Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 413)
- Language
- German
- Belongs to
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Da es zwei Gabriel Porges gibt, so muß ich, um allen Irrthum zu verhütten, die Anzeige machen, daß dieser Gabriel Lippmann Porges heißt und in der Judenstadt No. Cons. 217 wohnt. Ich vergaß auch zu melden, daß schon zwischen der in meinem vorgen Brief berührte Malka Porges, die um ihren Sohn so jammert, und einige Glieder der Gesellschaft bis zur Thättigkeit ausgebrochen ist (!), weil die Wittib Porges selbe auf der Gasse pakte und lose Reden gab. Freitag am Abend fiel auch eine Schlägrei zwischen Simon Eger, dessen Weib und seinen jüdichen Studenten oder so genannten Boclier in dem Hause der Egerin aus, welches ebenfalls diesen Gegenstand zum Grunde hatte. Auch hab ich in Erfahrung gebracht, daß der Jonas Beer Wehle seine Söhne hinweg reisen lassen, wo selbe nach Berlin gangen und von dort nach Nanci in Lothringen reisten. Beilage in (Zu Seite 378) Schreiben eines aufgeklärten Prager Juden an den Stadthauptmann über die Prager Unruhen von 1800, dd. 15, Oktober 1800. Euer Excelienz! Dem Adlerblick Euer Excellenz konnte es wohl unmöglich entgehen, welcher Zwiespalt und Schisma, leider! seit einer gewissen Zeit unter unserer hiesigen Judenschaft dergestalt um sich gegriffen, daß nur die Macht der hohen Landesstelle und der löbl. Stadthauptmannschaft im Stande ist, fernem Einhalt zu thun und die vorige Ruhe und Ordnung wieder herzustellen; Euer Excellenz auf den bisherigen Gang der Begebenheit und deren unabsehbaren Folgen aufmerksam, dann Vorschläge zu geschwinden Herstellung der alten Ordnung der Dinge in Unterthänigkeit zu machen, sei der Zweck dieses Schreibens. Fern sei es von mir, die so genannte Sabbathe Zewi vertheidigen zu wollen. Wie könnte ich auch das! Menschen von der ersten Familie unter den hiesigen Juden, von dem besten Karakteüer und Moralität, mit Kenntnissen, Reichthum und dern Folge, Ehre, begabt, jagen einer Chimäre, einem Hirngespinste nach, bringen sich dadurch um all ihr zeitliches Glück, werden verfolgt und verlacht, aus den Synagogen und aus allen Gesellschaften ausgestoßen, von dem gemeinem Haufe gemißhandelt und leiden alles dieses — eines närrischen Sophisme wegen. Sie wüßten nämlich die Zeit genau anzugeben, wann der Messias kommen werde! Wenn diese Wahnsinnigen ja Strafe verdienen, sollte sie meines Erachtens bloß darinnen bestehen, die Geißel der Satyre und der Persifflage über sie schwingen zu lassen, sie allenthalben lächerlich machen, und wirkt auch das nicht, sie ganz ihrer eignen Narrheit überlassen, von der sie doch über kurz oder lang zurückkommen müssen, die Verfolgung und Bedrückung aber, so sie auf Anstiften der Oberjuristen F. und L. von allen Seiten ausgesetzt sind, ist himmelschreiend und für jedes gefühlvolle Herz wirklich empörend. Ich brauchte nur ein paar Skizzen aus dem Leben dieser Verfolger auszuheben, um sie Höchstdenselben in ihrem wahren Licht darzustellen, dieses wäre aber liebloß und unmoralisch (auch hat sie schon der beliebte Schriftsteller unser Nation D. Friedländer in einer hebräischen Monatsschrift, Der Sammler genannt, vor vielen Jahren öffentlich gegeißelt) und ich schweige. Auch würde es zu weitläufig sein, alle die Maschienerien und Mittel aufzudecken, die die Oberjuristen ganze 2 Jahre angewendet, um diese Leuthe in den Augen aller herabzuwürdigen. Ich war die ganze Zeit über unpartheiischer Beobachter, sähe mit kaltem Blut, wie eifrig sie sichs angelegen sein ließen, diese guten Menschen beim gemeinen Haufe als Ketzer zu verschreien, die man vermög rabbinischem Intollerantismus ganz ausrotten muß, und welche Gelassenheit und Demuth ihrem Fanatismus und ihrer Wuth entgegen gesetzt wurde dergestalt, daß sie noch zur Stunde nicht klagbahr geworden wären. Hätten die Oberjuristen nicht auch die Weiber dieser Verschrieenen und besonders eine dritte Person mit 408 66