Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 422)
- Language
- German
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sehen machen wollen, aber die damaligen bigotten unwissenden Juden hätten dies aus Furcht um ihr elendes Leben abgelehnt, weil sie nach dem Wunsche Josefs dafür jährlich eine bestimmte Anzahl Soldaten zur Verteidigung des Vaterlandes hätten stellen sollen. Diese feigen Frömmler hätten das schönste Recht auf Erden, die Heimat zu verteidigen, lieber mit Geld ablösen wollen, und so sei die sog. Judensteuer entstanden, durch die die Lage der Judenschaft noch verschlechtert worden sei, so daß ihre Kinder nicht mehr hätten Menschen werden können. Der Bürger verachte die Juden, in denen er die verächtlichsten Geschöpfe auf Erden erblicke. Von Juden geschaffene künstlerische Werke würden darum für schlecht angesehen, ebenso wie von Juden geschriebene Bücher ärger sein müßten als von Christen geschriebene Werke. Der Jude sei trotz seines Reichtums eine armselige Kreatur, unterdrückt, isoliert und verachtet. Der Mensch sei frei geboren, habe glauben dürfen, was er wollte, und habe anständig und gut zu den Nächsten sein dürfen. Gott, der die Welt für alle Menschen schuf, habe dem Menschen keine Strafe für das Recht, Mensch zu sein, auferlegt, ebensowenig dafür, daß er auf der Welt sein darf. Die Untertanen müßten freilich dem Herrscher zahlen, was er von ihnen verlangt, aber niemand solle nach Natur- und Vernunftgesetzen dafür verdammt sein, daß er anders denkt und einen anderen Glauben als die übrigen hat, und dazu noch zehnmal mehr für das Wohl des Staates bezahlen als jene. Der Kaiser könne doch nicht wollen, daß die Juden nur in ihren engen, unsauberen Vierteln wohnen, indes die Leute ganze Städte für alle Menschen erbauen. Der gebildete Jude sei aber noch unglücklicher als die übrigen, da seine unwissenden Glaubensgenossen ihn scheel ansehen und ihm darum ausweichen, weil er einen reineren Gottesglauben hat als sie und von seinem gütigen, gerechten und milden Fürsten mehr erwarte als die, deren Gott unter geheuchelter Frömmigkeit Aberglaube und Götzendienst sei. Der gebildete Jude sei deshalb doppelt unglücklich, verachtet von den Christen und gemieden von den Juden. Der Kaiser könne sich nicht gut eine Vorstellung machen von der Lage eines Juden, der nicht genug Geld besitzt, um sich durch Feste und Triumpfbogen eine Ehre zu erzwingen, die ihm nur deshalb verweigert werde, weil er Jude ist. Der Kaiser möge sich doch der Juden erbarmen und sie durch einen Tropfen vom Balsam seiner Güte beglücken. Der Kaiser und der Staatsrat habe zwar bereits einmal den Juden aufgetragen, die tatsächliche Lage der Judenschaft darzustellen, die Aufforderung sei aber leider an jene ergangen, die gerade der Bedrükkung ihrer Brüder die Erhaltung ihres bequemen Lebens verdanken, die nur für sich Interesse hätten und nicht imstande seien, ihre persönlichen Interessen der Gesamtheit zum Opfer zu bringen. Und darum blieben die Juden verachtete und unterdrückte Kreaturen, wie sie es früher waren. 7 417