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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 411

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 411 (sequence 416)
Language
German
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IRI
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Von den Anfängen des Vereines für Verbesserung des israelitischen Kultus in Böhmen Von Dr. Frantisek Roubik. Deutsch von Oberfinanzrat i, R. Dr. für. et phiL Friedrich Karl Pick. Das jüdische Systemalpatent vom Jahre 1797, das die Rechtsstellung der Juden in Böhmen wesentlich erleichtert hatte,1 wurde zu einem mächtigen Antrieb für die Emanzipationsbestrebungen der böhmischen Judenschaft, von der ein erheblicher Teil, allerdings zumeist in Prag, schon damals an allgemeinem Bildungsniveau die jüdische Bevölkerung in den anderen Ländern der Monarchie überragte.2 In der Galerie der fortschrittlichen jüdischen Persönlichkeiten, von denen zu jener Zeit, d. i. von den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts an, der größte Teil der das Leben, die Bildung und Rechtsstellung der böhmischen Juden betreffenden Reformvorschläge ausging, nahm eine hervorragende Stellung der Lehrer an der Prager jüdischen Hauptschule Peter Beer ein,3 der sich damals ebenso sehr der Gunst in den Regierungskreisen, wie des Hasses bei den jüdischen rechtgläubigen und konservativen Prager Rabbinern und Oberjuristen erfreute. Einen der Hauptgründe für die Opposition der altgläubigen Juden gegen Beer bildete sein Antrag vom Jahre 1820 auf Reformierung der jüdischen Kultusverwaltung.4 Beer, der die Bestrebungen der jüdischen Reformbewegung im Auslande, namentlich in Westfahlen, Hamburg und Wien, mit Interesse und Sympathie verfolgte, erblickte die Hauptursache für die kulturelle Rückständigkeit der Judenschaft in Böhmen in dem veralteten religiösen Ritus nach polnischem Muster, der ausschließlich das Hebräische pflegte und an dem unwürdigen lärmenden Hersagen der noch durch Bannsprüche und die finsteren Vorstellungen und Grundsätze des Talmuds verderbten Gebete festhielt. Die Mehrzahl der einfachen Juden — so führte Beer in seinem Memoriale vom Jahre 1820 aus — könne nicht mehr Hebräisch und verstehe daher gar nicht den Inhalt der Gebete, die so zu einer leeren Formalität herabsinken. Beer schlug deshalb außer der Forderung nach Vervollkommnung der Rabbinerausbildung an einer jüdisch-theologischen Lehranstalt und Verbesserung des jüdischen Schulwesens vor, daß in die gereinigten jüdischen Gebete in den Synagogen neben dem Hebräischen auch das Deutsche eingeführt werde und deutsche l 411

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