Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 436)
- Language
- German
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nötig, weil die Mißhelligkeiten des Vereines nach Informationen des Guberniums ihre Quelle auch in persönlichen Differenzen unter der Mitgliedschaft hätten. Das Gubernium stellte sich einmütig auf den Standpunkt des Referenten, und so wurde das Ansuchen des Vereines um Befreiung von der Oberaufsicht der Oberjuristen Ende Oktober 1836 neuerlich abgewiesen.19 Der Verein, der im April des Jahres 1837 bereits 280 Mitglieder zählte, entfaltete inzwischen eine recht erfolgreiche Tätigkeit trotz verschiedentlicher sachlicher und persönlicher Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte. Einen näheren Blick hinter die Kulissen des Vereines gewährt uns ein Ende Feber 1836 an den Oberstburggrafen Chotek gerichtetes Schreiben.20 Der Anonymus beschwert sich darin, daß der Verein, der seine Tätigkeit verheißungsvoll begonnen habe, in der letzten Zeit die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfülle. Persönliche Eitelkeit, beleidigte Eigenliebe, Dünkel, Pedanterie und eine Reihe ähnlicher Untugenden repräsentierten, wie es scheine, die Mitglieder des Vereines, in dem nicht Einigkeit und Frieden herrschen. Zwei Mitglieder hätten schon resigniert, und der neue Prediger Dr. Zunz habe sich, ermüdet von dem gegen ihn geführten erbärmlichen und kleinlichen Intrigenspiel, seiner Funktion begeben. Die Entwicklung gehe eher zurück als nach vorwärts, und einzig der erhebliche eingenommene Geldbetrag verhindere es, daß sich der Verein infolge dieser Mißhelligkeiten auflöse. Nicht sittliche und religiöse, sondern pekuniäre Motive seien es, die noch die Mitgliedschaft des Vereines zusammenhalten. Was könne dabei herauskommen — so fragt sich der Anonymus — wenn immer und immer mehr die Hoffnung auf eine Regeneration und Besserung der Judenschaft schwindet? Der Anonymus sprach die Überzeugung aus, daß eine Abhilfe für diese traurigen Verhältnisse lediglich so möglich wäre, daß Chotek die Mitglieder des Vereines zu sich lade und zu größerer, ersprießlicherer und einiger Tätigkeit auffordere. Einigermaßen anders als die tendenziöse Beschwerde des Anonymus klang das Gutachten des Stadthauptmanns Hoch, von dem Chotek einen objektiven Bericht über den wirklichen Zustand im Vereine einholte.21 Hoch bestätigte zwar, daß sich zwischen der Mitgliedschaft Differenzen ergeben hätten, so bei der Aufnahme des Predigers, wie auch beim Bau der alten Synagoge, aber die Hauptschuld an der eingeschränkten Tätigkeit schrieb er einmal den jüdischen Gemeindeältesten zu, die den Verein aus Rücksicht auf die Anhänger des alten Kultus nicht unterstützen könnten, zum andern — und das insbesondere — dem Einflüsse der alten Rabbiner, die der Tätigkeit des Vereines ständig Hindernisse in den Weg legen, wobei sie sich die Oberaufsicht über den deutschen Prediger und auch über die alte Synagoge anmaßten. Indem er darauf 21 431