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Volk und Land · 1919-01-02 · Heft 1 (2.1.1919) · p. Seite 21-22

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 1 (2.1.1919)
Date
1919-01-02
Page
Seite 21-22 (sequence 13)
Language
German
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VOLK UND LAND 21 einheimische Juden sind in kaufmännischen und industriellen Unternehmungen tätig. Es gibt eine Anzahl Aerzte. Anwälte und Musiker aber die große Mehrzahl ist in der Tischlerei, sowie in der Instaillations- und Baubranche tätig. In Cincinnati ist fast die gesamte Bekleidungsbranche in jüdischen Händen. Die dortigen 20 000 Juden erhalten zwei jüdische Zeitungen, drei Mitglieder des Senats und vier Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung sind Juden. In Louisville ist das gesamte Geschäft in fertigen Anzügen in jüdischen Händen. Dasselbe gilt für Cleveland (Ohio), wo auch die Mäntelkonfektion und die Zigarrenfabrikation fast ausschließlich von Juden betrieben wird. Aehnlich ist es in vielen andern Städten. San Franzisoo hat eine jüdische Einwohnerschaft von über 20 000. An dem Werdegang Kaliforniens tfaben Juden einen hervorragenden Anteil gehabt. Die Gebrüder Seligman (San Francisco) sind als Finanziers bekannt. In Sacramento haben wir Louis Sloss und Lewis Gerstle, die Begründer der Alaska Gommercial Company. Die Familien Hellman und Newmark sind Repräsentanten des jüdischen Pioniertums in Süd-Kalifornien. Hier leben auch die drei Brüder Lazard, von dem internationalen Bankhaus Lazard Freres (Paris, London und San Francisco). Auch die Familien Glazier und Wormser (jetzt in New York) waren unter den ersten Industriellen und Finanziers, die sich an der Erschließung Kaliforniens beteiligt haben. Moritz Friedländer war einer der Getreidekönige des Landes. John Rosenfeld ist a,n der Ausbeutung der großen Kohlenfelder in Nordwest-Kanada beteiligt. Als der jüdische Nachfolger der Hudsons Bay Company hat er die Seehundjagd in Alaska und die Ausbeutung der Mineralschätze dieses Landes entwickelt. Die San Franciscoer Zeitung „Chronicle“ gehört einem Juden. Das Mount Zion Hospital in San Francisco verdankt seinen Ursprung jüdischer Initiative und jüdischen Geldern. Die Baronin Hirsch und I. W. Hellman waren unter den ersten Donatoren. Es ist das einzige freie Hospital in Kalifornien, das Allen ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens, offen steht. Juden stellen einen großen Prozentsatz der Studentenschaft beider Universitäten des Staates und kommen dementsprechend in' den freien Berufen, in der Anwaltschaft als Journalisten, als Ingenieure usw. immer mehr voran. In Philadelphia lebte Joseph Fels., Die führende deutsche Zeitung Philadelphias gehört einem! Juden, Dr. Morwitz. „Der Demokrat“ zählt mehrere Juden, in seiner Leitung. Louis E. Levy ist der Direktor einer Gesellschaft, die mehrere einflußreiche) Zeitungen besitzt. Es gibt etwa 100 000 Juden in Philadelphia, meist russischer Herkunft und in der Bekleidungsbranche tätig; sie machen gute Fortschritte. Die Juden haben großen Einfluß auf das gesamte städtische Leben. Wir finden sie im Finanzwesen vertreten, in der Musik und in, den Künsten. In Paterson (New Jersey), dem Zentrum der amerikanischen Seidenindustrie, wächst die Zahl der in den Fabriken beschäftigten Juden. Sie bemächtigen sich auch mehr und mehr des Baugewerbes; hierbei aber gibt es ständige Reibereien mit den Trade- Unions. denen beizutreten die russischen Juden nicht gewillt sind. Die 20 000 Juden von Pittsburg nehmen in den freien Berufen! und in dem Handel ebenfalls einen bedeutenden Rang ein. Hier besteht das Trambahn-Personal hauptsächlich aus Juden, und eine große Anzahl der Einwanderer 22 I aus Rußland und Polen ist in der Fabrikation! billiger Zigarren beschäftigt. | ln den Südstaaten gibt es ungefähr 60 000; Juden. Sie besitzen große Papierfabriken, auch | einige große Bauimvollfabriken, obwohl sie in; diesem Artikel mehr am Handel beteiligt sind. Erstaunlich ist es, wie die Juden im Handel mit gewissen Lebensmitteln, in der Schneiderei und in der Schuhindustrie des Südens vorankommen,. Hier bestellt kein Antisemitismus. In Galveston stehen sechs städtische Institute unter jüdischer Leitung. Die Universitäten haben zahlreiche jüdische Professoren. In der Freimaurerei nehmen die Juden hohe Stellungen ein. Man könnte das Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten durchstreifen und kaum einen Platz finden, wo der Jude nicht erfolgreich tätig wäre. Von größter Bedeutung ist der Trieb der jungen Juden nach Bildung. Der Schulbesuch der jüdischen Kinder ist weit besser als der ihrer nichtjüdischen Mitschüler. Die Juden haben 450 eigene Unterrichts- und Erziehungsanstalten. In den Universitäten spielen jüdische Professoren eine hervorragende Rolle. Bei der Harvard-Universität gibt es ein semitisches Museum, das seine Errichtung der Freigebigkeit Jacob H. Schiffs und anderer verdankt. Diesem Institut, das reiche assyrische, babylonische und hetitische Sammlungen enthält, sind mehrere semitische Kollegien und eine Spezialbibliothek angegliedert. Die „Menorah-Gesellschaft“ in Harvard ist erfolgreich bestrebt, zwischen russischen und deutschen Juden gute Beziehungen herzustellen. Vor einem Vierteljahrhundert würde man schwerlich einen jüdischen Lehrer in einer allgemeinen Schule angetroffen haben. Heute gibt es kein Bevölkerungselement, das einen so hervorragenden Platz im Unterrichfsberuf einnehmen würde wie die Juden}. Man schätzt, daß in New York City über 10 000 Kleiderwerkstätten mit etwa 100000 Arbeitern und mit einem Kapital von annähernd 100 Millionen Dollar sich befinden. Es gibt 500 Blusenfabriken in New York mit 40 000 Arbeitern — meist jüdischen — und einem Kapital von wenigstens |50 Millionen Dollars. In Europa haben die Juden lange die Schneidereigewerbe beherrscht. Vor einem Menschenalter hatten in den Vereinigten Staaten meist Amerikaner, mit Ausnahme einiger weniger deutscher Juden, dieses Geschäft inne. Die .russischen Juden haben sie vollständig beiseite 'geschoben. Sie eroberten diesen Geschäftszweig durch niedrigere Verkaufspreise und durch ein (bis aufs äußerste getriebenes Sweatingsystem. Der Jude wurde zum Zwischenmeister. In der furchtbaren Geschichte eines rücksichtslosen Industriealismus gibt es wenige dunklere Seiten als die, in denen gezeigt wird wie der jüdische Meister die unglücklichen jüdischen Einwanderer ausbeutete. Die Konkurrenz war außerordentlich scharf. Die Löhne wurden auf den tiefsten Stand gedrückt. Der Kampf um die Beherrschung der ranche war grausam, aber er war siegreich. Heute haben die Juden tatsächlich das Monopol für die Bekleidung der männlichen Einwohnerschaft Amerikas in Händen. Die Bekleidungsbranche hat einen Umsatz von ungefähr 600 Millionen Dollars im Jahre. Große Teile New Yorks sind von jüdischen jKleiderhändlern mit Beschlag belegt. Um die Mittagszeit, wenn Fifth Avenue von Menschen wimmelt, sieht es aus als wenn ganz Judäa losgelassen wäre. (Schluß folgt in Heft 2).

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