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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 418

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 418 (sequence 423)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--4225-2648574
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Das von biblischem Pathos getragene und die Gefühlserregung seines Autors verratende Memorandum trug die Unterschrift Bernard Brüll ohne nähere Angabe eines Wohnsitzes. Erst dann, als das Gesuch aus Wien dem Gubernium zur Erhebung eingesendet worden war, wurde ermittelt, daß dessen Verfasser ein 15 jähriger jüdischer Student des ersten Jahrgangs der philosophischen Fakultät an der Prager Universität Bernhard Brüll war, der in Prag geborene Sohn des im Juni des Jahres 1831 verstorbenen, recht vermögenden Prager jüdischen Kaufmanns Samuel Low Brüll und dessen Gattin Rebekka, bei welcher der Gesuchsteller damals lebte. Durch seine Einvernahme bei der Stadthauptmannschaft wurde festgestellt, daß die Eltern aus dem talentierten und edeldenkenden Knaben einen Gelehrten machen wollten, ihm deshalb alle Wünsche erfüllten und ihm Hauslehrer für Religion und Sprachen hielten, so daß der Junge schnell heranreifte. Unter dem Einflüsse der zu Hause vernommenen Räsonanz des Talmuds und der Klagen über die Unterdrükkung der Judenschaft, namentlich was das Wohnrecht betrifft, und verführt durch die ohne rechte Wahl genossene Lektüre entschloß sich der junge Brüll, der damals fleißig an der Universität studierte, im Geheimen an den Kaiser ein Gesuch um die rechtliche Gleichstellung der Juden mit den Christen zu richten, wobei er damit nur den kulturellen Fortschritt im Sinne hatte. Die Andeutung des Gesuchswerbers über Erhebungen der jüdischen Verhältnisse bezog sich auf eine drei Monate vor der Ankunft des Kaisers in Prag in den Zeitungen abgedruckte Allerhöchste Entschließung, mit welcher der Kaiser angeordnet hatte, daß der Staatsrat die Steuerverhältnisse der Juden entsprechend regulieren solle, jedoch so, daß dabei der Ertrag der Judensteuer nicht sinken dürfe. Im Kreise der Bekannten des Brüll wurde über die Sache viel gesprochen und den Juden selbst die Schuld gegeben, weil sie nicht die Wahrheit über die Lage der Judenschaft im Lande sprächen. Insbesondere wurde damals unter den ärmeren Juden behauptet, daß die Eigentümer der Judenhäuser eine Erweiterung der Wohnrechte der Prager Judenschaft auf die Christenstadt selbst nicht wünschen, damit dadurch nicht die Zahl ihrer Mieter und die Höhe des Mietzinses sinke. Nach Aussage des Brüll habe es sich ihm bei der Einbringung des Gesuches vor allem um die Ausdehnung des Wohnrechtes der Juden über die Judenstadt hinaus,8 um die Aufnahme der Juden in den Staatsdienst und um das Recht zur Erwerbung von Grundbesitz gehandelt. Die sympathische Erscheinung des Brüll machte auch auf die Stadthauptmannschaft guten Eindruck, so daß sie sich mit der Ermahnung begnügte, er möge sich lieber dem Studium widmen und seine Fähigkeiten zu Gunsten des praktischen Lebens nützen; die ganze Affäre schloß sodann mit einer milden Relation des Stadthauptmanns an das Gubernium, in der Hoch sich dafür 418 8

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