Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 420

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 420 (sequence 425)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2644300-2644309--4227-2648576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

werden könne. Der Aufruf der unbekannten Dame (verbarg sich nicht vielleicht Dormitzer unter dieser anonymen Aktion?) endete mit einem Appell an die jüdischen Prediger, sie möchten durch die Erfüllung dieser Aufforderung sich ein ewiges Denkmal in den Herzen aller gläubigen Juden errichten und so am Besten das kaiserliche Regierungsjubiläum feiern. Anfragen und Anerbietungen von Predigern sollten an die Expedition der Prager Zeitung unter der Chiffre Lz. eingesendet werden.10 Noch, bevor die landesfürstlichen Behörden Gelegenheit gefunden hatten, sich mit den Erfolgen der Aktion der unbekannten Dame zu beschäftigen, meldete sich Jakob Dormitzer mit dem von uns bereits erwähnten Vorschlag, von dem einen Teil auch der Plan der Einführung deutschen Gottesdienstes und deutscher Predigten in den Synagogen bildete, der wie vom Magistrat so auch von der Stadthauptmannschaft und dem Gubernium mit Sympathie aufgenommen wurde. Bald darauf wendete sich ein neuer „Verein zur Verbesserung des israelitischen religiösen Kultus", der unmittelbar nach dem erwähnten Aufruf vom 1. März entstanden war, an das Gubernium. An der Spitze des neuen Vereines standen einige fortschrittliche Prager Juden, insbesondere der erste und der dritte Gemeindeälteste Pissling und Landau, die Großkaufleute Leopold v. Lämel und Leopold Jerusalem, Nathan Dormitzer, der jüdische Steuerdirektor und Direktorstellvertreter W. Dormitzer und J. Wiener, der uns schon bekannte Lehrer an der jüdischen Hauptschule Peter Beer, der supplierende Religionslehrer der jüdischen Gymnasialjugend JUDr. und Phil. Dr. W. Wessely, die Repräsentanten der Prager jüdischen Kaufmannschaft S. B. Hirsch, der bereits erwähnte Jakob Dormitzer, der Kartonnagenfabrikant L. Epstein, Salomon Low Kuh, Jakob Lieben, Samuel Lippmann, MUDr. H. Wehle und der Kosifer Steuereinnehmer der Judensteuer Ludwig Polläk, der, wie es scheint, der Initiator und die Seele des neuen Vereines war. Der neue Verein machte es sich zur Aufgabe, im Sinne des Hofdekretes vom 23. Jänner 1820 den bisherigen, Geschmack und Verstand beleidigenden jüdischen Gottesdienst nach Wiener Muster von allen üblen Gewohnheiten, dem Lärm und den unnatürlichen Gestikulationen zu befreien und in den öffentlichen Gottesdienst den richtigen Geist wahrer Frömmigkeit durch deutsche Predigten und Gebete und Chorgesang mit Orgelbegleitung einzuführen. Bereits am 11. März 1832, also kurz nach Veröffentlichung des erwähnten Aufrufes, versammelten sich 54 aufgeklärte, von der Notwendigkeit einer zeitgemäßen Reform des jüdischen Gottesdienstes überzeugte Juden und sprachen sich einmütig für die Notwendigkeit eines geregelten Kultus aus. Zur Erreichung dieses Zieles schlössen sie sich sogleich zu einem Verein zusammen und wählten einen 18-gliedrigen Ausschuß, mit 420 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.