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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 419

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 419 (sequence 424)
Language
German
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aussprach, den Brüll, einen wohlgesinnten und fleißigen Studenten, nicht für diese jugendliche Unbesonnenheit zu bestrafen, zu der er nach seiner Aussage nur durch Gesellschaft und Lektüre verführt worden sei. Nichtsdestoweniger ist Brülls interessantes Memorandum ein ausgesprochenes Zeugnis für das erstarkte Selbstbewußtsein der intelligenten Judenheit und für ihre lebhafte Sehnsucht, volle Gleichberechtigung mit der übrigen, christlichen Bevölkerung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu erlangen.9 Zu jener Zeit war bereits die Aktion zur Reformierung des jüdischen Gottesdienstes nach dem Muster des Wiener Tempels, und namentlich auch zur Einführung des Deutschen in den Synagogen, in vollem Gange. Nach dem obenerwähnten, mißlungenen Verfahren über den Beerschen Vorschlag vom Jahre 1820 gab unmittelbaren Anlaß zu neuen Verhandlungen in dieser Sache eine im deutschen Amtsblatte „Prager Zeitung" am 1. März 1832, dem Tage des 40-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz L, abgedruckte Aufforderung einer unbekannten „edlen" Dame. Unter Berufung auf das Beispiel von Wien, Pest und Preßburg, wo schon damals deutsche Predigten in den jüdischen Synagogen eingeführt waren, verkündete die Ungenannte, daß sie entschlossen sei, zu Zwecken der Einführung deutscher Gottesdienste und Predigten auch in Prag 2000 fl zu widmen, und zwar so, daß sie auf drei Jahre je 400 fl. jährlich jenem jüdischen Prediger zusichere, der sich verpflichten würde, von Zeit zu Zeit deutsch zu predigen; aus den restlichen 800 fl. wolle sie einen Fond für ähnliche Zwecke errichten. Zugleich sprach die Unbekannte auch die Hoffnung aus, daß der deutsche Prediger außerdem ein jährliches Einkommen auch von den Juden erhalten werde; falls es dazu nicht käme, versprach sie, die restlichen 800 fl. entweder auf einmal, oder zu je 400 fl. jährlich unter der Bedingung auszubezahlen, daß der Prediger sich die behördliche Bewilligung zur Abhaltung deutscher Predigten nach Wiener Muster verschaffe. Außer der Berufung auf das bereits erwähnte Höfdekret vom Jahre 1820, das die Ausmerzung der veralteten Unzuträglichkeiten aus den Synagogen und die Einführung eines Geistes wahrer Frömmigkeit in den jüdischen Gottesdienst forderte, war der Aufforderung auch der Text einer aus dem obenzitierten Schriftchen des Arader Oberrabbiners Aron Chorin ,,Treuer Bote" (herausgegeben in Prag im Jahre 1831) abgedruckten Aufforderung an die jüdischen Vertreter vom 21. Oktober 1820 beigeschlossen. Dieser Aufruf der niederösterreichischen Regierung wandte sich mit Berufung auf einen Vorschlag zur Verbesserung des jüdischen Kultus in Wien, an die Vertreter der Judenschaft mit dem Ersuchen, bis Ende November 1821 den Entwurf eines Gebet- und eines Gesangbuches für den neuen Kultus vorzulegen, damit so der Allerhöchste Wille des Kaisers wohl erfüllt 9 419

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