Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 437)
- Language
- German
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hinwies, ähnlich, wie dies schon vorher der Verein selbst getan hatte, daß die Rabbiner nur Privatpersonen und Lehrer seien, empfahl der Stadthauptmann, dem Ansuchen des Vereines um Befreiung von der Aufsicht der Oberjuristen zu wallfahren, da ja die Juden in Prag freie Wahl der Synagoge hätten. Allein nicht einmal diese Empfehlung durch den Stadthauptmann vermochte es, wie wir gesehen haben, den grundsätzlichen Standpunkt des Guberniums zu erschüttern, das bald danach das Gesuch des Vereines abwies. Da der Prediger Dr. Zunz, enttäuscht durch die unerfreulichen persönlichen Verhältnisse im Vereine und gekränkt durch die ihm aufgezwungene Aufsicht der ihm feindlich gesinnten Oberjuristen, auf seine Predigerfunktion verzichtete, war der Verein gezwungen, einen anderen geeigneten Prediger zu suchen, den er aus vielen sich meldenden Kandidaten in der Person des Berliner religiösen Schriftstellers und Gelehrten Phil. Dr. Michael Sachs,22 gebürtig aus Schlesisch-Glogau, erwählte, dem er auch die Leitung des ersten Gottesdienstes in der neuhergerichteten alten Synagoge bei der Feier des Geburtstages des Kaisers am 19. April 1837, übertrug. Das Gesuch um die Bewilligung hiezu, mit dem sich der Verein Anfangs April 1837 an das Gubernium wandte, war mit einem ausführlichen Berichte über seine bisherige Tätigkeit vom Beginn seines Bestandes an, verbunden. Der Verein ersuchte das Gubernium um Schutz gegen die Oberjuristen, sollte der Verein nicht unter deren Händen zu Grunde gehen. In der Aufzählung seiner bisherigen Leistungen konnte der Verein mit Genugtuung unter anderem auch darauf hinweisen, daß er bereits vor zwei Jahren eine vom Kapellmeister F. Skroup geleitete zweiklassige Chorgesangschule für Männer und Knaben errichtet und daß dieser neue Gesangschor mehrere Male unter Begleitung einer Orgel, die in der alten Synagoge installiert wurde, insbesondere bei der Trauerfeier für den verstorbenen Kaiser Franz I. und bei der Feier der Krönung Kaiser Ferdinand V. in der Meiselsynagoge mitgewirkt habe, wohin damals das Orgelpositiv übertragen wurde, noch bevor die Orgel selbst in der alten Synagoge installiert worden war. Damit, daß sich der Verein mit der Einführung nur einiger deutscher Gesänge und Gebete begnügte, habe er auch manche Orthodoxe auf seine Seite gebracht, die auf einen ausschließlich deutschen Gottesdienst nicht eingehen wollten. Der Verein konnte unter diesen Umständen die Hoffnung aussprechen, daß nach dem Muster des Vereines bald auch in den übrigen Prager Synagogen der reformierte Gottesdienst eingeführt werden dürfte. Indem das Gubernium die Nachricht von der Eröffnung des Gottesdienstes in der renovierten alten Synagoge anläßlieh der Kaisergeburtstagsfeier mit Freuden zur Kenntnis nahm, genehmigte es am 14. April provisorisch, bis zur Bestätigung durch die Hofkanzlei, die Ernennung 432 22