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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 442

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 442 (sequence 447)
Language
German
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IRI
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Diese Kontrolle hielt der Stadthauptmann deshalb für besonders nötig, weil die Homiletik enge mit der Dogmatik zusammenhänge und die Richtung des religiösen Glaubens auch auf das praktische Leben der jüdischen Untertanen Einfluß habe. Als auch der Magistrat empfahl, dem Gesuche des Dr. Sachs zu willfahren, fragte das Gubernium zum Schlüsse noch das Konsistorium um dessen Meinung. Das Konsistorium erklärte, wie es dies zu jener Zeit regelmäßig tat, wenn es sich um rein religiöse jüdische Fragen handelte, daß es sich zur Abgabe eines Gutachtens in dieser Frage nicht kompetent fühle, ebenso wrie es ein solches im Jahre 1838 in Sachen der Errichtung einer jüdischen theologischen Lehranstalt abgelehnt hatte.32 Ansonsten klangen seine Bemerkungen sehr kühl und gemessen. Es kenne weder das System des Sachs noch seine Lehrbücher, so daß es die Art seiner vorgesehenen Vorträge nicht beurteilen könne. Das lasse sich nicht gut kontrollieren und sei übrigens vom religiösen und politischen Gesichtspunkte aus sehr gewagt, bei der Unkenntnis der religiösen Grundsätze des ausländischen neuen, aus fremder Schule geholten Religionsinterpreten. Über ein dringliches Ersuchen des Konsistoriums sollte sich das Gubernium darum kümmern, daß die jüdischen Predigten des Dr. Sachs nicht, wie dies so oft geschehe, von christlichen Hörern besucht würden, und zwar namentlich deshalb, damit die laut verkündete Tendenz der Accomodation und des neuen jüdischen Vereines nicht bei den Christen einen reziproken Einfluß ausübe und nicht einen frostigen Indifferentismus oder starren Naturalismus erwecke, dem gegenüber man nicht würde gleichgültig bleiben können. Das Gubernium forderte darauf durch Vermittlung der Stadthauptmannschaft den Dr. Sachs auf, er möge einen Lehrplan der beabsichtigten Vorträge vorlegen und die Werke namhaft machen, die er dabei zu benützen vorhabe. Die erhalten gebliebenen Akten lassen uns nicht erkennen, ob Dr. Sachs dieser Aufforderung nachgekommen ist und ob es tatsächlich zur Abhaltung seiner Vorträge kam, was jedoch sehr wahrscheinlich ist.33 Dr. Michael Sachs wirkte in Prag an der alten Synagoge etwa bis in die Mitte des Jahres 1846, zu welcher Zeit er nach Berlin berufen wurde, so daß für den Verein die Notwendigkeit eintrat, einen neuen deutschen Prediger und vierten Rabbiner ausfindig zu machen. Der ausgeschriebene Konkurs auf diese Stelle hatte keinen allzugroßen Erfolg. Von heimischen Kandidaten meldete sich aus den österreichischen Staaten nicht ein einziger, und aus sechs Bewerbern aus dem Auslande erwählte der Verein den Phil. Dr. Saul Isak Kämpf, gebürtig aus Lissa in Posen, der bereits vom Anfang des Jahres 1846 an in Prag wohnte. Dr. Kämpf, der an der Preußischen Friedrichs-Universität (Halle) studiert hatte, promovierte in Jena am 14. September 1844 und konnte sich mit einem guten 442 32

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