Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 414)
- Language
- German
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in ihr Anathema eingeschlossen, bloß weil sie zu dieser Familie gehört, deren Mann aber von achtem Ehrgefühl belebt, beseitigte alle Furcht vor den Oberjuristen und brachte die Sache zur Sprache. Ich sage also, ich übergehe alle Details und komme nun zuförders zu dem eigentlichen Entstehungs-Punkt aller bisherigen Verfolgung, und dieser ist: Durch die Macht, so eine hohe Landesstelle den Oberjuristen in Religionssachen eingeräumt. Der Himmel bewahre mich vor dem Gedanken, die Gesetze der hohen Regierung nur im mindesten tadeln zu wollen, ich habe darum für die Gesetzgeber und Gesetze allzuviel Ergebenheit und unterwerfe mich ihnen mit willigem Herzen und wahrer Soumission. Euer Excellenz erlauben aber nur einem Juden, der seine Nation studirt hat, bemerken zu dürfen, daß es ganz was anders ist, einem Geistlichen oder einem Rabbiner religiöse Gewalt zu übertragen, denn, wollte auch der erstere den Fanatismus predigen, so würden (da er in einer populären, einem jeden verständlichen Sprache vorträgt) Hunderte von Menschen ihn, olme Furcht vor dem gemeinen Haufe, dem Richter öffentlich denunziren, dieser aber kann seinen Fanatismus recht gut dem Volke predigen, da er solchen in einem Galimathias von Zweideutigkeiten und Sprüchen einhüllt, dem Unsinn nur dem bessern Theil verständlich ist, vor dem Richter aber, unkündig der Sprache und deren feinen Spitzfindigkeit, nichts wider ihn zu beweisen vermag, wo aber nichtsdestoweniger dessen Gift in dem Herzen des gemeinen Mann, durch die Exclamation des Prediger, die er im Grunde nicht verstehet, bereits Wurzel um sich gefaßt und um sich gegriffen. Man kennt aus der Geschichte zur Gnüge die außerordentliche Schädlichkeit der jüdischen Hierarchie. Ein neueres Beispiel liefern uns eben diese Oberjuristen. Sobald sie diesen Befehl in Händen hatten, konzentrirten sie alle ihre Kräfte, um ihre Herrschsucht und Macht wider diese Unschuldigen geltend zu machen, ließen aber diese Lenthe keineswegs vorrufen, um sich zu vertheidigen (so wie es einst der seelige Oberrabiner machte, ein Mann von vielem Kopf und großen Einsichten, der sie vor 12 Ja(hren) vorrufen ließ, und nachdem er die Sache im wahren Lichte als eine bloße Narrheit betrachtet hat, ließ er sie ruhig nach Hause gehen, Gott habe ihn seelig), sondern fielen gleich wie die Wölfe über sie her, legten sie (ganz wider den neulichen Befehl von 1799 Seiner Allerhöchsten Majestät unseres geliebten glorreichen Kaisers) in den Bann, verstoßten sie aus den Synagogen, ließen eine Schmähschrift nach der andern mit Bewilligung der Censur, die man für die der hohen Regierung ausgab, wider sie im Druck erscheinen, wo es unter andern Unsinn heißt, derjenige, der sich unterstünde, diesen Leuthen nur im mindesten das Wort zu reden, wäre es auch Wahrheit, soll auch verdammt und als Ketzer betrachtet werden, unter ihrem Anhange von alten Weibern und Gassenbuben verbreiteten sie, diese Oberjuristen, es geschähe alles mit Vonvissen Euerer Excellenz und Seiner gräflichen Gnaden des Titl. Herrn Stadthauptmann, und so wurde die große Haufe hintergangen, und der bessere und heller denkende Theil der Nation unterstand sich nicht den Mund zu öffnen, aus Furcht, ebenfalls als Ketzer verschrieen und dadurch seiner Ruhe verlustig zu werden, aus welchem Grunde auch gegenwärtiges Schreiben auf fremdem Weg zu Hochdero Händen gelangen mußte). Die Folgen, die die Herrschsucht und der Verfolgungsgeist der Oberjuristen hervorgebracht, sind vor der Hand: ltens: Das die ganze Menschheit entehrende Begräbniß, nur indem es der hohen Regierung unbewußt war, oder etwa durch das linkische Benehmen des H. Comissaire konnte dieser empörende Vorfall stattfinden. 2tens: Das gänzliche Ausstoßen dieser Redlichen aus der Synagoge, Hochschule genannt, dergestalt, daß sie schon seit einem halben Jahr ihr Gebeth zu Hause verrichten müssen. 3tens: Die Vorfälle am 10. in der Altneuschule durch den Tritsch, der durch seine Anrede an alle Weiber diese dergestalt in Wuth gesetzt, daß, wären die 3 Weiber en question nicht vernünftigerweise davon gelaufen, es vielleicht zu blutigen Auftritten gekommen wäre. 67 409