Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 458)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2644300-2644309--4260-2648609- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vor euch herschicken, außer Ihm kann niemand seine Hand regen. Dies sind die Worte dessen, der tränenden Auges schreibt, heute am ersten Tage des Wochenabschnittes Toldot 592 d. kleinen Zeitrechnung (= 23. Marcheschwan 30. Oktober 1831). Der Kleine und Jüngere, verschmähte und armselige der Menschen, ohne (gute) Taten, der sich fürchtet und ängstigt vor dem Tage des Gerichtes und das Urteil auf sich nimmt (die Strafe ertragen will). Simon, Sohn meines Herrn Vaters und Lehrers Mhrr Bezalel, das Andenken des Frommen zum Segen für das Leben in der kommenden Welt." Vorstehendes Testament hat Simon Biach im Alter von 42 Jahren abgefaßt. Er bemerkt in der Einleitung, daß seine Kraft ungeschwächt, er scheint aber Todesahnungen gehabt zu haben, fürchtet, daß er in jungen Jahren gleich dem Vater wird sterben müssen. Das Testament selbst bedarf keines Kommentars und ist charakteristisch für den schlichten, bescheidenen und tiefreligiösen Mann, der talmudisch gebildet, aber auch profanem Wissen nicht abgeneigt war. Wie ich eingangs bemerkte, hat Simon Biach noch ein zweites Testament verfaßt und dies in hohem Alter von über 80 Jahren. In der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Testament ist der kluge Kaufmann zu recht ansehnlichem Wohlstand gelangt. Der Geschäftsgründung in Brünn (Schlossergasse) war bald die Lettowitzer Blaudruckfabrik gefolgt, die Max und Jakob Biach leiteten. Die Verfügungen im zweiten Testament betreffen Gemeinde, Vereine, Kinder, Schwiegersöhne und Enkel. Der Testator wird nicht müde, seine Nachkommen zu Liebe und Eintracht zu mahnen; denn nur so „bleibt der Wohlstand der Familie dauerhaft". Nichts läßt der umsichtige Mann, außer acht, selbst den Entwurf der Grabschrift; dieser lautet: Auf meinem Grabstein soll geschrieben sein (hebr.): „Hier ist versenkt Simon, Sohn Mhrr Bezalel, das Andenken des Frommen zum Leben in der kommenden Welt, Biach Tag, Monat, Jahr, — fand Ruhe/4 „Sollten" aber ihr Kinder sich dabei beleidigt finden, so kann folgendes geschrieben werden, jeder Vers 23 Buchstaben. (Hebr. Akrostichon „Simon ben Mhrr Bezalel Biach"): Höret mich und bittet den Gnädigen und Barmherzigen für den Sohn, aus der Erde sein Leib, seine Seele von oben, vom Berge des Königs kam sie herab, dorthin kehrt sie zurück und steigt auf. Im Schatten Gottes weilet sie, Gott sei mir gnädig und erbarme sich meiner. Mir zuwende sich Seine Hand und sei mir gnädig. Verlasse mich nicht! O Gott, sei mir nicht fern! Errette mich, ins Verderben laß mich nicht sinken und nicht in die tiefste (hebr. Scheol) Tiefe. Aus der Quelle deines Gartens Eden, laß mich schlürfen den Becher deines Heils, mit den Seelen deiner Frommen will ich singen 454 6