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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 415

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 415 (sequence 420)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--4222-2648571
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ten Zeit erheblich angewachsen, sei aber trotzdem bisher noch in der Minderheit; übrigens rede auch der Oberrabiner Chorin, auf den sich Dormitzer berufe, in seinem Schriftchen über die vorgeschlagene Reform nur vorsichtig in dem Sinne, daß diese grundsätzliche Änderung nur ein autorisiertes jüdisches Organ, nämlich der gesetzliche jüdische Synod, vornehmen könnte. In Erwägung der Frage, ob eine solche Reform für die Regierung so wichtig sei, daß zu ihrer Entscheidung ein jüdischer Synod, irgendeine Art Synhedrion (Sanhedrin, dessen Einberufung durch Napoleon nach Paris im Jahre 1806 damals der österreichischen Regierung viel Sorge bereitete),7 konstituiert werden sollte, macht Sporschill darauf aufmerksam, daß die Juden zwar durch diese Reform einen Arbeitstag gewinnen würden, daß dies aber im Ganzen genommen keine größere Bedeutung hätte, weil es im Reiche bisher wenig jüdische Landwirte gebe und die jüdischen Handwerker am Sonntag zu Hause arbeiten dürfen. Er kam daher zu dem Schlüsse, daß die Verlegung des Sabbatfeiertages auf den Sonntag absolut nicht mit einem Vorteil für den Staat verbunden und daß es darum auch nicht nötig sei, um deren Durchführung willen zu dem außerordentlichen Mittel einer jüdischen Synode zu greifen. Sporschill hielt es nicht für passend, mit dieser Neuerung das Mißtrauen der orthodoxen jüdischen Kreise gerade zu einer Zeit zu erwecken, in welcher, wie wir weiter sehen werden, begonnen wurde, über die Einführung des deutschen Gottesdienstes in den Synagogen zu verhandeln. Übrigens habe Jakob Bentuga (Dormitzer) in dem Chorinschen Schriftchen bei seinem Vorschlage hauptsächlich die Erlangung der vollen Menschenrechte für die Juden im Auge gehabt, die aber die Juden in Böhmen eigentlich schon besäßen, so daß in dieser Hinsicht die Annahme des Vorschlags nicht notwendig erscheine. Nach der Meinung des Bürgermeisters wäre das beste Mittel zur Veredlung der Juden eine strenge Aufsicht der Regierung über die Heranbildung der Religionslehrer, also dasselbe, was bereits vor Jahren Beer beantragt hatte. Der Bürgermeister betonte ferner den großen Einfluß der jüdischen deutschen Schulen auf die Hebung des Bildungsniveaus der Judenschaft, machte jedoch zugleich darauf aufmerksam, daß das Augenmerk auch gerichtet werden sollte auf den störenden Einfluß der Rabbiner, die, in den veralteten Gebräuchen befangen, aus diesem Grunde den Reformprozeß hemmten. Er stellte deshalb der Erwägung anheim, ob es nicht zweckmäßig wäre, jüdisch-theologische Anstalten zu errichten und auch in den deutsch-jüdischen Schulen den Religionsunterricht nach reineren Grundsätzen einzuführen; dies beides würde nach seiner Meinung einen wohltätigen Einfluß auf die Bildung des jüdischen Volkes ausüben. Erst dann werde es leicht möglich sein, zu Verhandlungen über die Verlegung des Sabbatfeiertages auf den Sonntag zu schreiten. Inzwischen empfahl Sporschill dieses Verfahren aufzu- 5 415

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