Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 422 (sequence 427)
- Language
- German
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Verhandlungen über die Reformvorschläge vom Jahre 1820 bekannten Einwände wiederholte: der Vorschlag gehe vom Auswurf der Judenschaft aus, nämlich aus dem Kreise jener vermögenden Juden, die eigentlich keine Religion haben und mit ihrem Antrage in Böhmen das Gleiche wollen, um das sich eine ähnliche Gesellschaft, nämlich eine Sekte in Preußen vergebens bemüht habe; diese ungläubigen, gewissenlosen Juden wollten damit nur ihren religiösen Indifferentismus verbergen, um ohne Religion leben zu können. Sie bemühten sich damit nur, die preußischen Puristen nachzuahmen, die als Deisten eine Religion der Vernunft einführen wollten, was auch für andere Religionen gefährlich sei und deshalb auf den Rat der preußischen Kirchenbehörden nicht bewilligt worden sei. Von dem Geiste, von welchem diese Juden beherrscht seien — so fuhr Landau in seinem scharf gehaltenen Proteste fort — zeugt am Besten die skandalöse Schrift des Berliner Juden Saul Bacher: „Schicksal, das der christlichen Religion bevorsteht". Dieser Geist, der Ordnung und Glauben ganz zu untergraben droht, müsse darum auch in Prag im Keime erstickt werden, wo die größte und älteste, an 9000 Seelen zählende jüdische Gemeinde bestehe, von denen mindestens 8800 der Religion ihrer Väter treu ergeben seien und den Versuch, in die jüdische Gemeinde Schisma und Zwiespalt zu säen, nur schwer ertrügen. Nun beabsichtige der Verein, sich gegen alles Recht auch der alten Synagoge, der ältesten in Prag, zu bemächtigen und die ungestörte Heiligkeit dieses Gotteshauses durch deutsche Predigten zu entweihen, die in dem neuen Kultus alle bisherigen religiösen Zeremonien ersetzen sollen. Da diese Prediger dem gemeinen Volke unverständlich seien, wollten sie in die religiöse Wildnis nur die intelligenteren Juden einführen und so die bisherigen Religionslehrer unterdrücken und erniedrigen, die durch ihre ehrenvolle und rechtschaffene Führung der Prager jüdischen Gemeinde deren Vertrauen genössen. Die Inhaber der Sitze in der alten Synagoge — fährt Landau fort — seien mit der beantragten Änderung keineswegs zufrieden und auch die ganze Prager Judengemeinde sei dadurch aufs äußerste aufgebracht; von einem Ausbruche ihres Widerstandes halte sie nur die ihnen bekannte Tatsache ab, daß er, Landau, in ihrem Namen diesen Protest gegen das Gesuch des neuen Vereines überreiche. Über Antrag des Referenten Grafen Hartmann wendete sich das Gubernium noch vor der Entscheidung über die Frage an die niederösterreichische Regierung und an die Statthalterei in Pest mit der Anfrage, wie bei dem analogen Verfahren in Wien vorgegangen worden sei, was für Hindernisse dagegen aufgetreten und wie sie beseitigt wurden, wie jetzt in Wien der jüdische Gottesdienst abgehalten werde, was für Gebetbücher dabei im Gebrauche und welche Gesänge üblich sind, mit was für einem Gehalt dort der deutsche Prediger angestellt worden sei, wie 422 12