Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 460)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644309--4262-2648611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ANMERKUNGEN 1 Kinder des Bezalel: 1 Franz B., 2 Jakob, 3 Samuel, 4 Adolf, 5 Dr. Alois Biach, Polizeiarzt und Univ. Dozent in Wien, 6 Helene, verehel. Schwarz, 7 Camilla, verehel. Fein, 8 Dr. Ernst Biach, Advokat in Wien (Hernais). Vgl. H. Flesch, Die Familie Biach, Jüd. Familienforschung, Jg. XIII 1937, S. 826 ff. 2 Talm. Tract. Baba Batra 139; Mahn. Hilchot Ischot 19, § 17. 3 Das Amsterdamer Gebetbuch, gedruckt 1768 bei Gerard Johann Janson, welches Bezalel dem Vater des Simon Biach gehörte, ist in meinem Besitze. 4 Kinder des Natan Biach: 1 Ludwig B., 2 Bertha B., 3 Ernestine, verehl. Dr. Theodor Wlach, 4> Fanni verehl. Brant, 5 Max Biach, 6 Dr. Jakob Biach. Max und Jakob führten nach dem Tode des Vaters die Firma Simon Biach und Sohn, Tüchelgeschäft in Brünn und gründeten später die Blaudruckfabrik Simon Biach und Sohn in Lettowitz. Später leitete Dr. Jakob Biach auch die Cosmanoser Kattunfabrik des Baron Leitenberg. Der Prager Kliniker Prof. Dr. Arthur Biedl war der Schwiegersohn des Dr. Jakob Biach. 5 Wolf Biach, geb. 1821 in Boskowitz, gest. am 1. Feber 1908 im Alter von 87 Jahren in Wien. In jungen Jahren pflegte er eifrig das Talmudstudium und die hebräische Sprache. Er war Mitarbeiter der Kochbe Jizchak, s. Wachstein, die hebräische Publizistik in Wien I., S. 14. Mir liegt handschriftlich eine Erklärung des Psalm 37 aus der Hand des Wolf B. mit Anmerkungen des Redakteurs des Kochbe Jizchak vor. Seine Gymnasial- und philosophischen Studien, sowie seine juridischen Studien absolvierte er inLeitomischl, Miskolcz, Olmütz, Prag und Wien. Er war der zweite Jude in Österreich, der zur Advokatur zugelassen wurde. Der erste jüdische Advokat war Dr. Ignaz Pisko, der Redakteur der Gerichtshalle, deren Mitarbeiter Dr. Biach war. Er war auch Mitarbeiter der Zeitschrift Gesetzeskunde, welche von Dr. Petruska in Preßburg herausgegegen wurde. Anläßlich seines Ablebens erschien im Fremdenblatt, Wien, 3. Feber 1908 folgender Nachruf: Dr. Wolf Biach. Im Alter von 87 Jahren ist vorgestern hier der emiritierte Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Wolf Biach gestorben. In seinen jüngeren Jahren galt Dr. Biach als einer der glänzendsten Juristen Wiens, als ein lebendiges Kompendium und Nachschlagebuch für die verwickeltesten Fragen des Rechts. Im Irrgarten der ältesten und allerältesten Hofdekrete aus Olims Zeiten war keiner so zu Hause wie er und man erzählt sich, daß selbst Eugen Mühlfeld, wenn er nicht mehr recht Bescheid wußte, sich gerne bei seinem damals noch jungen Freunde Rat holte und ihn auch wirklich fand. Bei all seiner stupenden Gelehrsamkeit war Dr. Biach ein Mann von mimosenhafter Bescheidenheit, der dem Strom der Welt im weiten Bogen auswich und das Leben eines alten bedürfnislosen Junggesellen fast bis zur Askese führte. Schon seine Erscheinung war ungemein sympathisch, ja geradezu rührend. Er war von kleiner, unansehnlicher Gestalt, aber aus seinem kleinen, geistvollen Antlitz leuchteten ein paar wunderbar blaue Kinderaugen wie um Hilfe suchend, vor den Ungereimtheiten dieser Welt. Wenn er dann nach getaner Arbeit in den Abendstunden ins alte Winterbierhaus huschlte, zu dessen uralten Stammgästen er zählte, schaute ihn Jung und Alt verehrungsvoll an. Der kleine Doktor Biach war eine der beliebtesten Stadtfiguren Wiens. Nicht nur in den Kreisen seiner Standesgenossen, auch unter den Literaten erfreute er sich der größten Wertschätzung. Daniel Spitzer, Ludwig Speidel und andere hervorragende Schriftsteller unterhielten sich gerne mit dem geistvollen Manne, der nach Altwiener Advokatenart auch auf dem Gebiete der Literatur und Kunst wie selten einer beschlagen war. Vor drei Jahren resignierte Dr. Biach auf die Advokatur nun ist er einer der allerletzten aus der Glanzzeit des alten Wiener Barreaus dahingegangen. 6 Jitl, Jetti verehl. Hermann Ungar, deren Sohn: Emil Ungar verehl. mit Jeanette Kohn. Deren Kinder: JUDr. Hermann Ungar, hervorragender Schriftsteller, Legationssekretär der cechosl. Gesandtschaft in Berlin, geb. 1893, gest. 456 8