. Li'ditheim bezeichnete diese Zahlen als die Grenze des Möglichen und jenes Resultat unter den gegebenen Verhältnissen als ein besonders günstiges, das nur unter glücklichen Auspizien beim Fernbleiben außergewöhnlicher Hemmungen und bei Hinüberführung einer Menschenauslese erreicht werden könne. In diesem Rahmen gab er eine Darstellung der notwendig werdenden organisatorischen Maßnahmen zur Information des Volkes, zur Regulierung und zur Erleichterung der Aus Wanderung, eine Uebersicht über die Kosten der Neusiedlung, die er in Anlehnung an Dr. Ruppin und Oettinger für 10000 Familien auf 200 Millionen Francs* für 300000 Familien auf 2 Milliarden Francs veranschlagte,, weiter über die Möglichkeit der Kostenaufbringung und erörterte er schließlich die Frage der Nationalisierung des Bodens, der Betriebsformen in der palästinensischen Landwirtschaft und die Arbeiterfrage. Lichtheim maß der landwirtschaftlichen Kolonisation eine überragende Bedeutung bei im Gegensatz zur industriellen Kolonisation und der kommerziellen Entwicklung, die er stark in den Hintergrund treten ließ, Was insofern eine Hemmung bedeutet, als im jüdischen Volk die Zahl der für die Landwirtschaft tauglichen Elemente zu gering ist, während für Handel und Industrie geeignete Menschen in zu großer Menge vorhanden sind, somit also eine schwierige und langwierige Umschichtung der in Betracht kommenden Menschen erforderlich ist. Es ist einleuchtend, daß die Lichtheimschen Zahlen, die erst nach Ablauf eines längeren Zeitraumes eine wesentliche Verstärkung des jüdischen Elementes, wenn nicht gar die Mehrheilt der Bevölkerung in Palästina bedeuten, angesichts des im jüdischen Volke stark gewordenen Auswandernngsdranges ernüchternd wirken mußten. Daran konnte auch Dr. Auerbachs Hinweis

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