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Volk und Land · 1919-01-02 · Heft 1 (2.1.1919) · p. Seite 17-18

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 1 (2.1.1919)
Date
1919-01-02
Page
Seite 17-18 (sequence 11)
Language
German
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17 VOLK UND LAND 18 lassen*). Eine möglichst groß« Anzahl kleinerer Einzelanlagen, die unter geschickter Benutzung der Gefällverhältnisse dem Gelände anzupassen sind, werden den landwirtschaftlichen Zwecken am besten dienen. Doch ist ihre Bestimmung nicht allein hierauf beschränkt. Das Wasser kann auch gewerblichen Zwecken zugeführt werden und Industrien mit größerem Wasserbedarf in der Nähe entstehen lassen. Mangels anderer Beschaffungsmöglichkeiten kann es auch, nach vorhergehender Reinigung, als Trinkwasser verwendet werden. Weit bedeutungsvoller ist die Verwertung des aufgespeicherten Wassers (Zur Gewinnung von Energie. Palästina ist arm an Kohle und anderen Brennstoffen. Dieser Mangel wird jedoch durch den Besitz seiner natürlichen Wasserschätze, der „weißen Kohle“, ausgeglichen, welche die Vorteile der Billigkeit und dauernden Ergiebigkeit ajufweist. Die direkte Ausnutzung durch Wassermotoren, die vereinzelten, kleineren Industrien zugute kommt, tritt in den Hintergrund gegenüber den großen Anlagen, welche die Wasserkraft in elektrische Energie um wandeln. Während die landwirtschaftliche Ausnutzung eine möglichst weitgehende Dezentralisierung erheischt, ist hier das Gegenteil anzustreben. In den Tälern der wasserreichen Flüsse, des Jordan, Scheriat el Menadire (Jarmuk), Nähr ez Zerka (Jabbok), sind an geeigneten Stellen einige große Ueberlandzentralen anzulegen, die bedeutende Gebiete mit elektrischen Strom versorgen können**). Die Vorzüge dieser Energieform, die sich durch Fernleitungen auf weite Strecken übertragen und verteilen läßt, sichert ebenso den Städten, wie dem Lande die Wohltaten elektrischer Kraftversorgung und Beleuchtung. Hier mag der phantastisch anmutende Plan eines Kanaltunnels Erwähnung finden, der das Wasser des Mittelländischen Meeres dem 400 m tiefer liegenden Spiegel des Toten Meeres zuführen und in einem hier zu errichtenden Kraftwerk den bedeutenden Höhenunterschied zur Erzeugung gewaltiger Energiemengen ausnutzen will. Dieser Gedanke hat nicht nur die künstlerische Phantasie eines Herzl angeregt, sondern ist auch Gegenstand ernsthafter Untersuchung von Fachleuten gewesen. Doch mag auch die technische Möglichkeit erwiesen sein, die Höhe der Baukosten weisen die Verwirklichung des Gedankens erst in eine fernere Zukunft. Eine wohltätige Nebenwirkung der Sammelanlagen darf schließlich nicht unerwähnt bleiben: der Hochwasserschutz, der durch Zurückhaltung eines Teils der schädlichen Hochwässer den anschließenden Talstrecken zuteil wird und die Wirkung der Regulierung unterstützt. Für die Wassergewimnung stehen noch andere Vorräte zur Verfügung als die der Flüsse. Hierher sind die Quellen zu rechnen, die im Gebirgslande häufig auftreten und, da sie im Sommer an Ergiebigkeit stark einbüßen oder oft ganz versagen, unter günstigen Verhältnissen gleichfalls mit Sam- *) Nach diesem1 Prinzip arbeitet seit einigen Jahren die Bewässerungsanlage bei Pethach Tikwah, die von der „Bewäsiserungsgesellschaft Palästina“ erbaut und betrieben, das Wasser des Nähr el Audscha zur Bewässerung von Orangengärten ausnutzt. **) Nach dem Journal de Beyrouth vom 10.6.1916 plante die Hedschas- Bahn ein solches Elektrizitätswerk von 900 PS im Jarmuk-Tal bei Teil esch Schihab zum Betrieb eines Teiles ihres Bähnnetzes, Beleuchtung von sechs Städten und Bewässerungsanlagen am See von Tiberiaa. melanlagen verbunden werden*). Auch das Wasser der Jordanseen (Hule- und Tibcrias-See, während das Tote Meer wegen seines hohen Salzgehaltes nicht in Betracht kommt) kann nutzbar gemacht werden, bedarf jedoch künstlicher Hebung. Schließlich steht in der Küstenebene überall Grundvvasser zur Verfügung, das gleichfalls maschinelle Förderung beansprucht, dafür jedoch beinahe' unerschöpflich ist. Das Grundwasser findet sich oft bereits wenige Meter unter der Oberfläche, an anderen Stellen tritt es erst in größeren Tiefen auf. Die größte bisher erschlossene Grund wassertiefe beträgt 190 m, die auf der Nationalfondsform in Hulda erbohrt wurde. Schon jetzt ist die Ausnutzung des Grundwassers vermittels Flach- und Tiefbrunnen sehr verbreitet, deren Zuflüsse nicht mehr wie früher durch die primitiven heimischen Schöpfwerke, sondern durch maschinell betriebene Pumpen gehoben werden. Im Jahre 1915 hat der deutsche Rutengänger von Graefe §ogar im judäischen Gebirge und in der Wüste Grundwasser in Tiefen von 10—50 m mit der Wünschelrute #ngegeben, jedoch haben vereinzelte Nachgrabungen bisher zu keinem positiven Resultat geführt**). Es wäre verfehlt anzunehmen, daß die Mittel des Wasserbaus und der Kulturtechnik allein schon die Neubefruchtung des jahrhundertelang verödeten und verwahrlosten Landes herbeiführen können. Vielmehr müssen sie durch sehr durchgreifende Maßnahmen auf dem Gebiete der Agrikultur und Forstwirtschaft begleitet werden, deren Behandlung über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen würde. Das Wasser kann aber auch in einer anderen Eigenschaft in Betracht kommen: als Verkehrsträger. Es ist schon bemerkt worden, daß die Flüsse des Landes nicht schiffbar sind und auch kaum hierzu geeignet gemacht werden können, ebenso verbietet der Gebirgscharakter des Landes die Schaffung künstlicher Wasserstraßen. Dagegen weist die eigenartige geographische Lage Palästinas in desto höherem Maße auf das Meer. Der außergewöhnliche Vorteil seiner langen Küstenentwicklung wird freilich durch den Mangel an natürlichen Häfen beeinträchtigt. Hier muß wieder die Technik eingreifen und durch die Anlage von Kunsthäfen nicht nur den bereits heute sehr dringenden Bedürfnissen entgegenkommen, sondern auch der zu erwartenden Steigerung des überseeischen Handels und Verkehrs Vorarbeiten. In erster Linie sind ehestens die Häfen von Jaffa und Haifa auszubauen, für die bereits mehrere Projekte vorliegen. Von besonderer Wichtigkeit ist eine gute, moderne Ausstattung dieser Häfen mit allen Einrichtungen, die das Lade- und Löschgeschäft beschleunigen und verbilligen, ausreichenden Lager- und Speicherräumen, sowie Anlagen zur Reparatur von Schiffen. Es dürfte sich empfehlen, auch andere Hafenorte, die heute erst ncüi rein lokale Bedeutung besitzen — ich nenne Gaza, Kaisarije, Akka — vorläufig mit einfachen Anlagen zu veiseben, die eiue rasche Entwicklung des Seeverkehrs begünstigen würden. (Schluß folgt in Heft 2.) *) Ein noch erhaltenes Beispiel aus dem' Altertum ist die Wasserversorgung des Tempels von Jerusalem aus den durch mehrere Quellen gespeisten Salomonischen Teichen, deren Wasser in geschlossenen zum1 Teil sogar tunnelierten Kanälen zugeführt wird. Furrer, Wanderungen durch das hl. Land. Zürich 1891. **) A. Ruppin, Syrien als Wirtschaftsgebiet. Berlin 1917. S. 76.

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